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Augsburg

01.10.2020

Unfälle mit Radfahrern in Augsburg: ADFC will mehr Tempo-30-Limits

Radfahrer auf dem Radweg in der Grottenau - die Achse ist ein Unfallschwerpunkt.
Bild: Michael Hochgemuth (Archivbild)

Plus Der Fahrradclub prangert einen Anstieg bei Unfällen mit Radlerbeteiligung in Augsburg an und spricht von einem "Warnsignal an die Stadtregierung". Ist mehr Tempo 30 die Lösung?

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) fordert von der Stadt die Entschärfung einer Reihe von Unfallstellen in Augsburg, die für Radfahrer gefährlich sind. Konkret geht es um die Achse zwischen Grottenau und Jakobertor, die Neuburger Straße, die Rosenaustraße und die Frölichstraße. Der ADFC hat den jährlich erscheinenden Unfallatlas des Statistischen Bundesamtes ausgewertet. Der Atlas bietet eine Übersicht über die Unfallbelastung von allen Straßen in Deutschland.

Das Augsburger ADFC-Vorstandsmitglied Arne Schäffler sagt, dass die Zahlen ein "Warnsignal für die Stadtregierung" sein müssten. "Wir fordern seit Jahren Tempo 30 für den Straßenzug von der Grottenau bis zum Jakobertor und wir fordern Tempo 30 für die Strecke von der Luitpoldbrücke bis zur Frölichstraße. In beiden Abschnitten steigen die Unfallzahlen besonders stark", sagt Schäffler.

Unfallzahlen in Augsburg unterliegen jährlichen Schwankungen

In der Tat verzeichnet der Atlas auf der Ost-West-Achse zwischen Jakobertor und Grottenau durch die Innenstadt fürs vergangene Jahr 20 Unfälle mit Beteiligung von Radlern oder Fußgängern. Im Jahr 2016 waren es noch 14 derartige Unfälle gewesen. Allerdings unterliegen die Zahlen gewissen jährlichen Schwankungen. Für die Strecke zwischen Luitpoldbrücke und Frölichstraße durch die Pferseer Unterführung - im Tunnel gilt seit einigen Monaten eine Tempo-30-Regelung - wurden im vergangenen Jahr acht Unfälle verzeichnet. Im Vorjahr waren es noch 18, wobei sich in den Jahren zuvor eine Steigerung andeutete. Erfasst werden im Unfallatlas nur Unfälle mit Verletzten oder Toten.

Der ADFC fordert zum Schutz von Radfahrern und Fußgängern grundsätzlich mehr Tempo-30-Regelungen in Augsburg. Dies sei eine Lösung in Straßen, in denen die Verkehrsführung nicht auf die Schnelle sicherer gestaltet werden kann. Die Frölichstraße beispielsweise, so der ADFC, müsse seit dem Königsplatzumbau deutlich mehr Verkehr bewältigen, sei aber dafür nicht umgebaut worden. Allerdings muss für eine Tempo-30-Regelung speziell auf Hauptverkehrsstraßen eine besondere Gefahrenlage erkennbar sein, etwa viele Unfälle oder querende Fußgänger. Dies sei häufig nicht gegeben, heißt es bei der Stadt.

Radfahren in Augsburg: Wie geht es mit dem Bürgerbegehren weiter?

Wie berichtet gehört der ADFC zu den Initiatoren eines Bürgerbegehrens, das unter anderem mehr Radwege in Augsburg zum Ziel hat. Die notwendige Zahl von rund 11.000 Unterschriften wurde inzwischen erreicht. Mit der Stadt laufen derzeit Gespräche über das weitere Vorgehen. Für viele Radwegprojekte werde aufgrund der coronabedingten Steuereinbrüche das Geld womöglich nicht reichen, so Schäffler. Als mögliche Zwischenlösung wurden Tempo-30-Regelungen ins Spiel gebracht.

Während die Zahl aller Unfälle in Augsburg seit dem Jahr 2010 um knapp 25 Prozent stieg, gab es bei den Unfällen mit Radfahrern im selben Zeitraum eine Steigerung von 65 Prozent, so die Statistik der Polizei. Ein Grund für das überproportionale Wachstum der Radlerunfälle dürfte auch der steigende Anteil der Fahrradfahrer am Verkehrsgeschehen sein. Laut Polizei wurden 72 Prozent der Radlerunfälle durch Radler verursacht. Der ADFC sagt dazu, dass Radler sich an Regeln halten müssten, beengte Platzverhältnisse Unfälle aber begünstigten. Im vergangenen Jahr wurden laut Polizeistatistik knapp 11.000 Unfälle in Augsburg verzeichnet, davon rund 807 mit Radlerbeteiligung.

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01.10.2020

>> Laut Polizei wurden 72 Prozent der Radlerunfälle durch Radler verursacht. Der ADFC sagt dazu, dass Radler sich an Regeln halten müssten, beengte Platzverhältnisse Unfälle aber begünstigten. <<

Das sollte mal wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Mir ist in der Breite nicht klar, wie beengte Platzverhältnisse - auf der Straße - die Verantwortung für Unfälle systematisch auf die Seite der Fahrradfahrer schieben kann.

Und die häufigste Unfallursache "falsche Seite" ist ja ohnehin eher Ursache von Platzmangel als Ergebnis davon.

Dazu scheint mir der Geschwindigkeitsbereich 30-50 nur von untergeordneter Relevanz in Städten zu sein; gerade viele tödliche Abbiegeunfälle geschehen bei niedrigen Geschwindigkeiten. Die von der Polizei kommunizierte Durchschnittszahl der Unfallverantwortung scheint mir daher auch nicht geeignet, die Großrisiken für Radfahrer richtig abzubilden.

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01.10.2020

Was Radler müssen und tatsächlich tun sind zwei paar Stiefel. Würden sich die Radler an die Regeln halten bräuchte man keine Forderung nach Tempo 30 weil dann auch so deutlich weniger passieren würde. Wobei man diese Aussage auch auf Fußgänger und etliche Autofahrer ausweiten kann.

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