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Augsburg

15.01.2020

Verhüllte Brunnen: Ist beheiztes Wasser eine Lösung?

In den Wintermonaten werden Augsburgs Prachtbrunnen eingehaust. Alternative Lösungen gibt es – doch sie bergen auch Nachteile.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Die Prachtbrunnen zählen zum Welterbe. Doch im Winter sind sie eingehaust. Warum Alternativen, wie in Salzburg und München, laut Stadt nicht in Frage kommen.

Augsburgs Prachtbrunnen bilden ein wesentliches Element des Weltkulturerbes – nur sind sie im Winter unter Verschluss. Städte wie Salzburg oder München zeigen, dass es Alternativen zu den Holzverkleidungen gibt. Doch von Seiten der Stadt gibt es hier Einwände.

Ziemlich ernüchtert war das Team des Welterbebüros, wie berichtet, von seinem jährlichen Betriebsausflug zurückgekehrt. Diesen hatten Leiter Ulrich Müllegger und seine Kollegen genutzt, um sich in Salzburg die Glaskonstruktionen über manchen Brunnen anzuschauen. Der historische Florianibrunnen etwa steht im Winter unter einer Art Glaspyramide. Er bleibt damit für Bürger und Touristen sichtbar. Doch die Augsburger waren davon enttäuscht.

Holzkonstruktionen an Augsburgs Brunnen seien schöner

Das Glas sei dreckig gewesen, von innen hätten angetrocknete Wassertropfen das Erscheinungsbild getrübt. Das Team war sich einig, dass die Holzkonstruktionen in Augsburg im Vergleich schöner sind. Wie Müllegger betont, seien die hölzernen Verkleidungen im Übrigen keine Erfindung der heutigen Zeit, um die Brunnen im Winter vor Witterung zu schützen.

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So sieht die Glasabdeckung über dem Florianibrunnen in Salzburg aus.
Bild: Carola Cilay

Schon Augsburgs Brunnenmeister Caspar Walter, der von 1701 bis 1769 lebte, habe mit Holzkonstruktionen gearbeitet. „Diese Lösung ist also schon hunderte von Jahre alt“, berichtet Müllegger. Das belegten auch Bilder aus dem Stadtarchiv. Dennoch gab es bereits vor ein paar Jahren von Seiten des Stadtmarketings Interesse an einer gläsernen Alternative.

Kosten für Verglasung offenbar nicht realisierbar

Damals wurde bei Fassadenbauer Seele in Gersthofen nach Möglichkeiten und Kosten gefragt. Das Ergebnis war offenbar happig. „Die Realisierungskosten sind weit davon entfernt, was wir zur Verfügung haben“, meint der Leiter des Welterbebüros. Beim Baureferat würden die Kosten pro Prachtbrunnen in Richtung einer Million Euro geschätzt. Deshalb plane man jetzt auch keinen Kontakt zu entsprechenden Firmen. „Es bringt nichts, Pferde scheu zu machen.“ Momentan, so Mülleggers Fazit, sei keine Alternative in Sicht. „Das Thema Brunnen ist auch nicht vorrangig.“

Aber was ist mit der Münchner Lösung? Einige wenige Brunnen an exponierten Stellen in Münchens Innenstadt, wie etwa am Marienplatz, bleiben den Winter über sogar in Betrieb. Wie berichtet, wird dort das Wasser auf vier Grad erhitzt.

Auf den Gänselieselbrunnen trifft man im Mettlochgässchen, zwischen Annastraße und Philippine-Welser-Straße. Das Brunnenmädchen mit den zwei dicken Gänsen auf dem Schoß wurde von Erich Steinacker geschaffen.
17 Bilder
So schön sind Augsburgs Brunnen
Bild: Lasma Reimane und Elisa Glöckner

Technisch ist dies sicherlich auch in Augsburg möglich, sagt Jürgen Fergg von den Stadtwerken. Durch einen Anschluss an eine Fernwärmeleitung oder mit einem Durchlauferhitzer etwa. „Doch man muss diskutieren, ob das unter ökologischen Aspekten in Zeiten des Klimawandels sinnvoll ist.“ Was eine Beheizung des Brunnenwassers angeht, so heißt es auch aus Augsburgs Baureferat, wäre eine kostenintensive Nachrüstung zwar möglich.

Beheiztes Brunnenwasser sei keinesfalls nachhaltig

Allerdings scheide sie für die Bauverwaltung aus folgenden Gründen aus. „Eine Beheizung des Brunnenwassers erfordert in den Wintermonaten einen immensen Energieaufwand und ist damit aus ökologischer Sicht in keinster Weise nachhaltig“, meint Baureferent Gerd Merkle (CSU). Zudem sei eine Beheizung sieben Tage lang 24 Stunden in Betrieb.

Das erhöhe die Betriebskosten erheblich. „Die Gefahr von frostbedingten Schäden an den Figuren und am Naturstein des Brunnenbeckens oder der Säule würde zu einer langfristigen Gefährdung der Prachtbrunnen führen.“ Das Baureferat, so das Fazit, werde deshalb dem Stadtrat hierzu keine Beschlussempfehlung unterbreiten.

Es sieht also so aus, als ob Augustus-, Merkur- und Herkulesbrunnen in den Wintermonaten weiterhin hinter Holzbrettern verschwinden. Ein Fakt, über den sich der deutsche Unesco-Botschafter bei seinem Besuch im Dezember angesichts des neuen Welterbe-Titels gewundert hatte. Ulrich Müllegger vom Welterbebüro ist das Brunnen-Thema weiterhin ein Anliegen. Er wolle mit der Bauverwaltung besprechen, ob die Phase der Brunnen-Abdeckung künftig wenigstens verkürzt werden könnte.

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