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Interview

09.10.2018

Uni Augsburg: Jetzt kommt der Medizinertest

Der Countdown fürs neue Medizinstudium in Augsburg läuft. Jetzt müssen sich auch Bewerber vorbereiten.
Bild: Annette Zoepf

Bewerber fürs neue Medizinstudium in Augsburg haben bald einen Termin. Gründungsdekanin Martina Kadmon über die Vorbereitungen zum Studienbeginn.

Seit dem 1. Mai 2018 ist Professor Martina Kadmon Gründungsdekanin der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg. Unsere Redaktion wollte von ihr wissen, wie die Vorbereitungen zum Studienbeginn in einem Jahr laufen.

Frau Professor Kadmon, in einem Jahr startet das neue Humanmedizinstudium in Augsburg. Wie groß ist das Interesse an dem Angebot?

Kadmon: Das Interesse an Augsburg ist insgesamt hoch, nicht nur bei jungen Leuten, die sich um einen Studienplatz bewerben möchten, sondern auch bei Studierenden aus München, die in Augsburg ihr Praktisches Jahr absolvieren wollen. Ich traf kürzlich auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung Studierendenvertreter der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, und auch sie verfolgen den Aufbau des Studiengangs hier in Augsburg mit großer Aufmerksamkeit.

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Gibt es belastbare Fakten für das Interesse am neuen Augsburger Angebot?

Kadmon: Ja, durchaus. Der neue Bachelor-Studiengang für Medizinische Informatik, der jetzt im Oktober beginnt, hat eine große Zahl an Bewerberinnen und Bewerbern angezogen. Auf die 40 Studienplätze haben sich dreimal so viele Kandidatinnen und Kandidaten beworben. Das ist ein sehr guter Start für einen neuen Studiengang.

Zurück zu den angehenden Augsburger Medizinstudenten: Für einen Teil steht schon diesen Dezember ein wichtiger Termin an: die Anmeldung für den Medizinertest. Warum?

Kadmon: 60 Prozent der Studienplätze für Humanmedizin kann die Universität in einem hochschuleigenen Auswahlverfahren vergeben. Dabei werden wir verschiedene Kriterien berücksichtigen, um die Eignung fürs Medizinstudium umfassend einschätzen zu können, unter anderem den sogenannten Medizinertest. Für diesen Test, der zum nächsten Mal im Mai 2019 stattfindet, müssen sich Interessenten schon in diesem Jahr ab dem 1. Dezember anmelden. Weitere Kriterien bei unserem internen Verfahren sind eine abgeschlossene medizinnahe Berufsausbildung oder auch ein Engagement im Freiwilligendienst.

Die Uni vergibt die Studienplätze für Humanmedizin aber nicht selbst ...

Kadmon: Nein, die Studienplätze für Medizin werden in Deutschland grundsätzlich zentral von der Stiftung für Hochschulstart vergeben, aber zum Teil nach Kriterien, die die Hochschulen festlegen. Das bedeutet: Das gesamte Bewerbungsverfahren erfolgt über das Online-Portal der Stiftung. Dort werden auch die anderen 40 Prozent der Plätze vergeben, jeweils zu gleichen Teilen an die Abiturbesten und an Bewerber mit einer bestimmten Wartezeit. Das ist die aktuell geltende Rechtslage.

Das neue Medizinstudium in Augsburg gilt als besonders innovativ, was ist anders als an anderen Universitäten?

Kadmon: Unsere Studierenden werden sich ab dem ersten Semester nicht nur mit dem naturwissenschaftlichen Grundlagenwissen der Medizin beschäftigen, sondern auch mit medizinisch-klinischen Inhalten – etwa mit der körperlichen Untersuchung von Patientinnen und Patienten unter enger Anleitung von erfahrenen Ärzten. So werden Theorie und Praxis eng miteinander verzahnt. Außerdem stellen wir während des gesamten Studiums wissenschaftliches Denken in den Mittelpunkt. In der Universitätsmedizin geht es immer auch um den wissenschaftlichen Fortschritt. Die Medizinstudierenden sollen lernen, diesen Fortschritt selbst mit voranzutreiben und später als Ärztinnen und Ärzte neue Erkenntnisse in die Patientenbetreuung einbeziehen.

Wie weit sind Sie mit der Suche nach Professoren?

Kadmon: Den ersten klinischen Lehrstuhl für Anästhesie und Operative Intensivmedizin konnten wir bereits besetzen mit Prof. Dr. Axel Heller. Er hat den Ruf auf den Lehrstuhl für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin angenommen und ist seit dem 1. September am Klinikum Augsburg.

Martina Kadmon, Gründungsdekanin der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg.
Bild: Peter Fastl

Wie geht es weiter?

Kadmon: Für den Start des Medizinstudiums benötigen wir Kolleginnen und Kollegen, die die grundlagenwissenschaftlichen Fächer lehren. Derzeit laufen die Berufungen für Anatomie, Physiologie, Biochemie und Medizinische Psychologie und Soziologie; außerdem für Frauenheilkunde und Medizindidaktik. Wir hoffen sehr, dass wir die Kollegen für Augsburg gewinnen können. Voraussichtlich bis Jahresende werden wir mehr wissen. Inzwischen wurde auch die Professur für Nuklearmedizin ausgeschrieben; die Chefarztposition für Nuklearmedizin am Klinikum Augsburg muss nachbesetzt werden, da der bisherige Stelleninhaber in Ruhestand geht.

Der Ärztemangel in Deutschland ist ein Thema, das viele Menschen beunruhigt. Aus dem Landtag gibt es politische Wünsche, in Augsburg weitere Lehrstühle für die Medizinerausbildung einzurichten, etwa einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin und einen für Rheumatologie. Wann kann man mit diesen Professoren rechnen?

Kadmon: Wir nehmen diese Überlegungen sehr ernst. Mit Blick auf den Ärztemangel besonders in ländlichen Regionen hat sich der Landtag für einen möglichst frühen Start der Allgemeinmedizin in Augsburg ausgesprochen. Die Universität Augsburg mit ihrer Medizinischen Fakultät ist bemüht, dem zu folgen und den Lehrstuhl so schnell als möglich zu besetzen. Auch an Fachärzten für Rheumatologie gibt es deutschlandweit Bedarf; es ist wichtig, dass die Betroffenen gut versorgt werden. Die Voraussetzungen für eine Entscheidung, ob ein solcher Lehrstuhl hier eingerichtet werden kann, sind allerdings noch unklar.

Ein weiterer Wunsch der Politik ist ein „Interdisziplinäres Medizinisches Zentrum für Menschen mit Behinderung“. Das bayerische Kabinett hat im August beschlossen, an der neuen Medizinischen Fakultät ein Konzept umzusetzen, das von der Uni Augsburg entwickelt wurde. Wie geht es mit diesem Projekt weiter?

Kadmon: Auch hier ist die Umsetzung abhängig davon, dass die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Das ist vom Landtag haushaltstechnisch bisher noch nicht umgesetzt. Für den Aufbau dieses Zentrums sind 1,5 Millionen Euro veranschlagt, außerdem eine laufende jährliche Finanzierung in ähnlichem Umfang. Im Moment konzentrieren wir uns vor allem darauf, die nötigen Voraussetzungen für einen guten Start ins Medizinstudium zu schaffen. Schon die ersten Studierenden müssen auf ideale Bedingungen für ihre Ausbildung treffen, wenn wir sie auch langfristig für die Region gewinnen wollen.

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