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mozart@augsburg

04.09.2017

Vom Gewitter- zum Jubelsturm

Gastierten am Freitagabend zur Festival-Eröffnung in Augsburg: Pianist und Dirigent Stefan Vladar mit seinem Wiener Kammerorchester.
Bild: Wolfgang Diekamp

Zur Eröffnung gelingt Festival-Leiter Sebastian Knauer mit virtuosen Gästen aus Wien ein Gesamtkunstwerk

Es gibt viele Möglichkeiten des Schlusses: den überraschenden, abrupten Schluss, das mildernde Nachfedern, das pompöse, gewichtige Ende oder den verfliegenden Schlussakkord. Alle waren sie zu hören in der gut besuchten Evanglischen Ulrichskirche bei der Eröffnungsgala zu „mozart@augsburg KV 2017“ am Freitagabend – das hatte Festival-Geschäftsführer Johannes Boecker in seinen Eingangsworten zu Recht versprochen.

Gespielt wurde ein reines Salzburger Programm, denn alle drei Werke hatte Wolfgang Amadeus Mozart während seiner Salzburger Zeit komponiert – noch vor der unglücklichen Paris-Reise mit der Mutter. Als die Sinfonie A-Dur (KV 201) entstand, war der Komponist erst 18 Jahre, eine geradezu anbetungswürdige Leistung. In dieser Sinfonie klingt es nach Sturm und Drang, „der neue Geist dokumentiert sich in allen Sätzen“, so Musikwissenschaftler Alfred Einstein, und der vierte Satz wirkte wie ein Gewittersturm im Salzburger Land: Mehrmals an diesem Abend schien es, als habe Mozart Alpenländisches und seine Naturgewalten vertont. Auch in den beiden Klavierkonzerten gab es solche Passagen – den Interpreten gilt dabei die Ehre, dass die Musik so plastisch-verständlich gespielt wurde.

Das vollbrachten der Festivalleiter Sebastian Knauer mit dem gastierenden Pianisten und Dirigenten Stefan Vladar und dessen Wiener Kammerorchester. Und ihr Spiel begeisterte. Das Konzert für zwei Klaviere und Orchester hatte Mozart ursprünglich als sogenanntes „Lodron-Konzert“ für derer drei komponiert, es aber dann selbst umgeschrieben. Beim Vortrag an diesem Abend in Augsburg beeindruckte es durch die Genauigkeit, mit der die beiden Pianisten zusammenspielten – was hier kein Leichtes ist! Zudem Stefan Vladar noch vom Flügel aus dirigierte. Die Leitung eines klassischen Konzertes vom Solisten entspricht dem historischen Original, und es hat Sinn, dass etwa beim ARD-Musikwettbewerb derzeit im Semifinale das Mozart-Konzert vom jeweiligen Kandidaten geleitet wird. Denn so wird im besten Falle – etwa an diesem Freitag – ein Gesamtkunstwerk daraus.

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Wie im Gemälde rückt mal die Solo-, mal die Orchesterstimme in den Hintergrund, beide verschmelzen zu einem gemeinsamen Musikgeschehen. Besonders intensiv war das im „Jenamy-Konzert“ (KV 271) zu erleben. Hier klangen sich Mozart und der frühe Beethoven sehr nahe. Geschrieben wurde es wohl für die junge Virtuosin Louise Victoire Jenamy – und sie muss ausgezeichnet gespielt haben, denn der Klavierpart ist schwer.

Nicht unbedingt historisch orientiert, aber dennoch stilgerecht rokokohaft licht und schwerelos spielte Stefan Vladar, mit meisterlicher, sicherer Virtuosität und enorm noblem Spiel, beherrschtem, nuancenreichem Anschlag und samtigem Ton gesegnet. Seine Interpretation bannte die Zuhörer, ebenso galt das für den Dirigenten Vladar und sein Orchester: Gerade in der Sinfonie entfalteten die Musiker ihre Wandlungsfähigkeit, ihre Differenziertheit und den hellen, durchsichtigen Klang, der die gleichzeitigen Entwicklungen durchscheinen ließ. Starker Jubel, viele Bravi – und das völlig zu Recht.

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