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Prozess in Augsburg

14.04.2012

Vergewaltiger gab sich auf Straßenstrich als Polizist aus

Vergewaltiger gab sich auf Straßenstrich als Polizist aus
Bild: Kaya

Ein Freier legte eine Dirne auf dem Straßenstrich beim Schlachthof in Handschellen und vergewaltigte sie. Dafür bekam er nun mehrere Jahre Haft.

Auf dem Straßenstrich beim Schlachthof an der Berliner Allee arbeiten häufig junge Frauen aus dem früheren Ostblock. Für eine 24-jährige Bulgarin endete die Arbeitsnacht im Oktober 2011 mit einem Horrorerlebnis. Sie wurde von einem Freier, der sich als Polizist ausgab und sie in Handschellen legte, entführt und mehrfach vergewaltigt. Gestern wurde dem 39-Jährigen der Prozess gemacht.

Als Security-Mann auf dem Oktoberfest gearbeitet

Der Angeklagte hatte in jener Nacht als Security-Mann auf dem Münchner Oktoberfest gearbeitet. Gegen 3 Uhr morgens fuhr er noch in seiner schwarzen Dienstkleidung mit seinem Auto zum Straßenstrich. Dort wartete um diese Zeit nur mehr eine Frau auf Freier: eine junge Bulgarin, die kaum ein Wort deutsch sprach.

Der Mann, mit dem sie bereits handelseinig geworden war, gab sich urplötzlich als Polizist aus, zeigte ihr seinen Security-Dienstausweis, legte ihr Handschellen an und kündigte an, sie zum Polizeipräsidium fahren zu müssen. Eine Finte. Tatsächlich brachte er die Frau in die drei Kilometer entfernte, einsam gelegene Wolfzahnau am Lech. Dort schlug der angebliche Polizist die völlig eingeschüchterte und um ihr Leben bangende Dirne und vergewaltigte sie mehrfach. Als ob nichts gewesen wäre, fuhr er sein Opfer nach der Tat wieder zu ihrem Standplatz zurück. Das Autokennzeichen, das sich die Frau in Teilen notieren konnte, führte rasch auf die Spur des angeblichen Polizisten.

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Die sechsmonatige Untersuchungshaft hatte anscheinend zu einer Kehrtwende bei dem Angeklagten geführt, der anfangs beteuert hatte, alles sei einvernehmlich mit der Dirne geschehen. Um die zur Debatte stehende erhebliche Strafe zu mildern, vereinbarte Verteidiger Hermann Christoph Kühn mit Staatsanwältin Maiko Hartmann, der Opferanwältin Silvia Wunderle und der 3. Strafkammer beim Landgericht unter Vorsitz von Jennifer Kruse hinter verschlossenen Türen einen sogenannten „Deal“. Um dem Opfer eine psychisch belastende Aussage zum Hergang der Tat zu ersparen, legte der Angeklagte über seinen Anwalt ein umfangreiches Geständnis ab und erklärte sich bereit, der Frau 7500 Euro als Wiedergutmachung zu bezahlen.

„Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, ich würde es tun.“

Zwei 500-Euro-Scheine übergab sein Anwalt noch im Sitzungssaal an die Anwältin des Opfers. Und unter Tränen entschuldigte sich der Familienvater öffentlich bei der jungen Bulgarin und bei seiner ebenfalls im Saal anwesenden Ehefrau: „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, ich würde es tun.“

Das Opfer leidet, wie sie in ihrer kurzen Vernehmung sagte, noch immer unter den Folgen der Vergewaltigung. Sie habe ständig Angst, habe Albträume, könne nicht schlafen, ließ sie von einer Dolmetscherin übersetzen.

Das Gericht setzte die Gefängnisstrafe wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Vergewaltigung am Ende auf drei Jahre und neun Monate fest.

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