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Augsburg

24.09.2013

Volker Ullrich: Der steinige Weg in den Bundestag

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2 Bilder
Morgens lag das Wahlplakat von Volker Ullrich noch am Boden.
Bild: Michael Hörmann

Er stand schon kurz vor dem politischen Aus. Doch Volker Ullrich kämpfte sich stets wieder zurück, schloss Frieden mit dem Augsburger OB - und zieht jetzt in den Bundestag ein.

„Steh auf, wenn du am Boden bist“, heißt ein Song der Düsseldorfer Kult-Band „Die Toten Hosen“. Das Lied könnte für Ullrich geschrieben sein. Der CSU-Politiker, der jetzt in den Bundestag einzieht, stand in den zurückliegenden Jahren immer wieder vor dem politischen Aus – teils selbst verschuldet durch überzogenen Ehrgeiz.

Manche Beobachter sahen Ullrich politisch am Ende. Der frühere Bezirksvorsitzende der Jungen Union (JU) ging seinen Weg, räumte eigene Fehler ein und warb um Vergebung bei den Parteifreunden. Es gab Momente, da wollte fast keiner mehr auf Ullrich setzen.

„Ich habe einen langen Atem und bin konsequent“, sagt Ullrich heute über sich selbst. Auch wenn viele nicht mehr daran glauben wollten, dass Ullrich die Kurve kriegt – einer tat es immer: Ullrich selbst.

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Die Liste seiner Auftritte, die ihm parteiintern Ärger einbrachten, ist lang. 2008 wurde der parteilose Oberbürgermeister-Kandidat Kurt Gribl überraschend zum Rathauschef gewählt. Ullrich glaubte, dass er für diese Spitzenposition besser geeignet sei.

Das politische Zusammenspiel von Gribl und Ullrich war schwierig. Die beiden trauten sich nicht über den Weg. Gribl wollte Andreas Bubmann zum Wirtschaftsreferenten machten, Ullrich hatte eigene Ambitionen. Ullrich forderte Bubmann in einer Kampfabstimmung heraus – zum Ärger Gribls. Ullrich verlor. Bubmann wurde Referent, gab aber nach einiger Zeit auf.

Es folgte die nächste Auseinandersetzung Ullrichs mit einem Referenten, der von OB Gribl mit ins Amt gehievt wurde. Ordnungsreferent Walter Böhm stand bei Parteifreund Ullrich schwer unter Beschuss. Das Ganze führte so weit, dass CSU-Mann Ullrich kurz vor dem Rausschmiss aus der Stadtratsfraktion stand. Nur dank der Fürsprache des Fraktionsvorsitzenden Bernd Kränzle durfte er bleiben. Der Jurist und Diplom-Kaufmann gab sich geläutert.

Ullrich sah sich allerdings auch in diesem Fall bestätigt. Böhm hörte als Referent auf. Dies war die Chance für Ullrich, der sich in der Augsburger CSU die notwendige Rückendeckung holte, nun doch in die Position eines Referenten zu rücken. Gribl konnte dies nicht verhindern. Ullrich wurde zum Ordnungsreferenten gewählt. Seit 1. Juli 2011 ist er im Amt. Und er macht seinen Job hervorragend, das bestätigt auch Gribl.

Was mancher nicht zu denken wagte, ist eingetreten. Ullrich und Gribl sind sich näher gekommen. Es herrscht eine Loyalität, die in der Anfangsphase nie zu erkennen war.

Ullrich arbeitete unabhängig von seinem Referentenposten an der eigenen politischen Karriere. Irgendwann war ihm klar geworden, dass er nicht an OB Gribl vorbeikommt. Ullrichs Blick ging nach Berlin: Er wollte Bundestagsabgeordneter werden und den langjährigen Abgeordneten Christian Ruck ablösen. Der stellvertretende Bezirksvorsitzende Ullrich hatte in diesem Fall die Unterstützung von führenden CSU-Vertretern. Parteichef Johannes Hintersberger, Fraktionschef Bernd Kränzle und Kreischef Rolf von Hohenhau zählen zu den Förderern Ullrichs.

Ruck zog zurück. Ullrich musste sich parteiintern gegen den Umweltreferenten Rainer Schaal behaupten. Es wurde knapp. Mit 82:75 Stimmen siegte Ullrich. Der Weg nach Berlin war geebnet.

Selbst ein Fauxpas, den sich Ullrich erlaubte, konnte ihn nicht mehr aufhalten. Er erstattete Strafanzeige gegen einen Nutzer des Internetforums unserer Zeitung, was letztlich eine Beschlagnahme-Aktion der Polizei und bundesweite Schlagzeilen zur Folge hatte. Als Ullrich von der Empörungswelle überrollt wurde, verfolgte er die Angelegenheit schnell nicht mehr weiter.

Seit Sonntag gilt Ullrich als starke Kraft in der Augsburger CSU. Nicht wenige Beobachter rechnen damit, dass der künftige Bundestagsabgeordnete nach dem Augsburger Parteivorsitz greifen wird. Landtagsabgeordneter Hintersberger, 59, wurde erst kürzlich für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt. 2015 wird wieder gewählt. Ist dann die Zeit reif für Ullrich? Er ist zumindest in der CSU aufgrund seiner jahrelangen Netzwerkarbeit fest verankert – weit mehr als OB Gribl.

Dass die Toten Hosen nicht nur für Ullrich ein musikalischer Wegbegleiter sind, zeigte sich am Sonntagabend in Berlin: Bei der Siegesfeier der Union mit Kanzlerin Angela Merkel gab es einen anderen Hit zu hören: „An Tagen wie diesen“.

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