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19.06.2017

Videobeweis sorgt für Verwirrung

Technik Das elektronische Auge prägt den Auftakt des Confed Cups in Russland. Am ersten Spieltag ziehen es die Schiedsrichter viermal zurate. Die Ergebnisse stellen zufrieden. Der Teufel aber steckt auch hier im Detail

Moskau Am Ende des Spiels war die Verwirrung komplett. Bei der Partie Chile gegen Kamerun wendete Schiedsrichter Damir Skomina aus Slowenien in der Nachspielzeit zum zweiten Mal den Videobeweis an. Erst hatte er ein Tor des früheren Bundesliga-Stürmers Eduardo Vargas nicht gegeben, dann ließ er sich von seinem Assistenten am Bildschirm umstimmen. Die Spieler standen währenddessen ratlos auf dem Rasen des Moskauer Spartak-Stadions. Und viele Zuschauer dachten, dies sei der Schlusspfiff, als Skomina nach einer gefühlten Ewigkeit entschied: Tor für Chile, 2:0 durch Vargas. Dabei blieb es dann.

Jahrelang wurde der Videobeweis im Fußball von Fans, Experten und Spielern gleichermaßen gefordert. Doch jetzt, wo er beim Confed Cup zum ersten Mal testweise eingesetzt wird, sind die Diskussionen beinahe genauso groß wie vorher. „Es ist wahr: Dieses System kann eine Menge Atemnot hervorrufen“, sagte Chiles Trainer Juan Antonio Pizzi. „Am Ende wird die Technologie aber wahrscheinlich mehr Gerechtigkeit in das Spiel bringen.“

Insgesamt vier Mal wurde die Frage „Tor oder kein Tor?“ am Sonntag bei den beiden Spielen zwischen Chile und Kamerun (2:0) sowie Portugal und Mexiko (2:2) erst nach einer Befragung des Video-Referees entschieden. Und damit wurden Stärken und Schwächen dieses Systems gleich am ersten Wochenende des Turniers offengelegt. In allen vier Fällen wurde durch den Videobeweis am Ende eine korrekte Entscheidung herbeigeführt. Ein erster Treffer von Vargas gegen Kamerun wurde zunächst gegeben, aber dann wieder aberkannt (45.+1). Der Ex-Hoffenheimer stand knapp im Abseits. Bei seinem Tor zum 2:0 (90.+1) lief es genau umgekehrt: Zunächst entschied der Schiedsrichter auf Abseits. Dann gab er das reguläre Tor doch. Auch beim Spiel Portugal gegen Mexiko zahlte sich der Einsatz der Technologie aus. Ein Abseits-Tor für den Europameister wurde nach Rücksprache mit dem Video-Schiedsrichter nicht gegeben (21.). Beim 2:1 durch Cedric Soares (86.) ergab die Befragung: alles korrekt. „Wichtig ist: Es wurden die richtigen Entscheidungen getroffen“, sagte auch Kameruns Trainer Hugo Broos. „Der Videobeweis kann etwas sehr Wichtiges werden. Das hat sich heute gezeigt.“

In allen vier Fällen dauerte die Entscheidungsfindung allerdings auch sehr lange und stiftete dadurch viel Verwirrung. Nach Chiles vermeintlichem Führungstor hatten die Südamerikaner schon ausgiebig gejubelt und auch Kameruns Team stand längst wieder zum Anstoß bereit. Erst dann entschied der Referee: doch kein Tor.

Gerade diese Szene zeigte zudem: Manchmal sind Abseits-Positionen selbst mithilfe bewegter Bilder nur schwer zu erkennen. Über die Frage „War der Treffer von Vargas regulär oder nicht?“ ließ sich auch nach dem Videostudium noch weiterdiskutieren. Einen anderen kritischen Punkt sprach Portugals Trainer Fernando Santos an: Wann wird der Videobeweis eingesetzt und wann nicht? „Der Video-Referee wurde nur bei unseren Toren benutzt, obwohl die Szene vor dem 2:2 auch sehr komplex war“, sagte er. Mexikos Héctor Moreno (90.+1) hatte in der Nachspielzeit noch den Ausgleich erzielt. Selbst Mexikos Stürmer Javier Hernandez von Bayer Leverkusen meinte hinterher: „Es ist etwas schwierig, sich daran zu gewöhnen.“

Noch befindet sich der Videobeweis nur in der Testphase. Ob er in einem Jahr auch bei der Weltmeisterschaft in Russland eingesetzt wird, ist noch nicht entschieden. Per Funk sind die Schiedsrichter mit einem Assistenten vor einem Bildschirm verbunden. Eingegriffen werden soll nur bei entscheidenden Situationen wie Toren, Abseits, Roten Karten oder Elfmetern. (dpa)

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