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Augsburg

06.06.2013

Vergewaltigung auf dem Friedhof? Vermeintliches Opfer verhaftet

Über Jahre hinweg sei sie von ihrem Ex-Geliebten vergewaltigt worden, behauptete eine Augsburgerin. Doch die Vorwürfe waren nur erfunden.
Bild: Alexander Kaya

Eine Frau hatte ihren Ex-Geliebten massiver Sexual-Verbrechen beschuldigt. Nun wurde sie im Gerichtssaal verhaftet. Hat sie aus Rache falsch ausgesagt?

Es waren Vorwürfe, die selbst hartgesottene Kripo-Leute berührten: Über Jahre hinweg, so behauptete die Ehefrau eines Oberhauser Gastwirtes, sei sie von einem Türken, 47, auf brutalste Weise bedroht, zu Tode verängstigt, drangsaliert und vergewaltigt worden – einmal sogar inmitten von Gräbern auf dem Nordfriedhof. Die 37-Jährige schilderte detailliert Szenen, bei denen sie gewürgt, mit einer brennenden Zigarette verletzt, auf einem Gitter, ja sogar in einem Haufen von Glasscherben sexuell gedemütigt worden sei. Der Täter habe ihr und ihrer ganzen Familie gedroht, „die Köpfe abzuschneiden“, wenn sie ihm nicht zu Willen sei.

Im Prozess kam heraus: Alles war erfunden

Die Ermittler glaubten ihr, der mutmaßliche Gewalttäter kam in Haft. Doch jetzt, acht Monate später, im Prozess vor der 3. Strafkammer des Landgerichts, platzte die „Bombe“: Alles war erlogen. Es war Rache der Frau an ihrem Geliebten. Der Staatsanwalt nahm die Kronzeugin mitten im Sitzungssaal fest, der Angeklagte, dem bei einer Verurteilung lange Jahre im Gefängnis gedroht hätten, wurde auf freien Fuß gesetzt.

Im Sommer 2012 war die Frau zusammen mit ihrem Ehemann bei der Polizei erschienen. Dort hatte sie ihren Bekannten zunächst beschuldigt, er habe zusammen mit drei anderen Männern die Software von Spielautomaten manipuliert, um die Gewinne für die Spieler sowie die Einnahmen für Gastwirte zu verringern. Und dann folgten aus der Erinnerung die bis zu vier Jahre zurückliegenden Vergewaltigungsvorwürfe.

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Jede Woche mindestens einmal habe der Mann ihr Sex aufgezwungen, behauptete die Frau, habe gedroht, sie aufzuhängen oder von der Stadtmauer beim Lueg-ins-Land zu werfen. Nur aus Angst um ihr Leben habe sie die Unterwerfungen so lange hingenommen. Die Staatsanwaltschaft erhob schließlich in zehn ausgesuchten, von der Frau als besonders brutal geschilderten Sexualverbrechen Anklage. Es kam nun zum Prozess vor der 3. Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Karl-Heinz Haeusler.

Angeklagter bezeichnet Frau als sexsüchtig

Der Angeklagte bestritt vehement. Er habe mit der Frau, die regelrecht sexsüchtig gewesen sei, ein Verhältnis gehabt. Doch der gemeinsame Sex sei absolut freiwillig gewesen. Als die Kronzeugin ihre belastende Aussage wiederholte, verstrickte sie sich in Widersprüche – so tief, dass sie an Ort und Stelle von Staatsanwalt Christian Engelsberger festgenommen wurde. Der Angeklagte kam sofort frei.

Rache für angebliche schlechte Behandlung

Das Gericht erließ gegen die Zeugin einen Haftbefehl wegen Freiheitsberaubung, Falschaussage und falscher Verdächtigung. Der Anwalt der 37-Jährigen, Walter Rubach, hat inzwischen erreicht, dass sie gegen hohe Auflagen wieder aus dem Gefängnis entlassen wurde. Die Frau gab an, sie habe sich mit den Vorwürfen an ihrem Ex-Geliebten rächen wollen, weil dieser sie schlecht behandelt habe.

Nur wenige Tage nach seiner Freilassung musste sich der 47-Jährige allerdings erneut vor Gericht verantworten. Diesmal wurde er von einem Schöffengericht unter Vorsitz von Christoph Dössinger zu 13 Monaten auf Bewährung verurteilt. Zumindest die Vorwürfe seiner Ex-Geliebten, er habe die Software von Spielautomaten manipuliert, hatten sich im Prozess bewahrheitet. Drei Mitangeklagte wurden ebenfalls des illegalen Glücksspiels, so sah das Gericht juristisch die Manipulationen, schuldig gesprochen.

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