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06.07.2010

Uni-Initiative hilft Eltern behinderter Kinder

Mit dem Wunsch, ihr behindertes Kind in einer Regelschule und nicht in einer Förderschule unterzubringen, stehen viele Eltern alleine da. Wissenschaftliche Ansprechpartner und die Unterstützung anderer Eltern finden sie im "Forum für Inklusive Strukturen an Schulen in der Region" (FISS), das am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik der Universität Augsburg angegliedert ist.

"Der Zweck von FISS ist es, dem Umfeld eines behinderten Kinds, von den Eltern über die Lehrer bishin zu Politikern, ein Forum zu bieten. Außerdem soll ein Bewusstseinswandel in der Bevölkerung erreicht werden", erklärt Dr. Pius Thoma, der seit 2005 mit seiner Kollegin Dr. Cornelia Rehle das Forum leitet.

Beratungsbedarf steigt ständig

"Wir haben Experten aus Schule, Recht oder Verwaltung, an die sich die Eltern wenden und von denen sie sich beraten lassen können", erklärt Thoma die Struktur von FISS. Der Beratungsbedarf steige, denn: "Immer mehr Eltern wollen sich nicht den Strukturen unterordnen, sondern sich selbst um die Entwicklung ihrer Kinder kümmern."

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Das Forum ist nicht nur Anlaufstelle für Eltern, auch für Lehrer organisierte FISS bereits eine Fortbildung. Darüber hinaus spielt das Thema Integration von Menschen mit Behinderung in Augsburg auch eine Rolle bei der Lehrerausbildung. "Augsburg ist eine der wenigen Universitäten, wo sich Lehramtsstudierende intensiv mit dem Thema Inklusion auseinandersetzen", so Thoma.

Auf Dauer sieht Thoma aufgrund der großen Nachfrage keine Möglichkeit, FISS ehrenamtlich weiterzuführen. Daher macht er sich für eine unabhängige Beratungsstelle stark. "Momentan ist es häufig so, dass Beratungen oft mit einem sonderpädagogischen Ansatz geführt werden, der häufig genug in die Sonderschule mündet", bedauert er.

"Das Gefühl des Rückhalts bei FISS ist das Wichtigste für mich", sagt Petronilla Raila, die seit Gründung des Forums dabei ist. Ihre Tochter Veronika hat Autismus und ist körperbehindert. "Es ist entlastend, wenn man merkt, dass man nicht allein ist", sagt Raila und erzählt vom Werdegang ihrer Tochter, die zuerst auf der Förderschule war, auf der ihr Potential aber nicht erkannt wurde, bis sie es durch die Vermittlung von Thoma schaffte, am Gymnasium Maria Stern aufgenommen zu werden. Heute studiert Veronika, über die unsere Zeitung mehrfach berichtete, an der Uni Augsburg. Einen Abschluss wird sie aufgrund der Prüfungsordnung nicht machen können, auch wenn die UN-Konvention für Menschen mit Behinderung, die auch Deutschland unterschrieben hat, ein durchlässiges Bildungssystem für Menschen mit Behinderung vorsieht.

Ziel ist ein normales Leben

Inzwischen berät Raila im Rahmen von FISS ehrenamtlich selbst andere Eltern, die sich vor ähnliche Probleme gestellt sehen. Ihr war es ein Anliegen, dass ihre Tochter den Umgang mit der Normalität lernt. "Später muss sie sich auch mit der Normalität auseinandersetzen und wo soll sie das besser lernen, als auf der Regelschule", sagt Raila, betont aber auch, dass Eltern behinderter Kinder, die sich nicht für die Regelschule entscheiden, ebenso bei FISS willkommen sind. "Es muss beide Wege geben", sagt sie.

Alles zum Projekt unter

www.fiss-inklusion.de

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