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Insolvenz

22.02.2014

Von Hugendubel getrennt: Weltbild-Filialen stehen vor harter Sanierung

Mit der Trennung von Hugendubel startet eine neue Phase zur Rettung von Weltbild. Die Investorsuche fällt nun leichter, doch 1400 weitere Mitarbeiter müssen um ihren Job bangen.

Ein bisschen klingen sie bei der Gewerkschaft Verdi und im Betriebsrat der insolventen Augsburger Verlagsgruppe Weltbild fast erleichtert. Darüber, dass nun Klarheit über die Zukunft der bisher gemeinsam betriebenen Filialen von Weltbild und Hugendubel herrscht. Die Unsicherheit über die Filialen hatte die Suche nach einer Lösung für die insolvente Verlagsgruppe lange erschwert. Jetzt gehen Weltbild und Hugendubel getrennte Wege. „Die Teilung von Hugendubel und Weltbild hat Sinn“, sagte Verdi-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann unserer Zeitung. Weltbild werde als einheitliche Marke greifbarer und könne sich klar als Buchhändler positionieren, der mehrere Kanäle bedient – vom Online-Versand über den Katalog bis zum Filialgeschäft. Fachleute nennen dies „Multichannel“.

Vergiftete Atmosphäre hinter den Kulissen?

Die gesamte Verlagsgruppe Weltbild hatte bereits im Januar Insolvenz anmelden müssen. Derzeit sucht Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nach einem Investor. „Die Entflechtung der Gesellschafterstruktur erhöht die Chance, eine Gesamtsanierung von Weltbild zu erreichen“, gab sich am Freitag auch Geiwitz vorsichtig zuversichtlich.

Den Entscheidungen waren lange Verhandlungen vorausgegangen – zwischen der Familie Hugendubel, Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und dem Erzbistum München und Freising, das Hugendubel bisher mit zehn Millionen Euro unter die Arme gegriffen hat. Dass es dabei nicht sehr harmonisch abging, lässt sich erahnen. Die Familie Hugendubel sprach zwar von einem „schnellen, zielgerichteten Zusammenspiel“, andere Beobachter berichteten dagegen von einem „Gezerre“. Das Fachmagazin Buchreport schrieb, der Insolvenzverwalter habe sich über das Verhalten der Geschwister Hugendubel am Verhandlungstisch geärgert, der Streit sei teilweise eskaliert, die Atmosphäre „vergiftet“ gewesen. Bislang konnte Geiwitz nicht uneingeschränkt über die unter dem Namen „Weltbild“ betriebenen Filialen verfügen, da eine Holding – die DBH – zwischengeschaltet war. Es war deshalb kein Geheimnis, dass Geiwitz auf eine baldige Einigung gedrängt hatte.

Von Hugendubel getrennt: Weltbild-Filialen stehen vor harter Sanierung

Was ist nun beschlossen worden? Weltbild und Hugendubel hatten seit 2006 ihre Filialgeschäfte unter dem Dach der „DBH Buch Handels GmbH & Co KG“ betrieben. Die DBH war von der Weltbild-Insolvenz bisher nicht betroffen und gehörte je zu 50 Prozent Weltbild und zu 50 Prozent der Familie Hugendubel in München. Diese Ehe wird nun geschieden: Das Weltbild-Filialgeschäft wird aus der DBH herausgelöst. Alleiniger Gesellschafter der als „Weltbild-Plus“ bezeichneten Filialen wird die Verlagsgruppe Weltbild, alleiniger Gesellschafter der DBH wird die Familie Hugendubel. „Wir kehren zu unseren Wurzeln zurück und sind damit wieder ein echtes Familienunternehmen“, lobte gestern Nina Hugendubel die Vereinbarung als Meilenstein. Auch die 18 bisher von der DBH betriebenen Buchläden in den Karstadt-Warenhäusern verbleiben komplett bei Hugendubel. Eine Ausnahme von der Trennung ist der E-Buch-Handel „Pubbles“, an dem Weltbild und die neue DBH je 25 Prozent halten werden; die restlichen 50 Prozent gehören dem Medienkonzern Bertelsmann.

Weltbild-Plus reichte umgehend Insolvenzantrag ein

Die Weltbild-Filialen werden künftig von einer eigenen Gesellschaft geführt (Weltbild-Plus). Diese reichte am Freitag umgehend Insolvenzantrag ein. Dies teilte das Amtsgericht Augsburg mit. Das Insolvenzverfahren wird dabei als sogenanntes Schutzschirmverfahren durchgeführt. Dieses recht neue, spezielle Insolvenzverfahren sieht eine Sanierung in Eigenverantwortung vor. Das heißt, die bisherigen Geschäftsführer von Weltbild-Plus bleiben im Amt.

Betroffen von der Spaltung der DBH sind bundesweit weit über 3000 Mitarbeiter. Rund 2000 davon arbeiten bei Hugendubel, rund 1400 in den bundesweit aktuell 220 Weltbild-Filialen, von denen 24 unter der Marke „Jokers“ laufen. Der Vertriebsgeschäftsführer der Weltbild-Filialen, Hans-Jürgen Junker, informierte die Mitarbeiter am Vormittag über die Insolvenz. „Unsere Mitarbeiter werden ihr Geld pünktlich zum Monatswechsel auf dem Konto haben“, sicherte Junker zu. Drei Monate lang gebe es Insolvenzgeld. „Auch der Verkauf in den Filialen geht ganz normal weiter“, sagte er.

Hinter den Kulissen besteht aber kein Zweifel, dass es zu Einschnitten im Weltbild-Filialnetz kommen wird. In Branchenkreisen gilt nur die Hälfte der Läden als profitabel. Im Herbst hatte bereits Weltbild-Chef Carel Halff im Interview mit unserer Zeitung Schließungen angekündigt. „Jede Filiale muss sich rechnen“, sagte er damals. Denkbar ist, dass rund 100 Weltbild-Filialen verloren gehen. Als Vorteil eines Schutzschirmverfahrens gilt, dass Mietverträge einfacher gekündigt werden können. Ähnlich ist bereits die Augsburger Schuhkette Leiser vorgegangen. Auch können Arbeitsverträge leichter aufgelöst werden.

Hinter den Weltbild-Mitarbeitern liegt eine Zeit voller Unsicherheit: Wie geht es weiter mit ihrem Arbeitgeber?
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Weltbild-Insolvenz: Die Tage nach der Bekanntgabe
Bild: Fred Schöllhorn

Genau dies befürchtet nun die Gewerkschaft. „Ich sehe es mit Sorge, dass das Schutzschirmverfahren dazu dienen könnte, Mitarbeiter möglichst schnell und billig abzubauen“, sagte Betriebsrat Boßmann. Ziel müsse der Erhalt der Weltbild-Filialen sein. „Eine gute Programmauswahl und gute Beratung bringen den Buchhandel nach vorne, nicht das Totsparen.“ Er setze darauf, dass sich die mit 120 bis 150 Quadratmeter überschaubaren Weltbild-Filialen „relativ leicht in die Gewinnzone führen lassen“.

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