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Augsburg

28.07.2015

Viele sind trotz Arbeit arm

Viele Menschen leben trotz eines Vollzeitjobs in Armut.
Bild: Alexander Kaya

20 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in Augsburg arbeiten unter der Niedriglohnschwelle. Viele von ihnen verlieren ihr Selbstwertgefühl.

Da ist die Friseurin, 25 Jahre alt, vollzeitbeschäftigt in der Steuerklasse 1 mit 40 Wochenstunden und mehr. Sie bekommt ein Monatsgehalt von 1473 Euro brutto. Netto bleiben 1076,23 Euro, dazu kommen etwa 100 Euro Trinkgeld. Für Miete gehen 500 Euro weg, für eine Rate 200, das Fahrgeld schlägt mit 60 Euro zu Buche, das Handy mit 40. Bleiben zum Leben 426,23 Euro. Oder ein kinderloses Paar. Er verdient als Bauzeichner 1300 Euro netto, sie als Krankenschwester in Teilzeit 530 Euro. Nach Abzug aller Unkosten bleiben den beiden 260 Euro im Monat zum Leben.

Oft landen sie in der Schuldenfalle

Auf solche Schicksale wies die Aktionswoche „Arm und überschuldet - trotz Arbeit“ der Schuldnerberatung hin. In Augsburg beteiligten sich Caritas, Diakonisches Werke sowie Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB). Mitarbeiter machten am Rathausplatz auf die Situation von Menschen aufmerksam, die trotz Vollzeitbeschäftigung und Mindestlohn von dem, was sie verdienen, nicht leben können, in die Schuldenfalle geraten. Auch ein fehlender Schulabschluss, Arbeitslosigkeit, befristete Beschäftigungen und Minijobs können Ursachen für Überschuldung sein. Auch die Not vieler Familien, denen trotz Gehalt und Kindergeld das Einkommen nicht reicht, war ein Grund, auf die Straße zu gehen . Nach Erfahrung von Rainer Storf, Schulden- und Insolvenzberater bei der Caritas, gehen die Betroffen selbst nicht an die Öffentlichkeit, sondern ziehen sich zurück, weil sie sich gesellschaftliche Unternehmungen nicht leisten können.

Augsburg ein Brennpunkt für Armut

„Augsburg ist ein Brennpunkt der Armut, die Gefahr arm zu werden, ist hier sehr hoch“, machte Diakon Erwin Helmer, Diözesanpräses der KAB, deutlich. 20 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in der Stadt, das sind fast 18000 Menschen, arbeiten ihm zufolge unter der Niedriglohnschwelle. Es gebe viele Leiharbeiter, Werksverträge und Ausgliederungen, vielfach gebe es in den Unternehmen keinen Tarifvertrag und keinen Betriebsrat. Die Zahl der Nebenjobber sei in Augsburg mit rund 12000 ebenfalls sehr hoch. „Wer arm ist, fühlt sich als Mensch zweiter Klasse, verliert sein Selbstwertgefühl und seine Würde, das können wir nicht akzeptieren“, erklärte Helmer und appellierte an die Wirtschaft, Menschen nicht als Kostenfaktoren zu sehen.

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Die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung hat einige Forderungen an die Politik. Demnach soll der Anspruch auf Schuldnerberatung für Erwerbstätige im Sozialgesetzbuch festgeschrieben werden. Sozialhilfeleistungen müssten bedarfsgerecht gestaltet und die einmaligen Leistungen für Reparaturen und Anschaffungen wie Waschmaschinen und Kühlschränke wieder eingeführt werden; diese wurden im rahmen der Hartz-Reform abgeschafft. Wichtiges Thema sei auch die Schuldner- und Budgetberatung bei Altersarmut, für die zusätzliche finanzielle Mittel gebraucht werden. Zudem müsse man die Höhe des gesetzlichen Mindestlohns regelmäßig überprüfen. „Der vorenthaltene Lohn schreit zum Himmel“, zitierte Helmer aus der Bibel.

Sozialreferent Stefan Kiefer unterstrich die Forderungen und betonte, es sei ein Skandal, wenn Arbeit nicht zum Leben reicht. Die Armutssituation sei in den Stadtteilen unterschiedlich, in manchen aber ganz massiv. AZ

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