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Jubiläum

30.09.2016

Von Jahr zu Jahr höher empor

Die Brecht-Forschungsstätte unter Jürgen Hillesheim wird 25. Bilanz eines Erfolgsmodells und Ausblick auf die Bäume bei BB

Dieser Mann ist von Brecht umgeben. Links steigen die Buchregale hoch und rechts ebenso, gefüllt mit Primärtexten von BB, vor allem aber mit Sekundärliteratur über den Augsburger. An die 3000 Bände mögen es sein. Sie sind Teil der rund 10000 Bände umfassenden Sammlung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, der zweitgrößten Brecht-Bibliothek nach Berlin und vor jener der Universität Zhytomyr/Ukraine (an die 4000 Bände).

Wo so viel Brecht Buchrücken an Buchrücken steht, logiert Jürgen Hillesheim, der Leiter der Brecht-Forschungsstätte. Diese, ein Erfolgsmodell mit einer Ausstrahlung weit über Augsburg hinaus, ist an der Staatsbibliothek untergekommen und der Stadt Augsburg zugeordnet. Am 1. Oktober feiert die Einrichtung ihren 25. Geburtstag. Vor einem Vierteljahrhundert wurde Dr. Hillesheim als Leiter bestellt. Mittlerweile hat er sich (mit einer Arbeit über Brechts episches Theater) habilitiert, ist Privatdozent an der Universität Augsburg, außerdem Ehren-Professor der Staatlichen Iwan-Franko-Uni Zhytomyr. Anlässlich des Jubiläums wird beim nächsten Brecht-Festival Augsburg ein hochkarätig besetzter Kongress die Schwerpunkte BB und Walter Benjamin, BB und die Frauen, BB und Kurt Weill/Hanns Eisler diskutieren (6./7. März 2017).

Zudem stellt Prof. Helmut Koopmann den von ihm edierten Band „Von Baal zu Baal“ vor (6. März). Dieser umfasst 25 Studien von Jürgen Hillesheim, mit denen er in den vergangenen 25 Jahren der Brecht-Forschungsstätte hervorgetreten ist – in nationalen Zeitschriften wie in internationalen Organen (German Life and Letters, Brecht Yearbook, Studia theodisca). Rechnet man seine rund 25 Bücher (als Autor bzw. Herausgeber) hinzu, erstaunt das Fazit nicht: „Keiner hat zuletzt mehr über Brecht publiziert.“

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Angesichts all der neuen biografischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse setzt Hillesheim sogleich hinzu: „Mit diesem Werk sind wir noch lange nicht durch.“ Seit geraumer Zeit schon habe man in der Wissenschaft den „Phasen-Brecht“ (Anarchist, Marxist, Klassiker) verabschiedet und stattdessen den Dichter und Dramatiker als „herausragendes ästhetisches Phänomen“ anvisiert.

Es käme fast einer Überraschung gleich, hätte Hillesheim nicht schon wieder ein neues BB-Projekt in petto. Es geht um den Baum in der Lyrik Brechts, den brennenden Baum, den Pflaumenbaum, den Baum, der Soldaten frisst, der im Gespräch mit dem Wind ist. Diese motivgeschichtliche Untersuchung steht unter dem Motto „Und von Jahr zu Jahr reckte er sich höher empor...“. Analysiert werden 25 Gedichte; ein Exkurs zum Baum im „Baal“-Drama kommt hinzu. Das Buch soll im Frühjahr 2018 bei Königshausen & Neumann (Würzburg) erscheinen.

Ko-Autorin Hillesheims ist die Italienerin Rita Romeo. Die Augsburger Abiturientin, die jetzt in Eichstätt studiert, hatte mit ihrer Seminararbeit „Musik beim frühen Brecht“ Aufsehen erregt und dafür im Juli den Wissenschaftspreis der Augsburger Schulen 2015/2016 erhalten. (go)

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