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Ausstellung

30.06.2017

Verloren am Horizont

Maler Wolf Noack und Bildhauer Claus Scheele stellen gemeinsam im Bundespatentgericht München aus.
Bild: Peter Bulach

Die Augsburger Künstler Wolf Noack und Claus Scheele an ungewohntem Ort

Die Kunst hat das Zeug, einen immer wieder zu überraschen, zumal wenn sie sich an einem unvermuteten Ort findet. „Kunst im Bundespatentgericht“ nennt sich eine Ausstellungsreihe. Diese Folge hat mittlerweile das halbe Hundert überschritten! Die 53. Schau in der Cincinnatistraße 64, leider sehr peripherisch am Südrand Münchens gelegen, bestreiten Wolf Noack und Claus Scheele. Die fast gleich alten Künstler, 1942 geboren der eine, 1943 der andere, sind feste Größen in der Augsburger Szene.

Noack, aus Wien stammend, ist seit 1999 freischaffend. Im ersten Stock hängen vorwiegend Acryl-Arbeiten auf Leinwand von 2009 bis 2016, in denen eine malerisch pulsierende Fläche (mit Kratzspuren) bis an die Ränder der stattlichen Formate drängt. Auffallend die gedämpfte, ein schmutziges Braun nicht scheuende, ja in nächtliche Düsternis sinkende Palette. Das Große, Erhabene nimmt Anleihen bei romantischen Unendlichkeitsvorstellungen. Und wie es sich für eine nicht auf billige Stimmung reduzierte Romantik gehört, spielt das Abgründige, nicht Fassbare mit.

Was viele sich unentwegt ausmalen, etwa einen Sonnenuntergang, wird bei Noack zum eher beiläufigen Motiv, das seine feinen Lichttöne in die Tiefe sendet. Wie der Maler das Große und das Kleine zusammenbringt, wirkt fast schon kokett. Der winzige „Adler am Horizont“ will erst entdeckt sein, der weiße Reiher blinkt wie ein Fremdzitat aus dem Grün-Dschungel. Noacks in kräftigen Farbwogen fließender Zyklus zu den Symphonien Gustav Mahlers (2007) ist im zweiten Stock platziert – neben Farbstudien, in die das Rot einschießt und die doch hinter einem subtilen Öl-Pastell wie „Schwere See“ zurückstehen. Man sieht im Übrigen Noacks Wertschätzung für Cy Twombly.

„Die Wiederholung ist eine geliebte Gattin, deren man nie müde wird.“ Das Zitat Sören Lirkegaards fällt einem beim Betrachten der Skulpturen Claus Scheeles ein. Wobei Wiederholung zumal in den Plexiglas-Arbeiten der 1970er Jahre immer auch Wandel, Drehung, Auffächerung, Spiegelung meint. Die sich fortzeugende, den Blick von einem (Bau-)Element zum anderen führende Form sucht die architektonische Nähe, wie sie sich gleichzeitig selbst genügt (u. a. in den Blau-Schattierungen).

Manche Arbeit mutet etwas gedrechselt an („Sphäroid“), anderes überlappt sich mit Design. In den nach 2000 entstandenen Objekten bevorzugt Scheele den Federstahl, teils mit Aluminium und (vernickeltem) Messing. Vier Arbeiten heißen „Altersaggressiv“, aber diese Art von „Angriff“ lässt man sich gern gefallen, da sie in der nach oben wie nach unten gerichteten Form stets ihr filigranes Aussehen wahren. Das hat bei allem Ineinander von Bündelung und Streuung einen schönen Zug ins „Vegetative“ und „Kreiselnde“, um zwei Titel anzuführen.

In Skulpturen von 1995 bis 1999 setzt der Künstler den aus der Antike geläufigen Wagenlenker auf den Sockel: Es kostet sichtlich Kraft, die „Fäden“ in der Hand zu halten. (go)

bis zum 28. Juli; geöffnet Montag bis Freitag von 8 bis 19 Uhr.

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