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Augsburg

26.07.2020

Urlaub zuhause: Mit Geocaching auf Schatzsuche in Augsburg

Keith Minehart, 49, ist ein Geocaching-Experte – sein Hobby kann man auch als moderne Form der Schnitzeljagd sehen.
Bild: Michael Eichhammer

Plus Beim Geocaching machen sich Abenteurer auf die Suche nach Schätzen, die andere versteckt haben. Man kann nicht nur am Perlachturm fündig werden.

Um uns zu erklären, wie dieses Hobby funktioniert, nimmt uns das „Team Dogpatrol“ mit zu geheimen Stellen im Siebentischwald. Wir parken in der Krankenhausstraße, nahe dem AWO-Alten- und -Pflegeheim und dem Universitätsklinikum Augsburg Süd in Haunstetten. Das Team Dogpatrol besteht aus Keith Minehart und seinem Hund, denn der Mentaltrainer verbindet sein Hobby gern mit dem Gassigehen. „Einfach so spazieren zu gehen fand ich immer langweilig“, sagt er. Deshalb gefiel dem Haunstetter die Idee des Geocachings.

Diese moderne Schnitzeljagd kombiniert das Spazierengehen mit dem Nervenkitzel einer Schatzsuche. Der Name Cache kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Versteck. „Ich war damals total erstaunt, wie viele Geocaches es gibt und an welchen teils unmöglichen Orten“, berichtet der gebürtige Amerikaner. Zehn Jahre und Tausende von Geocaches ist das nun her.

Eine Schatzsuche klingt spannender als ein Spaziergang

Langeweile beim Spaziergang –das kennen nicht nur 49-Jährige wie Keith Minehart, sondern vor allem auch Kinder. Viele Eltern seien der Überzeugung, dass ihre Sprösslinge nicht gern spazieren gehen, weiß der Geocaching-Experte. Doch sei dies nur eine Frage der richtigen Verpackung: „Wenn man den Ausflug als Schatzsuche ankündigt, sind Eltern überrascht, wie begeistert ihre Kids drei, vier Stunden bei der Sache sind.“

Digitale Schatzsuche für groß und klein - Geocaching nennt sich die moderne Schnitzeljagd per GPS. Der Mix aus Abenteuer und Bewegung an der frischen Luft ist ideal für Urlaub zuhause.
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Urlaub zuhause: Geocaching
Bild: Michael Eichhammer

Wichtig für Geocaching: Ein Smartphone

Wichtigstes Hilfsmittel beim Geocaching: das eigene Smartphone. Zunächst installiert man die App von Geocaching.com. Bei der Suche nach einem Geocache in der Nähe unseres Startpunktes zeigt uns die App ein Versteckspiel mit dem mysteriösen Namen „Maria hilft dir suchen“. Das Handy wird zur interaktiven Schatzkarte. Das eingebaute GPS navigiert uns zur „Schatzinsel“: eine kleine Kapelle am Wegesrand. „Maria hilft“ verspricht der Schriftzug unter dem Dach. Doch die Marienfigur im Inneren schweigt und kümmert sich nur um das Jesuskind auf ihrem Arm. Wenn man mal nicht fündig wird, biete die App Hinweise von anderen Geocachern, verrät Keith Minehart. Wir lesen also: „Den Blick auf den Boden gerichtet und voll auf Maria vertraut.“ Mit gesenktem Haupt spazieren wir also im Kreis um die Kapelle herum, inspizieren den Boden und werden irgendwann fündig. Wo genau, dürfen wir nicht ausplaudern, denn das wäre gegen die Geocacher-Ehre. Vergleichbar mit Cineasten, die einem anderen Kinogänger nicht im Vorfeld das Ende verraten. So eine Schatzsuche lebt schließlich – wie ein Kinofilm – von der Spannung des Ungewissen.

Mit Keith Minehart unterwegs beim Geocaching.
Video: Michael Eichhammer

So geht Geocaching in Augsburg

Ein anderes ungeschriebenes Gesetz in der Geocaching-Szene: Der gefundene Cache wird nicht entfernt, denn er soll ja noch weitere Abenteurer erfreuen. Meist handelt es sich daher um kleine Röhrchen, „PETlinge“ genannt. Eigentlich werden aus diesen Rohlingen PET-Flaschen gemacht, doch die Geocacher verwenden die Röhrchen als „Flaschenpost“. Aufbewahrt wird darin das sogenannte Logbuch. In diesem zusammengerollten Papierstück dokumentieren die erfolgreichen Schatzsucher mit Datum und Unterschrift, dass sie den Cache aufgespürt haben.

Manchmal sind die Zettel aber bereits vollgeschrieben, oder der Stift im PETling wurde entfernt. Deshalb rät unser Experte, vorsichtshalber immer einen eigenen Stift und Zettel dabei zu haben. Ergänzend kann man sein Erfolgserlebnis auch in der App eintragen. Wie lange die Schatzsuche dauert, ist zum einen eine Frage der Erfahrung. Zum anderen unterscheiden sich die Caches im Schwierigkeitsgrad (des Verstecks) und in der Zugänglichkeit des Terrains. Die Stufe 1 ist leicht, während die Stufe 5 die größte Herausforderung darstellt. Ein Cache der Stufe 1,5, wie unser erster Versuch, sollte in 5 bis 10 Minuten zu schaffen sein, denkt Minehart.

Mit einem Smartphone kann man sich auf die Suche machen.

Für einen Cache kaufte er sich eine wasserdichte Hose

Weiter geht es mit dem zweiten Cache. Der nennt sich „Spaziergang im Siebentischwald“ und belohnt uns schon vor seinem Auffinden mit einer malerischen Aussicht. Wie der erste Cache ist er in der Zugänglichkeitsstufe von 1,5. „Das war mein 1112. Cache“, sagt Keith Minehart stolz und trägt sich im Logbuch ein. Wie weit Minehart – im wahrsten Wortsinn – geht, um seine Siegesserie zu erhöhen, zeigt sein Bekenntnis: „Ich habe mir extra für einen Cache eine Wathose gekauft.“ Fische wollte er im Wasser nicht fangen, sondern einen Cache. Um den zu bergen, musste Minehart nachts durch den Kanal beim Alten Stadtbad waten. Mit Freunden, die sein Hobby teilen, hat Minehart einmal 100 Caches an einem einzigen Tag aufgespürt.

Weltweit gibt es inzwischen rund 2,2 Millionen Geocaches. In Augsburg sind 350 bis 400 davon versteckt. Manche in der Natur, andere in urbaner Kulisse. Unter anderem bei der Autobahnraststätte Augsburg Ost, am Bahnhof, Perlachturm, dem Rathaus oder der Fuggerei. Schwer zugänglich ist ein Geocache im Umland: Der Schatz im Friedberger Baggersee ist nur von Tauchern auffindbar. „Geocacher suchen sich gern interessante Stellen für ihre Verstecke aus“, weiß Keith Minehart. Neben den klassischen Caches werden immer wieder neue Varianten ausprobiert. So gibt es auch welche, bei denen man erst Rätsel lösen muss, um die Koordinaten zu bekommen. Oder bei denen man dreimal um einen Kreisverkehr rennen muss – das GPS zählt mit.

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