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29.06.2009

Versteckspiel mit der Identität

Ein Roman, in dem der Protagonist heißt wie der Autor selbst, der aber dennoch nicht autobiografisch sein soll. In diesem Glauben jedenfalls ließ Thomas Glavinic sein Publikum in der Stadtbücherei nach der Lesung aus seinem 2007 erschienenen Roman "Das bin doch ich".

Der Roman handelt von einem Mann namens Thomas Glavinic, der Schriftsteller ist, dazu hysterisch, hypochondrisch und von Versagensängsten geplagt. Nicht genug, denn der Ich-Erzähler hat auch noch mit dem - ihm selbst nicht vergönnten - Ruhm seines Freundes Daniel Kehlmann zu kämpfen, der den Roman "Die Vermessung der Welt" geschrieben hat. Dazu muss er sich von seiner Mutter anhören, wann er einmal so ein Buch schreibe.

Ein Autor, der sein Publikum gerne zum Lachen bringt

Wer in dem Plot autobiografische Elemente entdeckt, muss zugestehen, es mit einem selbstkritischen und selbstironischen Schriftsteller zu tun zu haben. Einem Autor, der sein Publikum gerne zum Lachen bringt, was ihm auch in Augsburg mit seinem smarten Dialekt (Glavinic ist 1972 in Graz geboren und lebt heute in Wien) gelang: Zunächst trug er den Anfang seines Romans vor, der die Panikattacke seines Ich-Erzählers beschreibt, an Hodenkrebs erkrankt zu sein.

Versteckspiel mit der Identität

Seinen Zuhörern erklärte er, dass er jedes Mal erleichtert sei, wenn er die Stelle hinter sich habe. Und weiter scherzte er: Je nach Publikum lese er entweder das "Alkohol-Kapitel" oder das "Hypochondrie-Kapitel". Wenn bei ihm ein besonders desaströser Eindruck entstehe, bekämen die Zuhörer beides zu hören. In Augsburg entschied er sich aufgrund des überwiegend jüngeren Publikums für Ersteres.

Bei allem Witz hinterließ der Roman "Das bin doch ich" auch einen rätselhaften Eindruck durch das Spiel mit Identitäten. Und der Satz "Wer meine Bücher ablehnt, ist des Teufels" dürfte die Frage aufwerfen, ob da der echte oder der fiktive Glavinic seine Kritiker verwünscht.

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