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Zukunft

17.02.2015

Und wieder 5000 Menschen mehr - Augsburg wächst und wächst

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Augsburg zieht die Menschen wie ein Magnet an – allein im vergangenen Jahr legte die Einwohnerzahl um 5000 zu.
Bild: Silvio Wyszengrad

Augsburg zieht die Menschen wie ein Magnet an – allein 2014 legte die Einwohnerzahl um 5000 zu. Warum das gut ist – und für wie viele noch Platz ist.

Fischach ist alles andere als ein Dörflein. Der Markt in den Stauden hat knapp 5000 Einwohner. Um etwa so viele Menschen ist jedoch alleine im vergangenen Jahr Augsburg gewachsen.

Die Stadt stellt einen neuen Einwohnerrekord nach dem anderen auf. Ende des Jahres 2014 lebten hier 283544 Frauen und Männer. Ähnlich stark ist Augsburg nur nach der Wiedervereinigung gewachsen. Der rasante Anstieg hat seinen Preis. Das spürt jeder, der eine Wohnung mieten oder ein Haus kaufen will. Doch trotz steigender Preise fürs Wohnen sagt Matthias Garte von der Stadt: „Es ist ein Riesenglück, in einer wachsenden Stadt zu leben.“

Was Schrumpfen bedeutet, hat Garte auf Besuch in anderen Städten erlebt: Schulen werden geschlossen, das Abwassernetz wird zu groß und teuer, junge kreative Köpfe ziehen weg. Augsburg erlebt dagegen seit Jahren das Gegenteil, weil so viele Menschen hierher ziehen, hat das Statistikamt der Stadt ermittelt.

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Die Zuzüge gleichen nicht nur das natürliche Minus aus, das entsteht, weil etwa 500 Menschen mehr sterben, als Kinder geboren werden. Sie liegen auch so deutlich über den Wegzügen, dass am Ende ein sattes Einwohnerplus steht: 2012 wuchs Augsburg um rund 3700 Menschen, 2013 um 4100 und zuletzt um 5000.

Im vergangenen Jahr kamen viele Ausländer. Die mehr als 3600 Menschen spiegeln die Veränderungen in der Europäischen Union wider, sagt das Statistikamt: Auch Rumänien und Bulgarien können sich frei auf dem Arbeitsmarkt bewegen und suchen im Westen ihr Glück. Allein 2014 kamen rund 1200 Rumänen – sie stellen nun mit gut 4000 Menschen die zweitgrößte Gruppe hinter den Türken (12464).

Die Rumänen haben mit Vorurteilen zu kämpfen, doch sowohl bei der Arbeitslosigkeit als auch bei Hartz IV sind sie nach Angaben der Behörden nicht auffällig. Matthias Garte von Büro für Integration sagt: „Sie tragen mehr zum Sozialstaat bei, als sie Leistungen in Anspruch nehmen. Und: Wer baut denn unsere Häuser?“ Gesellschaft und Wirtschaft seien auf Zuwanderung angewiesen.

Doch Augsburg scheint auch attraktiv für Menschen aus der Umgebung zu sein: „Es ziehen auch junge Menschen aus den Nachbarlandkreisen her“, sagt Sebastian Schneid vom Statistikamt der Stadt. Im vergangenen Jahr haben er und seine Kollegen die Zu- und Wegzüge ausgewertet: Abgesehen vom Kreis Augsburg kamen aus ganz Bayern mehr Menschen in die Stadt, als dorthin weggingen. Auffällig ist, dass allgemein viele junge Menschen nach Augsburg zogen – im Jahr 2014 waren mehr als 3000 der Neu-Bürger jünger als 40 Jahre.

Zum einen altert sie weniger als andere. Zugleich ist der Anteil der Menschen mit Migrationshintergund – Ausländer und Deutsche, die aus anderen Ländern stammen – gestiegen. Er liegt jetzt bei 43,4 Prozent. Das Wachstum schafft auch Probleme – etwa steigende Mieten für Menschen mit geringem Einkommen: „Für sie müssen wir Sonderlösungen finden, denn das löst der Markt nicht“, sagt Sozialreferent Stefan Kiefer (SPD), der für das Wohnen zuständig ist.

Matthias Garte sieht vielschichtige Gründe. Zum einen sieht er Deutschland und Bayern in Europa als Gewinnerregionen. Das wirkt wie ein Magnet. Und neben den Stärken Augsburgs steigert aus seiner Sicht die Nähe zur „Boomregion München“ diesen Effekt noch.

In vielen Bereichen kann die Stadt wachsen

Wenn Wohnraum da ist, kann eine Stadt wachsen, sagt Statistiker Schneid. Hier hat sich viel getan. Früher rechnete man laut Stadt mit rund 600 neuen Wohneinheiten pro Jahr. Allein im Jahr 2013 sind nach den Worten von Sozialreferent Kiefer aber etwa 2500 hinzugekommen. Dementsprechend sind bestimmte Stadtviertel besonders gewachsen: Am Schäfflerbach nahm die Bevölkerung um 469 Menschen zu – dort wird rund um das Textilmuseum viel gebaut. Und Kriegshaber (+535) hat das Reese-Areal.

Weil die eigene Prognose längst übertroffen ist, erstellt das Statistikamt eine neue Hochrechnung. In vielen Bereichen kann die Stadt wachsen: Straßen, Nahverkehr oder das Abwassernetz sind nach den Worten von Baureferent Gerd Merkle (CSU) gerüstet. Schulen und Kinderbetreuung könnten je nach Bedarf ausgebaut werden. Schwieriger wird das beim Wohnraum.

Aktuell sieht das Stadtplanungsamt Flächen für 9000 Wohneinheiten. Rechnerisch würde das für rund 18000 Augsburger reichen, denn man geht von rund zwei Personen pro Wohnung aus. Und wo können weitere Häuser und Wohnungen entstehen? Neben Baugebieten wie dem Reese-Areal (siehe „Wo kann Augsburg wachsen“) denkt die Stadt an Flächen am Rand bestehender Siedlungen und an eine sanfte Nachverdichtung. Für die Zukunft wird am Stadtentwicklungskonzept gearbeitet.

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