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Augsburg

04.02.2019

Viele Schulen nicht ans Netz angeschlossen: Was Augsburg dagegen tun will

Für die Schülerinnen und Schüler des Fugger-Gymnasiums gehört die Arbeit am Computer und Laptop zum Unterrichtsalltag. Bei weitem nicht alle Augsburger Schulen sind vollständig vernetzt und digital gut ausgestattet.
Bild: Klaus Reiner Krieger

Die Digitalisierung schreitet voran. Doch die Einrichtungen befinden sich auf einem unterschiedlichen Niveau: 29 Grund- und Mittelschulen haben kein Internet.

Lisa Helmut programmiert ein Calliope. Das ist ein kleiner Computer, der für Bildungszwecke entwickelt wurde. Ohne Scheu tippt die Fünftklässlerin auf ihrem Laptop und sucht sich die Anleitung für ihren Arbeitsauftrag auf zwei verschiedenen Webseiten zusammen. So kann sie das Calliope dazu bringen, ein Lied abzuspielen oder dass inmitten des Bildschirms ein Herz blinkt.

Das „edu.lab“, wie der Medienraum am Jakob-Fugger-Gymnasium genannt wird, wurde im vergangenen Jahr eingerichtet. Dort sollen Schüler und Lehrer neue Technologien kennenlernen und sie in ihren täglichen Unterricht mit einbinden. Das Fugger-Gymnasium gehört in Augsburg zu den 14 Schulen, die schon vollständig vernetzt sind und auch medientechnisch umfassend ausgestattet wurden. Die Digitalisierung schreitet in Augsburg voran – allerdings bewegen sich die digitalen Möglichkeiten der 70 Schulen, die die Stadt als Sachaufwandsträger betreut, auf einem recht unterschiedlichen Niveau. Das soll sich nun ändern.

Es gibt den Fördertopf "Digitalbudgets"

Im Bildungsausschuss sollen am Montag ein Ausbau von Glasfaseranschlüssen der Schulhäuser sowie die digitale Ausstattung von Klassenzimmern auf den Weg gebracht werden. Der Freistaat hat mit seinen Masterplänen Bayern Digital I und II zwei umfangreiche Programme aufgelegt, die Förderungen in Höhe von 8,5 Milliarden Euro beinhalten. Geld soll auch vom Bund fließen, sofern sich die Länder einig werden. Über 3,3 Millionen Euro wurden der Stadt aus dem Fördertopf „Digitalbudgets“ des Freistaats für 2018 in Aussicht gestellt. Im Jahr 2019 und 2020 könnten je drei Millionen Euro folgen. „Dazu kommt noch ein Eigenanteil der Stadt von zehn Prozent“, betont Bildungsreferent Hermann Köhler (CSU).

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Viel Geld wird also in den kommenden Jahren in die Digitalisierung der Augsburger Schulen fließen. Das ist auch dringend nötig. „Aktuell verfügen von insgesamt 70 öffentlichen Schulen in Augsburg aktuell noch 34 Schulen über keine Anbindung an das Glasfasernetz“, sagt Wolfgang Färber, Leiter des Schulverwaltungsamts. Allein die Anbindung dieser Schulen ist mit Kosten in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Der Plan des Schulverwaltungsamtes ist es, innerhalb des Förderzeitraums von jährlich zehn Schulen ans Glasfasernetz anzuschließen.

150 vernetzte Klassenzimmer kosten 900.000 Euro

Bereits vernetzte Schulen sind voll ausgestattet, verfügen also über die entsprechende Soft- und Hardware. Aktuell gibt es aber noch 29 nicht vernetzte Grund- und Mittelschulen in Augsburg, die vorerst nur „offline“ mit IT-Ausstattung arbeiten können. „Da gibt es Nachholbedarf“, sagt Färber. Das Ziel ist es, dass nach Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt diese Schulen mit einer Standard-Ausstattung, sogenannten Lehrerarbeitsplätzen, versorgt werden, also einen PC, eine Dokumentenkamera und einen Beamer erhalten, sowie an das Schulnetz angeschlossen werden. Vorerst ist daran gedacht an jeder Schule fünf Klassenzimmer mit dieser Ausstattung zu versehen. Die Kosten für eine derartige Ausstattung von rund 150 Klassenzimmer schätzt das Schulverwaltungsamt auf rund 900.000 Euro. Später soll die Ausstattung gegebenenfalls auf zehn, 15 oder mehr Klassenzimmer je Schule ausgeweitet werden. Mit dem Geld vom Bund soll die Vernetzung innerhalb der Schulen erfolgen.

„Es ist schön, dass sich der Staat und der Bund finanziell am digitalen Ausbau beteiligen. Das Geld fließt allerdings nur einmal. Sie ermöglichen den Start – dann werden die Kommunen aber alleine gelassen“, wirft Bildungsreferent Hermann Köhler ein. Die Stadt müsse künftig mit vielfach höheren Ausgaben für Erneuerung und Wartung des technischen Equipments rechnen sowie mehr Personal einstellen, um die technische Betreuung überhaupt gewährleisten zu können. Er rechnet mit einem jährlichen Mehraufwand von fünf Millionen Euro.

Computer wurden geleast

Allein 130 Computer gibt es am Jakob-Fugger-Gymnasium, das derzeit noch nicht am Glasfasernetz angeschlossen ist. Die Geräte wurden, wie an den meisten anderen Schulen auch, über einen Kooperationsvertrag mit der Landeshauptstadt München geleast. Die Vernetzung und Ausstattung des „edu.lab“ schlug mit rund 30.000 Euro zu Buche, das vom Schulverwaltungsamt, Schule und Förderverein finanziert wurde. Englischlehrerin Margin Ditsch nutzt ihn mit ihrer 11. Klasse. Ihr Thema: der Brexit. Während die Aufgabe über einen Beamer an die Wand projiziert ist, surfen die Schüler im Internet. „Wir sehen uns YouTube-Videos zu dem Thema an und recherchieren auf der BBC-Seite“, sagt Max-Benedikt Walther. Die Schüler sollen herausarbeiten, was ein ungeregelter Brexit für Folgen haben könnte. „Dieses Thema kommt in unserem Schulbuch natürlich gar nicht vor. Deshalb ist es eine gute Möglichkeit, hier aktuelle Themen zu behandeln“, sagt Mitschüler Alexander Brandsch.

Lehrerin Ditsch mag die Flexibilität, die der Raum bietet. „Er wurde nach der Idee des Brüsseler ,Future Classroom Lab‘ eingerichtet und aufgebaut. In diesem Klassenzimmer soll nicht nur konsumiert, sondern auch produziert werden“, erklärt Jörg Haas, Leiter des edu.lab-Projekts am Fugger-Gymnasium.

Lesen Sie dazu auch diesen Kommentar: Digitale Schule: Gut angelegtes Geld

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07.02.2019

Es wird immer davon gesprochen das Schulen kein Internet haben, aber auch in vielen Kindergärten kann frühe Medienbildung nicht stattfinden, da es keinen Internetzugang für Mitarbeiter gibt. In Horten ist dies auch der Fall, viele Schüler werden am Nachmittag in Einrichtungen betreut. Internetschulungen für Kinder und Jugendliche kann nicht stattfinden, obwohl viele Kinder youtube, facebook und co nutzen.

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