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Augsburg

09.01.2014

Urteil: Auch „Geisterradler“ haben Vorfahrt

Die Polizei warnt seit einigen Jahren verstärkt vor "Geisterradlern". 
Bild: Mateusz Roik

Eine Autofahrerin stößt in Augsburg beim Abbiegen mit einer Radlerin zusammen, die in die falsche Richtung fährt. Die Hauptschuld am Unfall trägt trotzdem die Frau im Auto.

Es ist ein Unfall, wie er häufig passiert. Eine Radlerin fährt im Juni 2012 in der falschen Richtung auf einem Radweg in der Bürgermeister-Ackermann-Straße. Ein Autofahrerin, die aus einer Seitenstraße in die vierspurige Straße einbiegt, übersieht die Radfahrerin – und es kommt zum Unfall. Schuld am Zusammenstoß ist aber nicht in erster Linie die „Geisterradlerin“, sondern die Frau am Steuer des Autos. So sieht es zumindest das Amtsgericht Augsburg in einem aktuellen Urteil.

Autofahrer müssen das Fahrverhalten anderer einkalkulieren

Für Autofahrer heißt das: Man muss auch das Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer einkalkulieren, wenn man sich im Straßenverkehr bewegt. Wer auf eine Vorfahrtsstraße einbiegen will, an der ein Radweg entlang läuft, muss auch auf Radfahrer achten, die dort in der falschen Richtung unterwegs sind.

Gerichtssprecherin Andrea Laser begründet das Urteil so: „Zwar begeht der Fahrradfahrer, der einen Radweg in falscher Richtung befährt, einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung.“ Er verliere jedoch dadurch nicht sein Vorfahrtsrecht, da dieses für die gesamte Fahrbahn einschließlich vorhandener Radwege gelte.

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In diesem Fall entstand ein Schaden von 1500 Euro

Im konkreten Fall stießen Auto und Radlerin mit relativen langsamem Tempo gegeneinander. Die Radlerin erlitt eine Prellung an der Schulter, am Auto entstand ein Schaden von 1500 Euro. Diesen Schaden bekommt die Autofahrerin nun nur zu einem Teil ersetzt. Das Gericht stellte fest, dass sie zwei Drittel der Schuld an dem Unfall trägt. Entsprechend bekommt die Autofahrerin von den geforderten 1500 Euro Schadenersatz jetzt nur 500 Euro.

Zugunsten der Autofahrerin berücksichtigte das Gericht unter anderem, dass die Frau an der Unfallstelle im Stadtteil Kriegshaber nicht nur auf den Radweg, sondern auch auf den Verkehr auf der vierspurigen Ausfallstraße achten musste. Dort dürfen die Autos mit bis zu 60 Stundenkilometern unterwegs sein.

Weil die Autofahrerin laut Urteil die Hauptschuld trägt, hat die Radlerin jetzt für ihren Sturz auch einen Anspruch auf Schmerzensgeld. Das Amtsgericht sprach der Radfahrerin 180 Euro zu – das ist aber weniger, als sie gefordert hatte. Sogenanntes Geisterradeln ist nach Ansicht der Polizei ein Hauptursache für Unfälle, an denen Radler beteiligt sind. In den vergangenen Jahren gab es deshalb immer wieder Kampagnen gegen das Geisterradeln. An kritischen Stellen im Stadtgebiet wurden auch Schilder aufgestellt.

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