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09.11.2008

Vom Schlager bis zum Psalm

"Vieles gibt es schon in Israel, aber nicht alles. Was könnte ich meinem Land mehr wünschen als Frieden." Mimi Sheffer kam mit einer klaren Botschaft in die Augsburger Synagoge: Von Liebe und Frieden wollte sie singen, von Braut und Bräutigam, vom Hohelied der Liebe. Und sie begann mit einer Komposition jenes Paul Ben-Haim, der von 1924 bis 1931 die Augsburger Oper dirigiert hatte - bevor er vor den Nazis nach Israel floh und dort eine neue, moderne musikalische Sprache entwickelte. Und schon in diesem ersten Stück zeigte sich die enorme Ausdruckskraft sowohl der Sopranistin wie auch der Kompositionen, die sie zu Gehör brachte.

Die Verantwortung, die Musik weiterzugeben

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Die israelische Kantorin hatte nicht nur Friedensgebete und nicht nur komplizierte Kompositionen im Gepäck - auch Volkslieder präsentierte sie, und auch das von ihr als "Schlager" titulierte "LeDor VaDor" - zu deutsch: "von Generation zu Generation". Der Titel gerade dieses Stückes spreche ihr aus dem Herzen, erklärte sie und sprach von der Verantwortung, "diese wunderschöne Musik weiterzugeben, auch wenn uns so viele Generationen fehlen."

Die Tradition war ein weiterer Schwerpunkt des Konzerts. So gab es eine Vertonung des 100. Psalms von J.F. HaLevy, die eher wie eine Opernarie von Donizetti klang. Und "Shalom Aleichem" führte die Sängerin in zwei Versionen vor - der traditionellen zum Mitsingen, und einer weniger bekannten, die sie von ihrem Großvater lernte.

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Begleitet wurde Mimi Sheffer an Orgel und Klavier von Mirlan Kasymaliev. Vor allem die Orgel hat sich mit dem Reformjudentum vor etwa 150 Jahren als Begleitinstrument in den Synagogen durchgesetzt - für die Orthodoxen war der Tempel noch ein "Ort der Trauer". Der Österreicher Salomon Sulzer, von dem Mimi Sheffer einen "Segen" vortrug, war einer der ersten, der für den jüdischen Gottesdienst komponierte.

Heute wird in den jüdischen Gottesdiensten gesungen, wenngleich das von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich gehandhabt wird: "Manche Gemeinden singen viel und gerne, manche hören lieber zu." In beiden Fällen ist die Kantorin als Vorsängerin wichtig.

Mimi Sheffer hat dieses Amt in den USA ausgeübt und sich dort einen großen Ruf erworben. In den Staaten, erzählt sie nach dem Konzert, gebe es mittlerweile mehr Kantorinnen als Kantoren, in Deutschland sei dieser Trend aber noch nicht festzustellen - zumal es hierzulande ohnehin nach wie vor "viel zu wenige" aktive jüdische Gemeinden gebe.

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