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Jakober Kirchweih

25.07.2019

Vielfältiges Programm – Besuch ausbaufähig

Bei der Jakober Kirchweih konnte man an unterschiedlichen Orten in unterschiedlicher Atmosphäre feiern. Hier lauschen Besucher am Jakobsbrunnen italienischen und spanischen Gitarrenklängen. Es gab nirgendwo Besuchermassen, aber die Organisatoren waren zufrieden und wollen ihr Konzept beibehalten.
Bild: Peter Fastl

Als Stadtteilfeier zieht das älteste Volksfest in Augsburg keine Massen mehr an, aber die Veranstalter haben dem Programm bewusst neue Schwerpunkte gegeben und nehmen dafür bescheidenere Besucherzahlen in Kauf

Ein vielfältiges und lebendiges Bild hat die Jakober Kirchweih an ihrem ersten Wochenende geboten: Pilger bewegten sich zur St.-Jakobs-Kirche und zum Rathaus, Geschäfte in der Jakoberstraße boten Sonderaktionen, um die Kirche herum saßen Besucher bei Grillwurst und Bier unter Sonnenschirmen oder bei Kaffee und Kuchen in der Kirche, Flohmarktbesucher konnten im Hof der methodistischen Kirche am Lauterlech stöbern und feilschen. Es gab interessante Themenführungen und ein Musikprogramm. Großer Andrang herrschte allerdings trotz des attraktiven Programms nicht, wofür es mehrere Gründe gab.

Verantwortlich wurden vor allem die hochsommerlichen Temperaturen gemacht, denen man allein in der Kirche entgehen konnte. Eine Rolle dürften auch zahlreiche Konkurrenzveranstaltungen gespielt haben: die Augsburger Wassertage, die Friedberger Zeit, das Fest zum 80. Geburtstag von Helmut Haller und einige weitere Stadtteilfeste, die der Jakobervorstadt die Besucher streitig machten. Die Veranstalter der Jakober Kirchweih, die Kirchen St. Jakob, St. Max und die Methodisten sowie der Stadtteilverein, sind aber darüber hinaus derzeit mit weniger Besuchern zufrieden, da man in den vergangenen Jahren den Charakter des Fests gezielt verändert hat.

Allerdings erinnerte Kirchenvorstand Bodo Fargeon von St. Jakob daran, dass früher, als die Jakoberstraße und der Jakobsplatz weiträumig abgesperrt waren und ein großes Festzelt aufgestellt war, auch mitunter der Eindruck der Leere entstanden sei. Im Gegensatz dazu sollten nun die Pilgerkultur und die Ökumene gepflegt werden. Die Gottesdienste seien am ersten Wochenende voll gewesen, im Café Jakob in der Kirche habe am Sonntag vier Stunden lang Hochbetrieb geherrscht. Gut war in seinen Augen auch, dass die Kirche für alle geöffnet war; es hätten sich viele Kontakte ergeben - und sogar ein Taufgespräch stattgefunden. St. Jakob wolle das Fest in dieser Form auf jeden Fall fortführen. Ähnlich sah es auch der methodistische Pfarrer Wolfgang Bay.

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Ihm war wichtig, dass seine kleine Gemeinde bei der Jakober Kirchweih an die Öffentlichkeit gehen könne, und mit dem Besuch des Benefizflohmarkts (zugunsten eines Hilfsprojekts in Liberia) war er zufrieden. Es komme auch zum Tragen, dass die Jakobervorstadt ein internationaler Stadtteil sei. Durch die Wiederbelebung der Jakobsinseln habe man das unterstrichen.

Pfarrer Florian Geis von St. Max beteiligte sich zwar an den Gottesdiensten, aber nicht am weiteren Festprogramm. Das wurde ihm aber nachgesehen, da er für vier Pfarreien zuständig ist. Sein Vorgänger Hubert Ratzinger war treibende Kraft bei der Wiederbelebung der religiös geprägten Jakober Kirchweih gewesen.

Ein verkaufsoffener Sonntag in dem Viertel wird vorerst nicht genehmigt, aber sieben Geschäfte entlang der Jakoberstraße sprachen am Samstag die Festbesucher durch besondere Aktionen an. Tugce Aksoy, Verkäuferin bei „Sirin Baklava“, sagte, der Tag sei für sie „wie immer“ gewesen. Trotzdem fand sie es eine schöne Sache, beim Fest mitzumachen; das könne sie sich im nächsten Jahr auch vorstellen.

Tanja Svoboda vom Bastelbedarfsgeschäft Rayher, erst kürzlich von der Maxtraße hierher umgezogen, berichtete dagegen, ein paar Leute seien durchaus da gewesen, um Schachteln mit buntem Papier zu bekleben und anschließend mit nach Hause zu nehmen. „Wir fanden es super-gut“, schwärmte sie. Der Laden sollte aber doch wie sonst um 16 Uhr geschlossen werden, nachdem man zunächst an eine verlängerte Öffnung bis 18 Uhr gedacht hatte.

Unzufrieden war Angelika Jeschek von „Angy’s Haferl“, einem Laden „für die schönen alten Dinge“. Sie spielte Grammofonmusik, aber das habe niemanden interessiert. Wichtiger als solche Aktionen wäre ihr, wenn mehr darauf geachtet würde, die Straße sauber zu halten. Man sei hier schließlich in der direkten Umgebung des Touristenmagneten Fuggerei. In manchen Toreinfahrten seien aber nachts Ratten zu beobachten, klagte sie.

Ein zuverlässiger Höhepunkt im Programm war wieder der Jakobuslauf. Laut Mitveranstalter Simon Marschall machten rund 500 Lauffreudige mit, darunter 300 Schüler ab Klasse 3. Beim Jakobuslauf ist, ähnlich wie beim Wallfahren, der Weg das Ziel, und jeder Teilnehmer erhielt eine Urkunde, egal, ob er sportlich oder eher gemächlich unterwegs war. Mithilfe einer Digitaluhr im Ziel konnte jeder Läufer selbst ermitteln, wie lange er für den Viertelmarathon am Lech entlang oder eine kürzere Distanz gebraucht hatte. Zu Beginn des Laufs wurde der langjährige Sponsor Adolf Rennig geehrt.

Das Stadtteilfest geht noch bis Sonntag, 28. Juli. Unter anderem tritt am Samstagabend, 20 Uhr, in der Kirche St. Jakob der bekannte Gitarrist Dimitri Lavrentiev auf. Das gesamte restliche Programm ist unter www.jakober-kirchweih.de zu finden.

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