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Bildung

15.03.2019

Von Socken, Spenden und Fluchtgeschichten

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Dustin Altmann (von links), Annalena Nietsch, Maria Samajdar, Marlene Knickrehm, Sarah Gaul und Eva Hartmann freuen sich über die Auszeichnung für ihr Hörbuch „Fluchtgeschichten“.

In P-Seminaren realisieren Gymnasiasten besondere Projekte. Schüler des Peutinger-Gymnasiums wurden nun für ein Hörbuch zum Bezirkssieger gekürt. Doch auch andere Gruppen punkten durch kreative Ideen und großen Einsatz

In P-Seminaren widmen sich Oberstufenschüler an Gymnasien einem besonderen Projekt. Das Seminar soll zur Studien- und Berufsorientierung dienen – dabei werden Firmen gegründet, Spenden gesammelt oder auch ein Hörbuch erstellt.

Mit ihrem Hörbuch „Fluchtgeschichten“ wurde das P-Seminar Sozialkunde des Peutinger-Gymnasiums nun mit zwei weiteren Beiträgen – „Virtuelle Welten“ vom Bernhard-Strigel-Gymnasium Memmingen und „Kaufbeuren im Ersten Weltkrieg“ vom Mariengymnasium Kaufbeuren – prämiert. Sie wurden unter 20 Einsendungen aus Schwaben zum Bezirkssieger gekürt und am Mittwoch bei einer Feierstunde in Augsburg von Peter Kempf, Ministerialbeauftragter für Gymnasien in Schwaben, ausgezeichnet.

Sozialkundelehrerin Astrid Freidhof, die das P-Seminar betreute, waren zwei Komponenten besonders wichtig. Zum einem würden von einem Großteil der Gesellschaft immer nur „die Flüchtlinge“ wahrgenommen. Durch das Seminar hatten die Schüler die Möglichkeit, geflüchtete Menschen kennenzulernen, ihre Einzelschicksale vorzustellen und ihnen eine Stimme zu geben. Zum anderen konnten sich die Schüler in vielerlei Hinsicht kreativ betätigen. „Sie haben Interviews geführt, Biografien erstellt und die Informationen textlich unterschiedlich verarbeitet, etwa in einem Traum oder in einem Brief“, erzählt Astrid Freidhof. Schließlich nahmen die Schüler die Beiträge für das Hörbuch auch selber auf, weil das Geld für ein Tonstudio fehlte. Bei einer Lesung und Vorstellung ihres Hörbuchs verkauften die Schüler des Seminars 50 Exemplare und wollen die Einnahmen jetzt an die Traumahilfe spenden.

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Um Spenden ging es bei einem weiteren P-Seminar des Peutinger-Gymnasiums. Dort wurde Geld für die argentinische Kindertagesstätte „Isla de Niños“ gesammelt – und das nicht zum ersten Mal. Spanischlehrerin Beate James kennt die Initiatoren des Fördervereins „Tagesstätte Posadas“, der in Penzberg beheimatet ist. Ihre Schüler wollten Gutes tun und die Einrichtung fördern, die hilfsbedürftigen Kindern zu warmen Mahlzeiten, medizinischer und psychologischer Betreuung verhilft, sowie sie beim Erreichen eines Schulabschlusses unterstützt. Dafür verkauften sie Bücher und andere Medien auf Flohmärkten, sie buken Empanadas und boten sie auf Schulfesten an und veranstalteten ein Schwammwerfen. „Jeder Schüler hat sich einen Job gesucht und einen Tageslohn gespendet“, berichtet Lehrerin Beate James. Von einer Idee ließen sie sich auch von ihr nicht abbringen: Um möglichst viele Spendengelder zusammenzubekommen, veranstalteten sie für die fünften Klassen einen Sponsorenlauf, der im Rosenaustadion stattfand. „Man sagt immer, dass sich Schüler nur für sich selber interessieren. Aber das ist nicht wahr. Bei dem P-Seminar haben sich Kinder für Kinder eingesetzt“, betont die Lehrerin. Damit haben sie einiges bewirkt: Eine Spende von über 5000 Euro konnte den Mitgliedern des Fördervereins angekündigt werden.

Helfen ist ein wiederkehrendes Thema bei P-Seminaren. Auch am Rudolf-Diesel-Gymnasium wurde fleißig gesammelt und gespendet. Die Idee „Spenden sammeln“ wurde von zwei Schülern entwickelt und fand im P-Seminar Deutsch zwölf weitere Mitstreiter. Sie legten sich bei Veranstaltungen ins Zeug: So wurden etwa beim Sommerfest der Schule oder beim Getränkeverkauf bei Konzerten Gelder eingesammelt. 1300 Euro kamen zusammen, die an Ulrich Lorenz vom Kinderheim in Hochzoll überreicht wurden. Er versprach, dass das Geld zu 100 Prozent den Kindern der Einrichtung zugute komme.

Gemeinsam einiges bewegen, stand auch bei dem P-Seminar Unternehmensgründung am Jakob-Fugger-Gymnasium im Vordergrund. 15 junge Männer entwickelten dabei eine praktische Haushaltshilfe. „Wir haben nach einer Lösung für ein lästiges Problem gesucht: Wie man am besten das Sortieren von frisch gewaschenen Socken umgehen kann“, erklärt Elftklässler Ferdinand Haschka. Gemeinsam mit seinen Seminarkollegen entwickelten sie den „S’Keeper“: Der verfügt über einen einstellbaren Schieberegler, der die schmutzigen Socken festklammert und verriegelt, um jedes einzelne Paar während des Waschvorgangs zusammenzuhalten. „Schluss mit dem Sockenchaos“ steht auf der eigens hergestellten Internetseite ihres Produkts. „Jeder hat sich um seinen Bereich gekümmert, wie Entwicklung, Produktion, Marketing und es hat Spaß gemacht zu sehen, wie es vorangeht. Das ist schon nah an der Realität“, sagt Ferdinand Haschka. Am Donnerstag besuchten die Mitglieder des P-Seminars eine Messe in Regensburg. „Dort haben Schüler aus 16 P-Seminaren ihre Produkte vorgestellt“, berichtet Ferdinand Haschka. Ihr „S’Keeper“ finde einen „ordentlichen“ Absatz, was die Schüler ganz besonders freut.

Im Seminar „Physik macht die Musik“ am Gymnasium bei St. Stephan konnten die Schüler gleichzeitig ihre musischen Fähigkeiten sowie ihre physikalischen Erkenntnisse einbringen. „Sie haben Musikstücke komponiert und Videos erstellt“, berichtet Physiklehrer Stefan Weber. Das Besondere: In ihren Songtexten erklären die Schüler physikalische Gegebenheiten. „Das Vorbild war DorFuchs, der mit seinen Mathe-Songs auf YouTube verschiedene Probleme erklärt“, sagt Weber. Herausgekommen sind am Gymnasium bei St. Stephan, Erklär-Videos für die 7., 8., 9. und 10. Jahrgangsstufe, die die Wirkung des elektrischen Stroms, Atome oder die Newtonschen Gesetze behandeln und demnächst auf der Schul-Homepage zu sehen sein werden.

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