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Augsburg

12.07.2017

Vom Zöllner zum Schriftgelehrten

Pfarrer Wurzer bei der Morgenmesse in St. Georg und Michael.
Bild: Annette Zoepf

Vor 25 Jahren hat sich Nikolaus Wurzer für den Priesterberuf entschieden. Das war nicht immer einfach.

Vor 25 Jahren hat sich Nikolaus Wurzer entschieden, Priester zu werden. Das silberne Jubiläum wurde jetzt mit einem Empfang im Pfarrgarten von St. Georg und Michael gefeiert. Sein Lebensweg erscheint nicht geradlinig. Erst als er schon eine Weile als Finanzbeamter tätig war, schlug er die geistliche Laufbahn ein. Ihm selbst kommt das jedoch durchaus folgerichtig vor: Seine Umgebung und seine Pfarrei haben die Entwicklung maßgeblich mitbestimmt.

„Ich hätte dich lieber bei den Schriftgelehrten als bei den Zöllnern gesehen“, sagte ihm etwa sein Religionslehrer. Für das Theologiestudium und Priesterseminar fehlte dem aus dem Allgäu stammenden Wurzer das Abitur. Die Hochschulreife in Fernkursen nachzuholen, erwies sich als beachtliche Hürde; besonders mit den alten Sprachen tat sich der Spätberufene schwer. Aber er habe immer wieder Zuspruch und Ermutigung erfahren. Das drückt sich auch in seinem Primizspruch aus: „Meister, auf dein Wort hin will ich die Netze auslegen.“ Gesagt hat das Petrus nach einem vergeblichen nächtlichen Fischzug, als ihn Jesus am Morgen danach auffordert, noch einmal auf den See zu fahren.

Auch die zweite Weichenstellung in seinem Leben geschah nach seinen Worten nicht gezielt und geplant. 14 Jahre lang war Wurzer Pfarrer in Sonthofen und dachte schließlich an einen Wechsel. 2007 wurde in Göggingen und Inningen eine Pfarreiengemeinschaft gebildet und ein neuer Pfarrer gesucht. Er wollte sich die Kirche ansehen, aber er fand sie verschlossen vor – für ihn ein Zeichen, dass das nicht der richtige Weg gewesen wäre. Pfarrer wurde stattdessen Andreas Specker. 2011 erhielt er unerwartet die Anfrage des Generalvikariats, ob er sich vorstellen könne, nach Göggingen zu gehen. Nun sah er die Zeit gekommen.

An seiner neuen Wirkungsstätte hat es Wurzer sicher nicht leicht. „Ich hätte nie gedacht, dass ich hier mit einem Bauwerk in Berührung komme“, sagt er und spielt auf den nicht konfliktfreien Neubau des Roncallihauses an. Die drei ehemaligen Pfarreien – St. Georg und Michael, St. Peter und Paul in Göggingen, St. Johannes Baptist in Inningen –, die jeweils eigene Vorstellungen und ihre eigene Geschichte haben, erfordern ebenfalls viel Harmonisierungsarbeit. Wurzer ist einer von elf Gemeindeberatern im Bistum, die in Pfarreien externe Hilfe leisten. Außerdem hat er ein Studium in Gesundheits- und Sozialmanagement absolviert. Als seine Kernaufgabe sieht er aber, Menschen mit dem Evangelium in Berührung zu bringen, sie so aufzurichten und ihren Horizont zu weiten. Dabei wäre er mit der Verwaltung der Pfarreiengemeinschaft gewiss schon ausgelastet. Aber er habe viele fähige Helfer, sagt Wurzer, und seinen Tag müsse er eben, wie jeder, so einteilen, dass er alle wichtigen Termine unterbringe. Wenn von 100 Kirchenmitgliedern, die er begleite, zwei einen Sinn im Glauben finden, dann müsse er vielleicht damit zufrieden sein. „Ich werfe die Netze aus; aber wie der Fischfang läuft, kann ich in gläubiger Gelassenheit einem anderen überlassen.“

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