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Augsburg

08.01.2019

Uni-Professor im Interview: Was macht uns gesünder?

Robert Nuscheler hat die Prävention im Blick. Der Professor für Volkswirtschaftslehre ist einer von vielen Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen, die an der Universität Augsburg zum Thema Gesundheit forschen.

Uni-Professor Robert Nuscheler sieht Probleme bei der Vorsorge, aber auch einen Erfolg. Seine Studie weckt auch außerhalb der Stadt Interesse.

Herr Professor Nuscheler, Sie sind Experte für Gesundheitsökonomik –wann haben Sie selbst den letzten Gesundheitscheck gemacht?

Nuscheler: Ganz genau sagen kann ich das nicht, aber ich fühle mich auch mit 49 Jahren noch recht fit. Den Gesundheitscheck beim Hausarzt nehme ich ab und an in Anspruch, allerdings nicht alle zwei Jahre. Österreichische Daten haben gezeigt, dass diese Checks die Kosten erhöhen, nicht aber die Gesundheit der Versicherten verbessern. Wichtig ist vor allem, die Risikofaktoren für Volkskrankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen selbst im Blick zu behalten. Neben einer ausgewogenen Ernährung und ausreichender Bewegung gehört ein vernünftiger Umgang mit Genuss- und Suchtmitteln, etwa Alkohol und Nikotin, dazu.

Sie sind Vorstandsmitglied des Zentrums für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung an der Universität Augsburg. Dort ist Prävention ein großes Thema, warum?

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Nuscheler: Das „ZIG“ gibt es seit fast fünf Jahren. Es ist ein Zusammenschluss von rund 60 Forschern und Forscherinnen aus verschiedenen Disziplinen, die sich mit Gesundheit befassen. Wir haben uns gefragt, wie man einen ganzheitlichen Blick auf das Thema gewinnen kann und wo es gemeinsame Expertisen gibt. Hier hat sich gezeigt, dass Prävention ein Themenfeld ist, das gesellschaftlich sehr relevant ist und das zahlreiche spannende Forschungsfragen bietet.

Wo sehen Sie aktuell Probleme bei der Gesundheitsvorsorge?

Nuscheler: Die gesetzliche Krankenversicherung deckt die Behandlungskosten für alle notwendigen und wirtschaftlichen Leistungen ab. Dies schließt natürlich auch Leistungen ein, die zur Behandlung von Erkrankungen notwendig geworden sind, die durch entsprechende Vorbeugung vermeidbar gewesen wären. Die Behandlungskosten werden von der Versichertengemeinschaft getragen und nicht vom Patienten selbst. Damit schwächt die Versicherungsdeckung die Präventionsanreize.

In welchem Bereich würden Sie die Prävention verbessern?

Nuscheler: Das Thema Impfen beschäftigt uns sehr. Wir haben festgestellt, dass viele Menschen sehr schlecht informiert sind, was Impfungen angeht. In der Bevölkerung werden die positiven Wirkungen von Impfungen oft unterschätzt, während negative Folgen tendenziell überbewertet werden. Unsere Forschungsergebnisse zeigen ganz klar: Wer gut informiert ist, lässt sich eher impfen. Das Thema „Impfen“ haben wir übrigens auch schon im Rahmen des Augsburger Gesundheitsdialogs mit der Stadtbevölkerung diskutiert und auch hier festgestellt, dass ein großer Aufklärungs- und Informationsbedarf besteht.

Woran forschen Professoren anderer Disziplinen im ZIG beim Thema Gesundheitsvorsorge?

Nuscheler: Ich möchte hier zwei Beispiele nennen, das erste von der Leiterin des ZIG und das zweite vom Leiter des Sportzentrums: Die Forschung der Kommunikationswissenschaftlerin Helena Bilandzic zeigt, dass es nicht ausreicht, Informationen einfach nur bereitzustellen. Es kommt vielmehr darauf an, die Adressaten auch emotional zu packen. Die Information fällt dann auf fruchtbareren Boden. Sie führt eher zu einer positiven Beeinflussung des Gesundheitsverhaltens. Ein weiteres Beispiel ist die Forschung des Augsburger Sportwissenschaftlers Hans Peter Brandl-Bredenbeck. Er und sein Team beschäftigten sich unter anderem in dem Projekt „Geh Mit!“ mit der Gesundheitsförderung für Hochschulmitarbeiter und -mitarbeiterinnen durch Yoga.

Haben Sie ein Beispiel für erfolgreiche Vorsorge aus Ihrer eigenen Arbeit?

Nuscheler: Wir haben das Programm „Herzlich Willkommen Augsburger Kinder“ der Stadt Augsburg wissenschaftlich begleitet. Kinderkrankenschwestern besuchen junge Familien und unterstützen sie bei alltäglichen Fragen im Umgang mit dem Baby, wenn dieses etwa vier bis sechs Monate alt ist. Unsere Auswertung hat ergeben, dass dieses Angebot sehr erfolgreich ist. So werden drei von vier Familien erreicht. Auch in sozial schwächeren Stadtteilen wurde das Angebot gut angenommen. Die besuchten Familien waren mit der Beratung und Begleitung durch die Kinderkrankenschwestern sehr zufrieden.

Wird die neue Medizinfakultät der Uni die Arbeit des ZIG verändern?

Nuscheler: Wir gehen davon aus, dass der wissenschaftliche Austausch zunehmen wird. Genau diesen möchte das ZIG fördern und so das Zusammenwachsen der neuen Fakultät mit der Universität beschleunigen. Immerhin wird es künftig rund 100 Medizinprofessuren in Augsburg geben; das wird dann fast ein Drittel aller Professoren und Professorinnen der Universität sein. Auch wegen der zwei Standorte – Universität und Uniklinik – ist es wichtig, den wissenschaftlichen Austausch von Beginn an zu pflegen und kontinuierlich aufzubauen.

Wie wird das Zentrum für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung außerhalb von Augsburg wahrgenommen?

Nuscheler: Das Zentrum wird wegen seines interdisziplinären Ansatzes sehr positiv wahrgenommen. Wir gehen davon aus, dass sich der Bekanntheitsgrad des ZIG in Fachkreisen durch die Buchreihe „Gesundheitsforschung. Interdisziplinäre Perspektiven“ und durch die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie in Augsburg im Jahr 2019 weiter erhöhen wird. Die Tagung wird gemeinsam mit der Universität und mit Unterstützung des ZIG durchgeführt. Sie findet am 18. und 19. März statt. Auch hier stehen „Gesundheitsverhalten und Prävention“ im Mittelpunkt. Wir erwarten etwa 400 Teilnehmer.

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