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Vereinsleben

11.07.2019

Vom Blitzgedanken zum Faschingsverein

Diese historische Aufnahme vom ersten Faschingsball der Hollaria 1968 zeigt Rosi Schönfelder (Mitte) mit ihrer Tochter Ursula als Prinzessin.
Bild: Sammlung Schönfelder

Die ungewöhnliche Geschichte der Hollaria wird in einem Dokumentarfilm erzählt. Zu den Gala-Stargästen zählten einst Dieter Thomas Heck und Jürgen Drews

Augsburg zählt bekanntlich nicht zu den Faschingshochburgen in Bayern. Dennoch hat die inoffizielle fünfte Jahreszeit in der Stadt lange Tradition. Im Jahr 1370 wurde Fasching in Augsburg erstmals namentlich erwähnt – auf einer Rechnung eines Baumeisters. Damit diese Tradition fortgesetzt wird, hat Rosi Schönfelder vor 51 Jahren den Augsburger Faschingsverein Hollaria gegründet. Was am Anfang mit der achtköpfigen Tanzgruppe Lechnixen im Kleinen begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer der bedeutendsten Faschingsgesellschaften in Augsburg und Schwaben. „Hollaria ahoi“ ist bis heute der Schlachtruf des Vereins.

Im Holzerbau in Hochzoll wurde jetzt ein Film über die Hollaria vorgeführt; die Sudetendeutsche Landsmannschaft, Ortsgruppe Augsburg-Hochzoll, hatte dazu eingeladen. Die Dokumentation des Filmemachers und aktiven Hollaria-Mitglieds Thomas Girscht zeigt in knapp 70 Minuten die Geschichte des Vereins. Der Film entstand vor einem Jahr zum 50-jährigen Jubiläum der Hollaria. Abwechselnd kommen Zeitzeugen zu Wort, und es werden Aufnahmen früherer Veranstaltungen gezeigt, etwa von Galaabenden mit Stargästen wie Dieter Thomas Heck oder Jürgen Drews. Zu den Highlights gehört die Reise zum Vatikan oder ins Berliner Bundeskanzleramt.

Die 94-jährige Rosi Schönfelder folgte der Dokumentation mit einem strahlenden Lächeln. Sie selbst, so erzählt sie nach der Vorführung, komme aus Karlsbad im Sudetenland, heute Karlovy Vary in Tschechien. In der Jugendzeit fand sie die Liebe zum Fasching: „Wir sind immer maskiert in die Schule gegangen. Fasching wird in meiner Heimat groß gefeiert.“ Als es sie nach Augsburg verschlagen hatte, kam ihr nach einigen Jahren die Idee zur Gründung eines Faschingsvereins. „Es war ein Blitzgedanke, eigentlich wollte ich etwas für die Jugend tun.“ Ihr sei wichtig gewesen, dass sich junge Menschen in einem Verein organisieren. Rosi Schönfelder selbst war jahrelang Mitglied beim Augsburger Turnverein. Der Wunsch einer eigenen Faschingsgarde kam also nicht von ungefähr.

Schnell erlangten die Tanzgruppen der Hollaria große Beliebtheit in der Region, unter anderem mit ihren spektakulären Hebefiguren. Auch der Bayerische Rundfunk ist seit einigen Jahren von den Qualitäten der Hollaria überzeugt, lädt die Tanzgruppen immer wieder zu Fernsehauftritten in der Faschingszeit ein. Rosi Schönfelders spontaner Gedanke hat sich zu einer regelrechten Augsburger Erfolgsgeschichte entwickelt. Mit Stolz blickt die Vereinsgründerin auf das große Engagement der heute aktiven Mitglieder. „Ich gehe immer noch mit großer Freude auf die Faschingsbälle, nur tanzen kann ich nicht mehr“, sagt die 94-Jährige und lacht.

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