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Augsburg

10.07.2020

Verfolgungsjagd mit Tempo 120 über Felder und Wiesen in Augsburg

Eine riskante Verfolgungsjagd lieferte sich ein 19-Jähriger im März vergangenes Jahr mit der Polizei in Augsburg. Nun musste er sich vor Gericht dafür verantworten.
Bild: Carsten Rehder, dpa (Symbol)

Plus Ein 19-Jähriger ohne Führerschein lieferte sich eine waghalsige Verfolgungsjagd mit der Polizei. Wie gefährlich das war, wird vor Gericht deutlich.

Es war eine außergewöhnliche Verfolgungsjagd, die sich ein 19-Jähriger in einem Ford Fiesta am Abend des 26. März 2019 mit einer Polizeistreife lieferte. Denn es ging dabei im wahrsten Sinne des Wortes „über Stock und Stein“. Der junge Mann flüchtete über Äcker und Wiesen, durchs Gebüsch, über Rad- und Fußwege, raste durch enge Straßen. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometer. Die Polizei brach die Verfolgungsfahrt schließlich ab. „Es war zu riskant. Wir wollten niemanden gefährden“, erinnert sich nun ein Beamter, 39, im Prozess gegen den jungen Mann vor einem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Angela Friehoff.

Der 19-Jährige, der nun schon zum vierten Mal vor allem wegen Verkehrsdelikten vor Gericht steht, hatte das schrottreife Auto für 300 Euro von einem Bekannten gekauft, um es, wie er sagt, „herzurichten“. Die Verlockung, das Auto vorher bei einer Spritztour auszuprobieren, war zu groß. Der junge Mann, der noch keinen Führerschein besitzt, montierte rumänische Kennzeichen an den Wagen, der weder zugelassen noch versichert war.

Der Augsburger Polizei fällt das schmutzige Auto auf

An jenem Märztag, nach 22 Uhr, fiel der Ford in der Neuburger Straße bei den „Sieben Häusle“ einer Streife auf, weil es völlig verdreckt war. Doch der Fahrer des Ford ignorierte jegliche Anhaltezeichen der Funkstreife. Es kam zu einer wilden Verfolgungsjagd, die kreuz und quer durch das Gebiet der Hammerschmiede und der Firnhaberau bis zum Müllberg bei Gersthofen führte. Die halsbrecherische Fahrt des 19-Jährigen hinterließ bei den Beamten durchaus beeindruckende Erinnerungen: „Es waren haarsträubende Aktionen. Einmal machte der Wagen einen richtigen Luftsprung mit allen vier Rädern weg vom Boden“, schildert der Fahrer des Polizeiwagens, 39, dem Gericht, der den Fall unter die „Top Fünf“ der Verfolgungsfahrten seiner Dienstzeit einordnete. Die Verfolgung sei „sehr aufregend“, aber auch sehr riskant gewesen.

Polizei gibt nach 20 Minuten auf

Nach 20 Minuten gab die Streife auf. Der junge Mann entkam. Inzwischen hatten sich 17 weitere Funkstreifen in die Fahndung eingeschaltet. Der Ford wurde wenig später abgestellt auf einer Straße in der Firnhaberau entdeckt. Über eine Zulassungsbescheinigung des Vorbesitzers des Wagens konnte der 19-Jährige schließlich ermittelt werden. Für den jungen Mann (Verteidiger: Jan Salfer) stand viel auf dem Spiel. Denn erst fünf Wochen vor der Verfolgungsjagd war er von einem Jugendgericht bereits wegen Unfallflucht und Schwarzfahrens verurteilt worden. Jetzt im neuerlichen Prozess stand durchaus eine Jugendstrafe zur Debatte, wie sie Staatsanwältin Alisa Starflinger denn auch für elf Monate zur Bewährung forderte, während Verteidiger Jan Salfer das Gericht bat, die Entscheidung für eine Jugendstrafe noch einmal auszusetzen. Das Jugendschöffengericht gab dem 19-Jährigen „mit viel Wohlwollen“ noch einmal eine Chance, da er offenbar inzwischen reifer geworden sei, arbeite, gut verdiene und eine Freundin habe. „Eine Beziehung ist der beste Bewährungshelfer“, fand Richterin Friehof, die das Urteil wegen etlicher Verkehrsdelikte verkündete: eine Woche Dauerarrest, drei Gespräche bei der „Brücke“ und eine Geldauflage von 1200 Euro, die ebenfalls an diese Organisation geht.

Der sehnlichste Wunsch des Angeklagten, jetzt endlich den Führerschein machen zu können, geht freilich nicht sofort in Erfüllung: Er muss noch die Sperrfrist von sechs Monaten abwarten. „Und lassen Sie bis zum Führerschein die Finger weg von Autos“, gab die Richterin ihm den guten Rat. Denn bei einem erneuten Fehltritt sei wohl eine Jugendstrafe unausweichlich, sagte sie.

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