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Augsburger Polizistenmord

29.12.2011

Verdächtiger erschoss schon einmal einen Polizisten

Polizistenmord
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Polizeibeamte durchsuchen am Donnerstagnachmittag einen Hof in Friedberg. Zwei Monate nach dem Augsburger Polizistenmord wurde hier offenbar einer der beiden mutmaßlichen Täter festgenommen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Hat er zwei Polizisten auf dem Gewissen? Einer der Männer, die jetzt nach dem Augsburger Polizistenmord gefasst wurden, hat schon vor 36 Jahren einen Augsburger Beamten erschossen.

Zwei Monate nach dem Mord an dem Augsburger Polizisten Mathias Vieth (41) hatten Sondereinsatzkommandos am Donnerstagvormittag zwei Verdächtige festgenommen. Nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich um ein Brüderpaar aus dem Kriminellen-Milieu. Die Festnahme gleicht einer Sensation, denn im Falle eines der Brüder wäre es nicht der erste Polizistenmord. Rudi R. hat im Jahr 1975 in Augsburg schon einmal einen Polizeibeamten erschossen. Er wurde dafür ein Jahr später zu zweimal lebenslänglich plus acht Jahre Freiheitsentzug verurteilt.

Die beiden Männer wurden laut Polizei am späten Donnerstagvormittag festgenommen. Einer von ihnen angeblich auf offener Straße an einer roten Ampel, der andere in Friedberg. Beide seien von dem Einsatz vollkommen überrascht gewesen und hätten keinerlei Widerstand geleistet. Sie wurden zu Vernehmungen ins Polizeipräsidium gebracht, wo sie dem Vernehmen nach schwiegen. Am Freitag sollen beide dem Haftrichter vorgeführt werden.

Der Polizist Mathias Vieth war in der Nacht zum 28. Oktober nach einer Verfolgungsjagd im Augsburger Siebentischwald  erschossen worden, seine Kollegin wurde verletzt. Die Täter ließen ein gestohlenes Motorrad zurück und flüchteten zu Fuß. Die Hintergründe der Tat hatten viele Fragen aufgeworfen.

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Mathias Vieth und seine Kollegin wollten gegen 2.50 Uhr morgens offenbar die Motorradfahrer auf einem abgelegenen Parkplatz kontrollieren. Doch die Männer flüchteten. Als sie auf einem Waldweg stürzten, eröffneten sie aus rund zehn Metern Entfernung sofort das Feuer auf die Polizeibeamten. Der zweifache Familienvater schoss zurück, wurde aber trotz Schussweste tödlich getroffen. Die Ermittler vermuteten bereits, dass die Männer ein kriminelles Geschäft abwickeln wollten und dabei gestört wurden.

Parallelen zu Polizistenmord im Jahr 1975

Sollte sich der Verdacht gegen Rudi R. erhärten, gäbe es erstaunliche Parallelen zu der Tat vor 36 Jahren. Auch damals hatte R. mit einem Komplizen ein Auto gestohlen. Die beiden wollten die Tankstelle an der damaligen Autobahnraststätte Augsburg-Nord überfallen, als zufällig eine Polizeistreife auftauchte. Aus dem Gebüsch eröffneten die Täter das Feuer auf die Polizisten. Der 31-jährige Polizeiobermeister Bernd-Dieter Kraus wurde tödlich getroffen.

Am Freitag  wollen Polizei und Staatsanwaltschaft in einer Pressekonferenz Details zu dem Fall bekannt geben. Auch Innenminister Joachim Herrmann und Justizministerin Beate Merk werden in Augsburg erwartet.

Um den Augsburger Polizistenmord zu klären, hatte das Polizeipräsidium eine 50-köpfige Sonderkommission eingerichtet. In den vergangenen Wochen gingen bei der Soko "Spickel" über 700 Hinweise ein, die nach und nach abgearbeitet wurden. Der Schwerpunkt der Ermittlungen konzentrierte sich unter anderem auf Augsburg und Ingolstadt, wo die Täter ihr Motorrad gestohlen hatten.

Ob unter den Hinweisen auch der entscheidende Tipp war, der jetzt zur Festnahme führte, ist nicht bekannt. Denkbar wäre es durchaus. Immerhin wurde die Belohnung für Tipps, die zur Ergreifung der Mörder führt, zwischenzeitlich auf 100.000 Euro erhöht. Und tatsächlich hatte die Augsburger Kripo  genau auf solche Hinweise spekuliert.

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Festnahmen nach Augsburger Polizistenmord
Bild: Andreas Schmidt
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