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Augsburg

19.09.2019

Von "Too Good To Go" bis "Fair-Teiler": So können Augsburger Lebensmittel retten

Mit der App "Too Good To Go" verkaufen Gastronomen, was übrig blieb und sonst im Müll landen würde.
Bild: Bernd Hohlen

Mithilfe von „Too Good To Go“ können Augsburger in Geschäften kurz vor Ladenschluss günstiges Essen kaufen. Was in Augsburg sonst noch gegen Verschwendung getan wird.

Rund 5500 Mahlzeiten gerettet und damit 14 Tonnen CO2 eingespart – und das allein in Augsburg. Dank einer App für das Mobiltelefon. Die Rede ist von „Too Good To Go“ (frei übersetzt: zu gut, um weggeworfen zu werden). Die Firma dahinter stammt ursprünglich aus Dänemark und wurde dort 2015 gegründet. Nutzer – oder „Lebensmittelretter“, wie es auf der Internetseite des Unternehmens heißt – können in der App für zwei bis drei Euro übrig gebliebenes Essen aus Restaurants, Hotels und anderen Läden erwerben. Angebote aus Augsburg gibt es seit Anfang letzten Jahres, bisher arbeiten hier 18 Läden mit „Too Good To Go“ zusammen.

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Diese Läden machen bei "Too Good To Go" in Augsburg mit

Zum Beispiel das Hotel Ibis am Hauptbahnhof. „Too Good To Go“-Nutzer können dort seit drei Monaten die Reste vom Frühstücksbüfett abholen. Mit der Kooperation sei man sehr zufrieden, sagt Melanie Stöttner vom Ibis-Hotel. „Wir machen ja unser Frühstücksbüfett so, dass für jeden Gast noch alles da ist, und dann ist es ja schade, wenn man die ganzen Reste wegschmeißen muss. Und so können es andere Leute günstig haben.“ Zum Abholen kämen vorwiegend junge Leute, einmal sogar ein englischsprachiges Pärchen, so Stöttner.

Auch die Bäckereikette Backwerk arbeitet seit Anfang dieses Jahres mit „Too Good To Go“. In dem Laden in der Bahnhofstraße kaufen gerade Fabian und Katharina Kersten ein. Die beiden sind begeistert von der App. „Wir haben das erst vor Kurzem entdeckt und sind positiv überrascht. Man kriegt richtig viel für die 3,50 Euro.“ Das Paar hofft, dass sich in Augsburg bald noch mehr Geschäfte beteiligen. „In München gibt es schon über 100 Angebote.“

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Über die Filialen in München hat die Chefin des Augsburger Backwerk-Ladens, Carmen Ciapa, von der App erfahren. Ihrer Erfahrung nach nutzen hauptsächlich junge Menschen das Angebot. Viele Studenten und junge Pärchen seien darunter. Sie kommen damit nicht nur günstiger an Lebensmittel, sie leisten auch einen Beitrag gegen die Lebensmittelverschwendung.

Laut einer Studie des Thünen-Instituts im Auftrag des Bundesernährungsministeriums wurden alleine im Jahr 2015 rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Demnach landet der größte Teil in privaten Haushalten in der Tonne. Doch auch beim Einzelhandel sieht die Studie noch viel Einspaarpotenzial. „Too Good To Go“ ist aber nur eine von mehreren Initiativen, die in Augsburg gegen das große Wegwerfen kämpft.

"Fair-Teiler" in Augsburg: Was hinter der Idee steckt

In der Stadt gibt es etwa sogenannte „Fair-Teiler“ von der Plattform Foodsharing. Das sind öffentlich zugängliche Kühlschränke und Regale, die unter anderem am Sozialkaufhaus in Haunstetten oder im Grandhotel Cosmopolis stehen. Hier können Menschen übrig gebliebene Lebensmittel hinbringen und eine Nachricht in das Internetportal (foodsharing.de) schreiben. Interessenten sehen die Nachricht und können das Essen abholen.

Auch die Augsburger Tafel rettet seit Jahren Essen vor der Tonne. Sie gibt Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden, an bedürftige Menschen aus. Die Lebensmittelspenden stammen zu einem großen Teil von Supermärkten und Bäckereien. Über 200 Ehrenamtliche helfen dabei, die Lebensmittel zu sortieren, zu transportieren und zu verteilen. Konkurrenz durch „Too Good To Go“ oder die Foodsharing-Anlaufstellen spürt Tafel-Vorstand Fritz Schmidt bisher nicht. Im Gegenteil, mit Foodsharing habe die Tafel in der Vergangenheit auch schon zusammengearbeitet, so Schmidt. Etwa wenn dort zu viel Essen abgegeben wurde.

Und auch Carmen Ciapa vom Backwerk nutzt mehrere Initiativen. Was nach „Too Good To Go“ noch übrig bleibt, spendet die Backkette der Tafel. „Es ist einfach super, dass man nicht so viel wegwerfen muss.“

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