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Mozart@Augsburg

16.09.2017

Vier Solisten voller Sprengkraft

Bestens aufeinander eingespielt: das Quatuor Ebène.
Bild: Wolfgang Diekamp

Das französische Ebenholzquartett riss zu Jubel hin. Brillant legen diese Spitzenmusiker Farben und Kontraste frei

Allein das bezwingende Programm – ausschließlich Spätwerke – steckte voller Dichte und Vielfalt, legte Farben und Kontraste frei. Voller Impetus und virtuosem Edelschliff steckte das französische Quatuor Ebène (Ebenholzquartett) beim Festival Mozart@Augsburg im Kleinen Goldenen Saal einen Radius ab, um dann mit meisterlichem Stilempfinden und fein austarierter Klangkultur weite Kreise zu ziehen. 1999 hatte sich das Ensemble zusammengefunden, fünf Jahre später gewannen die vier den internationalen ARD-Musikwettbewerb und stiegen in die Weltspitze auf.

Schon Haydns „Quintenquartett“ op.76/2 barg Zündstoff. Der archaische Quintfall zu Beginn führte fulminant zur Polyfonie: hier strenge Motivbindung, dort kontrapunktische Vielfalt. Welch ein packendes Kraftfeld, das Quatuor Ebène permanent verdichtete! Aus der Stille heraus geriet das liedhafte Andante zu einem Lichtblick, dämonisch zielten die Streicher auf das Menuett ab. Mollfinster zündete die Melodik, trotzig und düster behauptete sich dieser höfische Tanz. Als Pointe im Finale schlug das ungarische Flair triolenbewegt in Jubel um.

Sein Streichquartett e-Moll zeigte Gabriel Fauré als Meister der Innerlichkeit und Versenkung. Es bestach sein phänomenaler Klangsinn für Farbe und Licht. Auch hier brachte Quatuor Ebène Brisanz ins Spiel: Erregend war, wie versiert es die Klangfarben auftrug, die aus dunklem Timbre aufstiegen. Gregoire Vecchionis sonorer Bratschenton – voll engagiert ersetzte er Adrien Boisseau – ließ aufhorchen, wurzelte in Raphael Merlins feinfühlig aufklingender Cellokunst. Die mediterran schattierte Helligkeit der Violinen führte in eine Transparenz, die diese drei Sätze ausprägte: faszinierend die nahtlosen und lupenreinen Wechsel von Pierre Colombets 1. Violine zu Gabriel Magadures 2.Violine. So bestach Faurés letztes Werk als geschliffenes Klangjuwel.

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Erklingt Beethovens Streichquartett op. 130 in originaler Fassung mit der großen Fuge, werden Grenzen überschritten. Voller Sprengkraft sollte Quatuor Ebène das Profil dieses genialen Feuer- und Querkopfs schärfen: Die vier beschworen eine Größe herauf, die zeigt, wie kompromisslos sich hier Musik zuspitzt. Konsequent bändigten zuerst die Takt- und Zeitwechsel die Kraft des Allegro-Flusses, vom Ebenholzquartett subtil ausdifferenziert. Atemlos entpuppte sich das Presto als gespenstischer Scherzo-Spuk, während das Quartett im Andante die goldene Mitte zwischen Scherzando und Lyriktiefe fand. Darauf riss der Elan des deutschen Tanzes vom Hocker, ehe die berührende Cavatine Sphärengesang verströmte. Das Quartett spannte die Bögen, die Schlussfuge geriet zu einem Kraftakt par excellence, der die Instrumente bedingungslos bis zur Randlage auseinandertrieb und zu einem exzentrisch brüsken Klangbild führte. Ovationen, Blumen, keine Zugabe, man war sprachlos.

Im Liliom läuft am Samstag, 19 Uhr, und Sonntag, 11 Uhr, Daniel Kutschinskis Dokumentarfilm „4“ über das einzigartige Quartett.

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