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Prozess

15.05.2015

Vater sollte sein Baby „verschenken“

Ein illegaler Trick sollte dem Kind eines nigerianischen Paares bei der Geburt zum deutschen Pass verhelfen. Ein Streit eskalierte

Ein Vater soll sein noch ungeborenes Baby an einen anderen Mann „verschenken“. Und er soll dem Fremden, der einen deutschen Pass besitzt, auch noch 5000 Euro bezahlen, damit dieser die Vaterschaft bei der Geburt übernimmt. Denn das Baby eines Paares aus Nigeria soll es einmal besser haben im Leben – mit einer deutschen Staatsbürgerschaft.

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Doch der 26-jährige leibliche Vater lehnt den Deal, den seine Lebensgefährtin vorschlägt, empört ab. So kommt es zu einem heftigen Streit, bei dem der Mann zu einem Gummihammer greift und die werdende Mutter attackiert. Es ist eine ungewöhnliche Geschichte, mit der sich jetzt das Amtsgericht beschäftigen musste.

Sie kannten sich von Kindheit an, waren immer gute Freunde. Beide kehrten ihrem Heimatland Nigeria, in dem die Terrortruppe Boko Haram wütet, schließlich den Rücken, wollten in Europa ein neues Leben beginnen. Der 26-Jährige fand zunächst in Italien Asyl, sie, gleichaltrig, in Belgien. Schließlich wurden die beiden ein Paar, das es nach Augsburg verschlug, die junge Nigerianerin gebar ein kleines Mädchen. Doch als die Frau zum zweiten Mal schwanger wurde, kriselte die Beziehung.

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Vor drei Monaten eskalierte ein heftiger Streit, bei dem der Mann die Mutter seiner kleinen Tochter einsperrte, ihr mit einem Hartgummihammer auf den Kopf schlug, sie mit einem langen Messer bedrohte, Möbel zertrümmerte. Der Nigerianer, aus der Haft vorgeführt, erzählt dem Richter die schier unglaubliche Geschichte, bei der er das noch ungeborene zweite Kind seiner Beziehung einem anderen Nigerianer „schenken“ und dafür auch noch bezahlen sollte. „Ich habe das abgelehnt, es kam zum Streit“, sagt der 26-Jährige (Verteidiger: Thomas Demel) nun im Prozess. Er räumt zwar ein, einen Lautsprecher zertrümmert und einen Stuhl demoliert zu haben. Aber: „Es gab keine körperliche Auseinandersetzung. Ich habe sie nicht geschlagen.“

Das Opfer der Attacke bestätigt, dass ihr Lebensgefährte sie zunächst gewürgt, dann mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen habe. „Und dabei hatte ich unsere kleine Tochter auf dem Arm.“ Die schwangere Frau erlitt Prellungen und eine Gehirnerschütterung. Auch habe er sie mit dem Messer bedroht, gesagt, er werde ihr den Bauch aufschneiden. Am Ende ihrer Aussage bricht die junge Frau in Tränen aus, bittet das Gericht, den Angeklagten wieder frei zu lassen. „Aber“, so sagt sie bestimmt, „ich will ihn nie mehr sehen“.

Nicht nur die Beziehung der beiden Flüchtlinge aus Schwarzafrika ist seit jenem Tag in die Brüche gegangen. Sie hat auch aus einem anderen Grund ein trauriges Ende genommen. Die Frau hat das Baby, das einmal mithilfe eines illegalen Tricks die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen sollte, inzwischen verloren.

Richter Fabian Espenschied folgt am Ende weitgehend dem Strafantrag von Staatsanwältin Keilbach und verhängt gegen den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Freiheitsberaubung und Bedrohung 16 Monate Gefängnis.

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