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Porträt

12.07.2016

Vom Verlassen und vom Ankommen

Auf dem Wasser des Friedberger Baggersees wollte die Malerin Monika Mendat ihre oft blauen Bilder dem Fotografen präsenteren.
Foto: Bernhard Weizenegger

Die Farbe Blau spielt in Bildern der Malerin Monika Mendat eine große Rolle. Denn sie spürt Sehnsucht nach dem Eiland Heimat

In ein Boot wollte sie steigen und hinüber auf eine „Insel“ im Friedberger Baggersee setzen – und ihre Bilder mussten mit. Diese ungewöhnliche Idee für den Fototermin hatte die Friedberger Malerin Monika Mendat, 42. Das Foto, so meinte sie, würde genau das in Szene setzen, worum es ihr in ihrer Malerei geht: Um die Sehnsucht nach dem „Eiland“, nach Heimat, um die nicht nur die Menschen, die heute auf der Flucht sind, wissen, sondern auch sie selbst. Ab Mittwoch, 13. Juli, werden Bilder, Skizzen und Porträts von Monika Mendat im Augsburger Café Samocca zu sehen sein.

Wie lässt sich dieser oft unbestimmten Sehnsucht nach Heimat ein Ausdruck geben? Bei Monika Mendats abstrakten großformatigen Bildern, in Acryl und Collagetechniken gehalten, fallen vor allem die Farben auf: Da ist dieses Meerblau eines Bildes, das in seinen wechselnden Schattierungen und Strukturen im Betrachter je eigene Assoziationen weckt. Das Meer und ein heller Strand können darin gesehen werden, Silhouetten von hohen Häusern – oder ganz etwas anderes. Mendat hat das Bild an einem ihrer „Sehnsuchtsorte“ gemalt: Am frühen Morgen an einem Strand auf Kreta, wo sie mit ihrer Familie Jahr für Jahr Urlaub macht. Das Bild spiegelt nicht die Wirklichkeit wieder, sondern ist, wie die Künstlerin sagt, „reine Imagination“. In anderen Werken taucht dieses Blau wieder auf. Blau wie das kühle, fließende Wasser. Blau wie die Sehnsucht nach dem bereits Gefundenen, aber auch nach dem noch nicht Erreichten.

Der Heimat nah sein und fern. Die Heimat verlassen und ankommen. Beim Malen dieser Bilder wurde in Monika Mendat die eigene Vergangenheit wieder lebendig. Geboren in der Nähe von Danzig, ist sie mit ihren Eltern in den siebziger Jahren geflohen und auf Umwegen schließlich nach Augsburg gekommen. Sie war zweieinhalb Jahre alt. Tief eingeprägt hat sich ihr eine Szene mit ihrer Mutter auf dem Flughafen von Stockholm, der ersten Station der Flucht. Nachdem die Mutter eine Sicherheitstüre durchschritten hatte, hat sich diese Glastüre plötzlich vor ihr als Kind geschlossen. Die Mutter war drinnen, sie war draußen. Monika Mendat weiß, wie schwer es sein kann, in einer neuen Heimat „drinnen“ zu sein und sich in ihr einen Platz zu suchen. „Als wir hier angekommen sind, konnte keiner von uns Deutsch“, erinnert sie sich, „das verbindet uns mit den Flüchtlingen von heute“.

Monika Mendat hat ihre Heimat gefunden. Sie zeigt sich für sie auch darin, das leben zu können, was in ihr an Fähigkeiten steckt. Sie studierte Geschichte, Literatur und Politik und darüber hinaus Malerei an der Akademie für Bildende Künste in Kolbermoor. Heute arbeitet sie sowohl als freischaffende Künstlerin, als auch als Kommunikationsberaterin und Journalistin mit eigener Agentur. In Friedberg, überhaupt in Bayern, fühlt sie sich zu Hause. Dort ist ihre Familie, dort sind „die Menschen, die mir wichtig sind“. Gleichzeitig fühlt sie sich mit dem Land ihrer Wurzeln verbunden – Polen. Der kleine Urlaubsort auf Kreta mit seinem blauen Meer, so klar, dass man bis auf den Grund sehen kann und wo sie einfach nur da sein kann, ist der Ort ihrer Sehnsucht und die Quelle ihrer Kreativität. Zu ihrer wirklichen Heimat aber sagt Monika Mendat: „Das ist für mich kein Ort, ein innerer vielleicht, es sind Beziehungen zu Menschen.“

„Sehnsucht nach Heimat“ vom 13. Juli bis 10. Oktober während der Öffnungszeiten des Cafés Samocca, Hermanstraße 8.

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