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Augsburg

29.06.2020

"Urlaub zuhause": Stadttouren sind nicht nur etwas für Touristen

So schön kann "Urlaub zuhause" in Augsburg sein. In unserer Serie stellen wir dieses Mal einen besonderen Stadtspaziergang vor.
Bild: Jan-Luc Treumann

Plus Stadtrundgänge sind nicht nur etwas für Touristen. Sie können auch für Einheimische und Kinder eine Abwechslung sein. Stadtführerin Katharina Dehner zeigt, wie's geht.

Stadtrundgang in Venedig? Klar! Gerne auch in Paris, Stockholm oder Prag. Aber in Augsburg, der Heimatstadt? Das klingt für viele öde, vor allem, wenn in den Ferien auch die Kinder dabei sein sollen. Ein Vorurteil, findet Stadtführerin Katharina Dehner. Denn auch in Augsburg gibt es interessante Dinge zu entdecken und spannende Geschichten zu hören – auch für Einheimische und den Nachwuchs. Hier ein besonderer Spaziergang.

„Sie alle können manches entdecken, was sie längst wieder vergessen hatten oder gar noch nie wussten“, ist die Kulturhistorikerin, die in der Jakobervorstadt aufgewachsen ist, sicher und tritt den Beweis an. Für ihre Tour hat sie sich eine Mischung aus Spaziergang, Freizeitvergnügen und Stadtführung ausgedacht.

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Auf dem Rundgang ist damit für jedermann etwas dabei. Für Grundschüler hält die Tour noch ein Schmankerl bereit: „Wer wegen geschlossener Schulen in diesem Jahr wenig über die Römer und die Entstehungsgeschichte Augsburgs lernen konnte, kann auf dem Rundgang manches erfahren.“

Der Stadtspaziergang durch Augsburg beginnt auf dem Rathausplatz

Startpunkt ist der Rathausplatz und hier führt der Augustusbrunnen in die Stadtgeschichte ein. Der Kaiser schickte nämlich einst seine Stiefsöhne Drusus und Tiberius los, um neue Ländereien zu erobern. Sie ließen sich am Zusammenfluss von Lech und Wertach nieder. Es entstand „Augusta Vindelicum“. Aus „Augustus“ und dem Mittelhochdeutschen Begriff „Burg“, was so viel bedeutet wie Stadt, entstand der heutige Namen Augsburg.

Stadtführerin Katharina Dehner zeigt, wie am Jakobertor Steine aus der Römerzeit verbaut worden sind. Im Bild oben zu sehen: die Kahnfahrt
Bild: Jan-Luc Treumann

Weiter führt uns Katharina Dehner entlang der Via Claudia, der einst bedeutendsten Handelsstraße der Römer über die Dominikanergasse zum Predigerberg. Hier findet man ausgewählte Nachbildungen von Originalfunden aus der Römerzeit. Darunter unter anderem eine Statue des Götterboten Merkur. Götterboten sollen der Erzählung nach viel gereist sein, ebenso wie Kaufleute. „Das wird als Beweis gewertet, dass Augsburg schon zu Römerzeiten eine bedeutende Handelsstadt war“, so die Stadtführerin.

Um das Augsburger Vogeltor ranken sich einige Geschichten

Nach diesem Stopp geht es weiter über den Schwall und den Oberen Graben zum Vogeltor. Es ist eines der wenigen Tore der Stadtbefestigung, das noch erhalten ist und markiert den südlichen Eingang zur Jakobervorstadt. Um das Tor ranken sich einige Geschichten. Unter anderem soll hier das „Weiche Lot“ zum Einsatz gekommen sein. Um den Ratsherren zu beweisen, dass sein Turm gerade ist, setzte sich der Bauherr einst mit nacktem Hintern auf einen Fenstersims oben im Turm und verrichtete seine Notdurft. Da diese an keiner Stelle die Mauern berührte, sondern nach unten fiel, war der Beweis erbracht.

Wer jetzt eine Pause braucht, kann im "Drei Königinnen" einkehren

Nach dieser unterhaltsamen Geschichte geht es weiter entlang der Vogelmauer. „Hier spazieren wir gemütlich neben dem Stadtgraben und erleben die Jakobervorstadt jenseits von Dult und Hauptstraße“, beschreibt Dehner. Wer jetzt eine Pause machen will, könne dies im Biergarten „Drei Königinnen“ tun. Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte die große Rutsche am Jakoberwallturm ansteuern. An warmen Tagen kann man ums Eck auch Rast auf einer Wiese machen oder die Füße in den Stadtgraben stecken. Nach der Erholungspause geht der geschichtlich angehauchte Spaziergang weiter entlang der Oberen Jakobermauer bis zum Jakobertor. Alte Holzbalken deuten noch heute darauf hin, dass es hier einst eine Zugbrücke gab, die über den Stadtgraben führte. Auf der Richtung Stadtmitte gelegenen Seite des Turms lassen sich zudem alte Steine entdecken, die noch aus der Römerzeit stammen.

Der Fünffingerlesturm steht nun mit Treppe da. Neun Jahre lang wurde um den Anbau gestritten.
Bild: Silvio Wyszengrad

An das Jakobertor schließt sich ein Wehrgang an, dem wir nun folgen. Immer noch am Stadtgraben entlang geht es über die Untere Jakobermauer zum Fünffingerlesturm. Die Bäume spenden hier an warmen Sommertagen Schatten, das Grün lässt einen kaum vermuten, dass man sich nur wenige Meter abseits der Innenstadt befindet. Hier kommt der Charakter der Tour, der Mix aus schönem Spaziergang in Verbindung mit Kultur, besonders zur Geltung.

Vom Fünffingerlesturm geht es weiter zur Kahnfahrt

Vorbei am Turm kommen wir zur Kahnfahrt. Das idyllisch gelegene Ausflugsziel bietet neben einem Restaurant auch die Möglichkeit, sich ein Ruderboot zu mieten. Bert Brecht soll einst mit solchen Fahrten die Damen seines Herzens beeindruckt haben. Wer die Kahnfahrt nicht nur im Vorbeigehen kennenlernen will, sollte einen eigenen Ausflug planen.

Urlaub zuhause muss nicht langweilig sein. Augsburg hat vieles zu bieten.
Video: Andrea Wenzel

Warum die Schwedenstiege in Augsburg ein Erlebnis ist

Über die Riedlerstraße geht es zur Franziskanergasse. Dort biegen wir rechts ab und gehen bis zur Bert-Brecht-Straße. Dann führt uns unser Weg zur Schwedenstiege. Die teils wild eingewachsenen Teile der Stadtbefestigung machen den Ort zu einem Erlebnis. „Es ist fast etwas mystisch“, schildert Dehner ihre Eindrücke. An einem Trinkwasserbrunnen kann man sich stärken, ehe man die 71 Stufen der Stiege hinauf in die Stadt steigt.

Bevor wir am Ende der Treppe dem Wegweiser zum Fugger- und Welser-Museum folgen, lohnt sich ein Abstecher nach rechts zum Stoinernen Ma. Er hält für Kinder eine spannende Geschichte bereit. Die Steinfigur zeigt Bäckermeister Konrad Hacker, der einer Legende nach während der Belagerung der Stadt aus den letzten Resten Mehl, Sägespänen und Brotkrumen einen Laib Brot gebacken und den Belagerern gezeigt hat. Er suggerierte damit, die Augsburger hätten noch immer ausreichend zu essen. Die Belagerer zogen daraufhin ab.

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18 Bilder
Auf den Spuren der Römer: Ein Spaziergang durch Augsburg
Bild: Jan-luc Treumann

Über den Schwedenweg und das Äußere Pfaffengässchen treten wir den Rückweg zum Rathausplatz an. „Auf diesem Stück des Rundgangs wandeln wir auf römischem Grund“, erzählt Katharina Dehner. Wo heute das Gymnasium St. Stephan steht, war früher das Forum der Römerstadt. Weitere Fundstücke aus dieser Zeit lassen sich im Archäologischen Garten bewundern, den man kurz nach dem Fugger- und Welsermuseum passiert.

Letzter Stopp des Stadtspaziergangs durch Augsburg: der Dom

Ein letzter Stopp bietet sich am Dom an. Hier muss man entscheiden, ob man die Kirche mitbesichtigen will oder sich dafür extra Zeit nimmt. Vor dem Dom begegnet man noch einmal geballt der Augsburger Stadtgeschichte. So sind einem Brunnen die drei Augsburger Bistumsheiligen Bischof Ulrich, die Märtyrerin Afra und Bischof Simpert dargestellt. Weiter hinten befindet sich die Römermauer, an der sich Nachbildungen römischer Funde befinden. Darunter eine Zirbelnuss, das Wahrzeichen Augsburgs. Wer sich am Ende nach einer Erholung sehnt, findet sie auf dem Rathausplatz. Ein Eis vor historischer Kulisse lässt Urlaubsfeeling aufkommen.

Hier finden Sie alle Rundgänge unserer Serie:

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