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20.07.2010

Verhängnisvoller Schwindel

Wenn unsere Zeitung heute erscheint, sind Noel und Sargis Amirkhanyan schon auf dem Weg zurück in ihre Heimat Armenien. Eine Heimat, in der sie sich als Angehörige der persisch-christlichen Minderheit nie heimisch fühlten. Doch jetzt müssen Vater und Sohn zurück. Ihr Asylantrag wurde erst genehmigt, dann von den Behörden widerrufen, ein Folgeantrag wurde abgelehnt. Noel Amirkhanyan reiste im Jahr 2000 ein, Sohn Sargis lebte seit 2006 in Augsburg. Seine Frau Flora ging Anfang des Jahres freiwillig zurück, weil sie dem Druck nicht standhielt.

Daran konnte auch der Einsatz der Baptistengemeinde im Univiertel, in der Noel Amirkhanyan tief verwurzelt war, nichts ändern. Bis zum Schluss kämpfte Baptistenpfarrer Thorsten Schacht darum, Vater und Sohn zu helfen. Am Sonntag feierte er einen letzten Gottesdienst in der Justizvollzugsanstalt im Hochfeld, in der die beiden in Abschiebehaft saßen.

Morgen früh um 6 Uhr werden Noel und Sargis auf dem Flughafen in Eriwan landen - dann ist ihr Leben in Deutschland bald nur noch eine Geschichte. Eine Geschichte, die hoffnungsvoll begann, als Noel vor zehn Jahren in Deutschland einreiste. Freunde hatten ihm geraten, er solle den deutschen Behörden sagen, er käme aus dem Iran. Das war zwar nicht richtig, aber auch nicht komplett gelogen. Der 54-Jährige hat iranische Wurzeln. Sein Asylantrag wurde 2005 genehmigt, seine Frau Flora und der 18-jährige Sohn Sargis konnten so ebenfalls nach Deutschland einreisen.

"Von Anfang an bemühte sich die Familie um Integration", erzählt Pfarrer Thorsten Schacht, der Noel in seiner Gemeinde als Baptist taufte. "Sie hatten eine Wohnung in der Jakobervorstadt, sie hatten Arbeit, sie hatten viele Freunde in unserer Gemeinde."

Die 16-jährige Aylin Moshkanbarians hat "immer noch nicht ganz realisiert, dass mein Freund Sargis morgen weg ist". Schuld an dieser unerwarteten Wendung sind die Freunde, die Noel den Tipp mit der falschen Herkunft gaben. "Ob sie sauer auf ihn waren oder Geld erwarteten - ich weiß es nicht", erklärt Schacht, und auch Noel schweige sich aus. Die falschen Freunde spielten dem Ausländeramt ein Kopie von Noels armenischem Pass zu. Damit hatten er und seine Familie ihr Aufenthaltsrecht verwirkt. Alle Einsprüche vonseiten Schachts, der die Interessen der Amirkhanyans als Prozessbevollmächtigter vertrat, scheiterten. "Rechtlich ist die Sache völlig klar", sagt der Geistliche. "Menschlich gesehen ist das eine Katastrophe."

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