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Region Augsburg

02.08.2019

Viele Menschen ertrunken - Hitze und Hochwasser sind tödliche Gefahren

Auch in der Region gab es viele Rettungseinsätze - und Badetote.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Auch der Sommer 2019 wird dem Freistaat einen traurigen Rekord bescheren: Die Zahl der Badetoten ist wieder gestiegen. Auch in der Region gab es tragische Unfälle.

Erst am vergangenen Samstag hat es wieder so eine brenzlige Situation gegeben: Zwei junge Männer badeten im Friedberger See, einer wäre beinahe ertrunken. Durch Hilfeschreie seines Begleiters wurde die Wasserwacht auf die Notsituation aufmerksam, konnte den Mann aus dem Wasser ziehen und Erstversorgung leisten. "Eine knappe Angelegenheit", wie sich Michael Geil, Mitarbeiter der Wasserwacht Aichach-Friedberg, erinnert.

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Dies ist nur einer von vielen Zwischenfällen, die sich in bayerischen Badeseen und Flüssen diesen Sommer ereigneten. Im vorigen Jahr hatte es in Bayern die meisten Badeunfälle in ganz Deutschland überhaupt gegeben – das ist zwar zum Teil damit erklärbar, dass viele Urlauber in den Freistaat kommen und so an heißen Tagen sich enorm viele Menschen an den Seen und Flüssen sowie in Freibädern tummeln. Aber die Experten von Wasserwacht, DLRG und anderen Hilfsorganisationen hatten auch festgestellt, dass immer mehr Menschen nicht schwimmen können. Sie hatten Alarm geschlagen, vielerorts gibt es deshalb Schwimmkurse für Anfänger, für Kindern, oft auch speziell für Asylbewerber.

Toter Jugendlicher wurde erst eine Woche später gefunden

Nun also hat die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft DLRG eine erste Zwischenbilanz der Saison 2019 gezogen: In bayerischen Gewässern sind bis Ende Juli schon 65 Menschen ertrunken – 20 mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit halte der Freistaat erneut bundesweit einen traurigen Rekord. Der Anstieg sei vor allem mit dem enorm schönen und heißen Sommerwetter zu erklären. Für Augsburg und die Region gibt es allerdings keine näheren Zahlen zu den Einsätzen. Drei tödliche Badeunfälle hat es allerdings schon gegeben: Anfang Juni war in Augsburg ein 16-Jähriger im Lech ertrunken. Er hatte mit einem Freund versucht, den Fluss beim "Griesle" in der Firnhaberau zu durchschwimmen. Beide trieben im Wasser ab, sein Begleiter konnte sich ans Ufer retten.

Trotz einer groß angelegten Suchaktion wurde der 16-Jährige nicht gefunden. Erst rund eine Woche später hatte ein Mitarbeiter des Wasserkraftwerks am Lechkanal in Gersthofen seinen Leichnam gefunden. Bereits an Pfingsten ist in Todtenweis eine 56-Jährige im Eisweiher von der Wasserwacht mit gesundheitlichen Problemen ans Ufer gebracht worden, doch starb sie später in der Uniklinik. Und in Münster bei Rain starb ein 42-Jähriger an einem Wehr im Lech-Altwasser, nachdem er seinen Hund und seine Ehefrau retten wollte.

Auch am Baggersee Friedberg ereignen sich immer wieder dramatische Zwischenfälle.
Bild: Ute Krogull (Symbol)

Eine außergewöhnlich große Suchaktion mit fast 100 Einsatzkräften hatten Anfang Juli drei Schwimmer am Ilsesee in Königsbrunn ausgelöst, weil sie in eine Bucht geschwommen und nicht zurückgekommen seien. Hier ging alles glimpflich aus: Das Trio wurde zwar nicht gefunden, aber bei der Polizei ging auch keine Vermisstenmeldung ein. Solche Aktionen gibt es immer wieder: So wurde im benachbarten Lautersee im Juni stundenlang nach einem 30-Jährigen gesucht. Es stellte sich heraus, dass er nur seine Kleidung am Ufer vergessen hatte. So also fallen die Beobachtungen der Wasserwachten in der Region für den Sommer 2019 bisher unterschiedlich aus.

Michael Geil von der Wasserwacht Aichach-Friedberg merkt an, dass der Vorfall vom Samstag im Friedberger See kein Einzelfall gewesen sei. In diesem Sommer habe es auffallend viele Einsätze gegeben – wobei Alter und Fitness keine Rolle spielen: "Bei dieser Hitze sind die Leute viel schneller vom Fahrradfahren und Laufen erschöpft und gehen oftmals zu schnell ins Wasser. So können sie sich kaum an den Temperaturunterschied gewöhnen – der Kreislauf spielt verrückt", erklärt Geil. Hinzu kommt, dass das Ufer am See vergleichsweise steil ist – weshalb nun Tafeln in mehreren Sprachen auf die Gefahr hinweisen.

Der hohe Wasserstand brachte tückische Strömungen

Auch Eric Kraffczyk von der Wasserwacht Stadtbergen hat festgestellt, dass die Badenden gerade bei großer Hitze oft unvorsichtig sind. Doch es gibt neben der Hitze weitere Gründe, die den Einsatz der Retter erfordern. So kam es im Lech zu vielen Einsätzen – und zwar wegen der starken Strömungen durch den hohen Wasserstand.

Ruhig ging es im Vergleich in Königsbrunn zu. Max Markmiller von der Wasserwacht sagt: "Eigentlich war das bisher ein relativ ausgeglichener Sommer. Es gab nicht mehr oder weniger Unfälle als in den vergangenen Jahren." Diese Beobachtung hat auch Marco Greiner von der Wasserwacht Augsburg-Stadt gemacht: "Klar haben sich unsere Einsätze vor allem auf die heißen Tage konzentriert. Ansonsten gab es keine Auffälligkeiten."

Dagmar Leeb von der DLRG Augsburg/Aichach-Friedberg hat festgestellt: "Am meisten betroffen sind immer noch Senioren. Fast 40 Prozent der Unfallopfer sind Menschen über 65 Jahre." Badeseen und Flüsse seien nach dem Hochwasser falsch eingeschätzt worden. "Aufgrund solcher Vorfälle empfehlen wir, nicht allein ins Wasser zu gehen und nur bewachte Badeseen aufzusuchen", so Leeb. Und weist auf Kurse hin: "Dort lernen die Leute, wie man sich bei einem Wadenkrampf verhält oder wenn man sich in einer Alge verheddert." (mit wer)

In unserem Podcast erzählt ein Retter der Wasserwacht von seinem harten Job – und wie er dramatische Einsätze verarbeitet.

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