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Wetter und Klima

27.03.2013

Uni Augsburg forscht auf der Zugspitze

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Auf der Zugspitze widmen sich Wissenschaftler der Beobachtung der physikalischen und chemischen Eigenschaften der Atmosphäre sowie der Analyse wetter- und klimawirksamer Prozesse. Die Uni Augsburg forscht mit.
Bild: Hager

Wissenschaftler vergleichen alte und neue Technik der Wetterdienste. Ihr Ergebnis: Die Geräte haben den Temperaturanstieg verfälscht

Der globale Klimawandel beschäftigt Wissenschaftler aus aller Welt seit vielen Jahren. Aber erst jetzt sind die Forscher auf ein Messproblem aufmerksam geworden. Es hängt mit einem Wechsel der Messtechnik bei den Wetterdiensten in den vergangenen Jahrzehnten zusammen. Kurz gesagt, kamen bei den alten Thermometern oft niedrigere Temperaturen heraus als bei den heutigen elektronischen Messungen. An der Universität Augsburg untersucht man das Phänomen genauer.

Am Lehrstuhl für Physische Geografie und Quantitative Methoden will man das Messproblem beim Temperaturanstieg von verschiedenen Seiten aus ergründen. Einerseits werden traditionelle Wetteraufzeichnungen und moderne Messungen in Augsburg ausgewertet. Andererseits werden parallele Messungen mit alter und neuer Technik auf der Zugspitze durchgeführt.

Neusässer Experte Klaus Hager ist mit von der Partie

Ein maßgeblicher Mann für die Vergleichsmessungen ist der Neusässer Wetterexperte Klaus Hager. Der Meteorologe leitete viele Jahre den Wetterdienst am Fliegerhorst in Lagerlechfeld. Aktuell hat der 71-Jährige einen Lehrauftrag am Lehrstuhl von Professor Jucundus Jacobeit. Hager ist inzwischen überzeugt: Ein Teil des Temperaturanstiegs beim Klimawandel sei auf den Wechsel der Messsysteme zurückzuführen.

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Früher verwendeten die Wetterforscher Quecksilber- und Alkoholthermometer, heute elektronische Sensoren. Dies führe teilweise zu beträchtlichen Unterschieden bei den gemessenen Temperaturen, sagt auch Professor Jacobeit, gerade bei täglichen Minima und Maxima.

Erste Anhaltspunkte für diese Erkenntnisse lieferten parallele Messungen mit alten und neuen Systemen auf dem Flugplatz am Lechfeld. Sie fanden acht Jahre lang statt und wurden in einer Diplomarbeit von Sven Rengelink für den Geoinformationsdienst der Bundeswehr ausgewertet. „Im langjährigen Schnitt zeigten die elektronischen Instrumente dort um 0,9 Grad höhere Temperaturen an“, sagt Hager.

"Daten sind ein echter Schatz"

Um das Messproblem genauer einzugrenzen, werden in die Untersuchungen jetzt auch Augsburger Daten mit einbezogen. Sie stammen von St. Stephan. Dort misst man seit rund 200 Jahren nach der alten Methode. „Die Daten sind ein echter Schatz“, sagt Hager. Weitere Vergleichswerte soll die amtliche Wetterwarte am Flugplatz in Mühlhausen liefern. Auch auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, laufen aktuell parallele Messungen der Extremtemperaturen mit alten und neuen Systemen. Dort ist die Uni Augsburg einer der Partner in der Umweltforschungsstation am Schneefernerhaus.

Wer angesichts der Messprobleme nun generell am Klimawandel zweifelt, dem sagt Professor Jacobeit: „Der Klimawandel ist Fakt. Die wissenschaftliche Kontroverse dreht sich nur um die Frage, wie groß der Anteil des Menschen daran ist.“

Laut Jacobeit ist für die Wissenschaft allerdings das Problem, dass die neuen Sensoren nicht einheitlich anders, sondern unterschiedlich gegenüber den klassischen Thermometern reagieren. Ohne mehrjährige Parallelmessungen sei deshalb die Vergleichbarkeit von alten und neuen Messreihen oft nicht hinreichend gegeben. Wie groß die Abweichungen in den Messreihen tatsächlich sind, lasse sich bislang nur schwer quantifizieren.

„Wichtig ist, man muss die Unterschiede kennen“, sagt der Augsburger Professor. „Nur so kann man Brüche in den langjährigen Messreihen, die durch Messgeräte entstehen, nachträglich korrigieren.“

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