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Augsburg

28.02.2019

Viele waren für Volksbegehren, wollen aber keine Blühwiesen unterstützen

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Bienen, Hummeln und viele andere Insekten sollen von Blühwiesen profitieren – mehrere Landwirte aus der Region Augsburg haben daraus nun ein Geschäftsmodell entwickelt.
Bild: Stefan Häfele (Symbolbild)

Mit Bienenweiden wollen die Landwirte in Augsburg und der Region einen Beitrag zur Rettung der Bienen leisten. Die Nachfrage ist relativ groß. Es gibt aber Kritik.

Junglandwirt Andreas Burkhardt, 20, will es wissen. In Augsburg und dem Umland haben besonders viele Menschen beim Volksbegehren „Rettet die Bienen“ unterschrieben. Aber wie viele Bürger sind bereit, selbst Geld in die Hand zu nehmen und Landwirte zu finanzieren, die auf ihren Äckern blühende Bienenweiden statt Monokulturen mit Mais anlegen?

Burkhardts Familie betreibt im Augsburger Stadtteil Lechhausen eine kleine Landwirtschaft im Nebenerwerb. Nach dem Krieg hatte dieser Bauernhof mit rund zwölf Hektar eine normale Größe, sagt Andreas Burkhardt, heute sei er zu klein, um davon zu leben. Die Landwirtsfamilie betreibt deshalb noch einen wesentlich größeren Hof bei Burgau.

Bienen retten - gegen Gebühr

In Augsburg will Burkhardt nach dem Volksbegehren für mehr Artenvielfalt nun aber ein Angebot für Bürger machen: Am Stadtrand in Richtung Friedberg hat er einen Acker, der normalerweise mit Mais bepflanzt worden wäre. Stattdessen soll dort eine große Bienenweide entstehen – wenn sich genügend Paten finden, die mitmachen. Interessenten können bei ihm blühende Parzellen zwischen 20 und 500 Quadratmetern finanzieren, zu einem Preis zwischen 15 und 149 Euro.

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Der Augsburger Junglandwirt und Student der Agrarwissenschaften ist nicht der Einzige in der Region mit einem solchen Angebot. Zahlreiche Bauern haben dieses Geschäftsmodell für sich entdeckt: Ein Großaitinger Landwirt will die Bienen retten – gegen Gebühr: Für einen Euro legt Johannes Mayr einen Quadratmeter Blühwiese an. Er selbst gibt für jeden Ein-Euro-Blütenteppich einen weiteren Quadratmeter dazu.

Markus Brem, Landwirt in Hirblingen und Freie-Wähler-Politiker, plant Gleiches. Bei ihm kostet der Quadratmeter 50 Cent. Mindestmenge sind allerdings 20 Quadratmeter für zehn Euro. Brehm wirbt zudem mit dem Augsburger Bienenzertifikat und verspricht Mengenrabatt ab 100 Quadratmetern. Auch Bauern aus dem Wittelsbacher Land und im Raum Schwabmünchen bieten Modelle mit Blühstreifen an.

In der Stadt Augsburg haben beim Volksbegehren „Rettet die Bienen“ über 20 Prozent der Bürger unterschrieben, im Kreis Aichach-Friedberg waren es fast 21 Prozent und im Landkreis Augsburg sogar 22 Prozent. Mit dem Begehren sollen vor allem auch Landwirte in die Pflicht genommen werden, mehr gegen das rasant fortschreitende Artensterben zu tun.

Bienenweiden: Nachfrage relativ groß

Andreas Burkhardt in Augsburg ist bereit, mit neuen Bienenweiden auf seinem Maisacker einen Beitrag zu leisten. Er hofft aber, dass sich noch mehr Interessenten melden. Bislang hätten rund 40 Leute eine Parzelle bei ihm bestellt, sagt er, maximal könnte er jedoch 500 Interessenten versorgen. Insgesamt scheint die Nachfrage bei Landwirten in der Region allerdings recht groß zu sein. Mit 2729 Euro verzeichnete das Spendenkonto für Blühwiesen des Geflügelhofes Mayr aus Großaitingen am Dienstag einen Stand, der Initiator Johannes Mayr zufrieden stimmt.

Durch die vom Hof versprochene Verdoppelung der Blühwiesenfläche sind jetzt mindestens 5,5 Hektar gesichert. Mayr zufolge gingen Spenden von Bürgern und Firmen ein, die Spitzenspende über 1000 Euro sei aber von einer Privatperson gekommen. Auch bei den Landwirten Andreas und Barbara Karl in Kühbach fällt die erste Bilanz positiv aus. Sie sprechen von 70 bis 100 festen Interessenten, die eine Bienenweide finanzieren wollen. Die Blühwiese habe sich zu einer Öko-Geschenkidee entwickelt. Das Landwirtspaar hat seine erste vorgesehene Blühfläche damit voll, eine weitere soll folgen.

Kritiker vermuten Geschäftemacherei mit Bienenweiden

Inzwischen gibt es aber nicht nur engagierte Bürger, die zusammen mit Bauern mehr für die Artenvielfalt tun wollen. Es melden sich auch Kritiker zu Wort, die Landwirten Geschäftemacherei vorwerfen. Junglandwirt Andreas Burkhardt kennt die Kritik. Er räumt ein, dass mit Bienenweiden mehr Geld pro Quadratmeter zu verdienen ist als mit üblichen Feldfrüchten. Allerdings sei der Aufwand für Werbung und Vermarktung deutlich höher und das Saatgut für Blühstreifen auch nicht billig. „Warum darf ein Landwirt nicht mehr verdienen, wenn er eine kreative Idee hat?“, fragt der 20-Jährige.

Anders sieht man die Sache bei Unternehmen, die sich ebenfalls im Bereich der Artenvielfalt engagieren. Im Landkreis Augsburg gibt es das Kies- und Sandwerk Thaler. „Durch den Kiesabbau in Gablingen haben auch wir einige Ackerflächen, die wir durch Landwirte bewirtschaften lassen“, schreibt Lisa Thaler von der Geschäftsleitung. Schon im vergangenen Jahr habe man einen Acker mit 2,5 Hektar vorbereitet, um dort in Zusammenarbeit mit einer Expertin eine mehrjährige Blütenwiese für Insekten anzulegen.

Durch die Berichterstattung der letzten Tage und Wochen stehen nach Thalers Eindruck jedoch die Aktivitäten von Landwirten im Vordergrund, die auch von „Profitgier“ angetrieben seien. „Wir erstellen unsere Blütenwiese nur für die Insekten und verlangen keine Miete, die dann bei den Mietern nur für ein gutes Gewissen sorgen soll“, so Thaler. Zudem sei die Firma seit Jahren für den Artenschutz tätig und habe einen Vertrag mit dem Landesverband für Vogelschutz abgeschlossen. Denn nicht nur den Bienen gehe es schlecht. (mit cf, cli und bol)

Lesen Sie dazu auch: Wie Augsburg beim Artenschutz eine Vorreiterrolle spielen kann

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