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Augsburg

14.11.2018

Volkstrauertag weckt Sehnsucht nach Frieden

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Wo sich am kommenden Sonntag die Lechhauser zu einem Gedenkgottesdienst zum Volkstrauertag versammeln, sah es nach der Bombennacht im Februar 1944 wüst aus. Ein einsamer Mann fegt den Schutt aus dem ehemaligen Kirchenschiff von St. Pankratius.
Bild: Sammlung Häußler

Die Teilnehmer an den Gedenkveranstaltungen für Kriegsopfer werden weniger. Wie jungen Menschen die Tradition vielleicht wieder näherzubringen ist. 

Der Volkstrauertag ist für Johannes Hintersberger „ein Mahntag“. Am kommenden Sonntag wird der CSU-Landtagsabgeordnete deshalb am Kriegerdenkmal in der Lechhauser Widderstraße das Augenmerk darauf richten, dass er „nichts, aber auch gar nichts“ an Aktualität eingebüßt hat. In Anbetracht all der gewalttätigen Auseinandersetzungen, die zeitgleich stattfinden, müsste sich seiner Ansicht nach eine umso größere Dankbarkeit unter den Teilnehmern breitmachen. Dankbarkeit darüber, dass hierzulande über 70 Jahre lang Frieden herrscht.

Die alle Jahre wiederkehrende Diskussion um die Notwendigkeit des Volkstrauertages erzürnt Johannes Hintersberger regelrecht. Dass er in eine zeitgemäßere Form gebracht werden sollte, darüber lässt er mit sich reden. Auch der Lechhauser Politiker würde sich wünschen, dass sich mehr Schulen an der Ausrichtung und Gestaltung beteiligen. „Aber wünschen“, so Hintersberger, „kann man sich viel.“ Darauf verzichten zu wollen, hält er trotzdem „für grundfalsch“. Und damit es nicht beim Wünschen allein bleibt, stellt der Politiker für die fünf Lechhauser Schulen 500 Euro in Aussicht, um gute Ideen zum Volkstrauertag zu unterstützen. Das könne eine Klassenfahrt zu einer KZ-Gedenkstätte ebenso sein wie die Einladung eines Zeitzeugen oder die Pflege eines Kriegsgrabes. Beantragt werden könne ein Zuschuss unbürokratisch in seinem Büro.

In Schutt und Asche

Erst vor Kurzem hat Hintersberger beim 875. Geburtstag von St. Pankratius im neuen Kirchenführer Bilder gesehen, wie die Kirche einmal aussah, als sie nach der Bombennacht im Februar 1944 in Schutt und Asche lag. Die Erinnerung an die Folgen von Krieg, die Zerstörung und das daraus resultierende Leid dürfen seiner Meinung nach niemals vergessen werden.

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Pfarrerin Katharina Beltinger von der evangelischen Nachbargemeinde St. Markus sieht die „immer kleiner werdende Zahl der Teilnehmer“ als Indiz dafür an, dass eine Mehrheit – auch wegen mangelnder Erfahrungen – mit dem Tag nichts mehr anzufangen weiß. Der Volkstrauertag in seiner traditionellen Form, sagt sie, tue sich sehr schwer, seine Geschichte des Missbrauchs durch den Nationalsozialismus hinter sich zu lassen und zu einem zeitgemäßen Tag des Gedenkens zu werden. Dennoch ist sie davon überzeugt, dass dieser Tag wichtig ist und denen, die kommen, nicht genommen werden darf.

Sie selbst beteiligt sich auf Anfrage durchaus an Volkstrauertagen, wenn auch mit zwiespältigen Gefühlen. Die Ansprachen am Lechhauser Kriegerdenkmal bieten ihr dennoch die Gelegenheit, daran zu erinnern, dass an vielen Orten der Erde Krieg herrscht, dass Menschen sterben oder auf der Flucht sind und Sehnsucht nach Frieden haben. Katharina Beltingers Fazit: „Das muss immer wieder gesagt werden, wo auch immer und wann auch immer und ganz besonders am Volkstrauertag.“ Wünschen würde sich die Pfarrerin eine Veranstaltung, die vor allem den Willen zum Frieden, die Ächtung von Waffen und eine gerechte Verteilung des Reichtums betont. Kein Mensch auf der Welt solle mehr vor Krieg, Gewalt und Armut flüchten müssen.

Mit unbeschreiblichem Leid verbunden

Einer derjenigen, die den Volkstrauertag nicht missen möchten, weil mit ihm ein Stück Erinnerungskultur unwiederbringlich verloren ginge, ist Robert Walterham von der Soldatenkameradschaft Kriegshaber. „Die Opfer von Gewalt und Terror“, sagt der Vorsitzende, „sind uns Verpflichtung.“ Schließlich würden sie daran erinnern, dass mit Hass, Gewalt und Krieg unbeschreibliches Leid verbunden sei. Sie mahnen die Lebenden seiner Meinung nach, für eine friedliche Zukunft zu sorgen. Wer die letzten Kriegsjahre erlebt habe, müsse sich dieser Verantwortung stellen.

Auch auf dem Gögginger oder dem Haunstetter Friedhof, in den Kirchen St. Peter und Paul und Hlgst. Dreifaltigkeit wird in diesem Sinne am kommenden Sonntag innegehalten. Herbert Alfred Seemüller und Charlotte Schweitzer sowie Hannes Breitenwieser vom Veteranen- und Soldatenverein halten die Tradition am Leben. Herbert Götz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, ist davon überzeugt, dass es die vielen Krisengebiete auf der Welt notwendiger denn je machen, den Volkstrauertag zu begehen. Und es gibt Momente, da kehrt der Terror oder die Gewalt in die Gegenwart zurück. Sei es bei einem Gewaltakt auf dem Weihnachtsmarkt oder bei einer Schießerei in Augsburgs Stadtwald, bei der ein Polizist sein Leben lassen musste.

Auch wenn Johannes Hintersberger bei seiner Ansprache am Kriegerdenkmal auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft um Werner Mordstein kein Manuskript zur Hand nimmt, so weiß er doch, welche drei Aspekte in seiner Rede vorkommen werden. Zum Ersten sei das die Erinnerungskultur als das Grundsätzliche. Dann werde er mit Sicherheit darüber sprechen, welch große Leistung Europa bei der Friedensarbeit seit dem Zweiten Weltkrieg geleistet hat. Und der Kriegsgräberfürsorge will er Respekt zollen, deren Einsatz vor allem in Osteuropa und Russland nicht hoch genug eingeschätzt werden könne.

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