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Augsburg

11.11.2019

Vor Gerichtsentscheid: Wird der Bahnpark zum Fass ohne Boden?

Historische Dampfloks und Züge sind bei großen und kleinen Besuchern beliebt. Trotz der derzeitigen weitgehenden Schließung des Augsburger Bahnparks kamen in diesem Sommer fast 6600 Besucher.
Foto: Bahnpark (Archiv)

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof soll die strengen Auflagen für den Besucherbetrieb des Bahnparks überprüfen. Auch eine andere wichtige Entscheidung wird mit Spannung erwartet.

Markus Hehl wirkt noch nicht nervös. Der Geschäftsführer des Bahnparks in Augsburg könnte es aber bald werden. Denn es geht um viel. In rund zwei Wochen steht ein Termin an, der über die Zukunft des historischen Eisenbahnschaugeländes im Stadtteil Hochfeld mit entscheiden wird: eine Verhandlung vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München (VGH).

Das Schaugelände an der Firnhaber Straße stammt aus Zeiten der Königlich Bayerischen Eisenbahn. Es ist eines der größten Technikdenkmäler Bayerns und hatte viele Jahre sehr viele Besucher. Derzeit ist der Bahnpark weitgehend geschlossen. Hintergrund ist ein Genehmigungsbescheid für den Betrieb mit zahlreichen Auflagen, der noch nicht rechtskräftig ist. Er schränkt die bisherigen Aktivitäten stark ein.

Genehmigungsbescheid für den Bahnpark ist ein Streitfall

Der Bahnpark hat einige für ihn wichtige Details der Genehmigung juristisch angefochten. Solange der Rechtsstreit nicht entschieden ist, darf das Gelände mit denkmalgeschützten Lokomotiven, Bauten und technischen Anlagen aber nur sehr eingeschränkt für Besucher öffnen. Vor Gericht wird es nun darum gehen, unter welchen Bedingungen das Areal wieder dauerhaft öffnen darf.

Konkret soll der VGH darüber entscheiden, welche Sicherheitsbestimmungen auf dem Gelände erfüllt sein müssen – etwa beim Brandschutz im Keller der Dampflokhalle oder bei der Planung von Bahnübergängen auf einem bereits gesperrten Gleis. Auch das Verbot „eisenbahnfremder“ Veranstaltungen und das künftige Gastronomieangebot will der Bahnpark gerichtlich überprüft haben. „Aktuell dürfen wir nicht mal einen Getränkeautomaten aufstellen,“ sagt Hehl. Angestrebt sei ein Museumsbistro.

Augsburg: Bahnpark-Betreiber braucht Zuschüsse

Die Zukunft des Eisenbahn-Schaugeländes ist untrennbar mit der finanziellen Situation der privaten gemeinnützigen Betreibergesellschaft verbunden. Und die braucht dringend Einnahmen. Seit rund einem Jahrzehnt bemüht sie sich darum, das 27.000 Quadratmeter große Areal zu sanieren und eine Art lebendiges Museum zu entwickeln. Eine komplizierte und kostenaufwendige Sache. Hehl sagt, „in diesem Jahr stehen für uns noch zwei große Entscheidungen an“. Das VGH-Urteil, das die Weichen für den künftigen Betrieb im Bahnpark stellen soll, sei das Eine. Eine zweite wichtige Weichenstellung sei, wie es in Zukunft rund um den Bahnpark aussehen wird.

Historische Dampfloks sind bei großen und kleinen Besuchern beliebt.
Foto: Silvio Wyszengrad

Im Süden bemüht sich der Münchner Immobilienkonzern Isaria bekanntlich darum, ein neues Wohngebiet zu entwickeln. Die Gleise auf einem Teilbereich wurden bereits stillgelegt. Die entscheidende Freistellung vom Eisenbahnbetrieb für das Gelände konnte Isaria bislang noch nicht erreichen. Hehl baut auf eben diese städtebauliche Entwicklung. Bei der wirtschaftlichen Nutzung der Dampflokhalle sei man entscheidend auf den Ausgang des Verfahrens bei Isaria angewiesen, sagt er. Nun hofft der Geschäftsführer, dass bald Klarheit herrschen wird. Dann will er bis Mitte Februar 2020 einen Zukunftsplan für das Eisenbahnschaugelände bei Stadt und Freistaat vorlegen. Die kleine gemeinnützige Bahnpark-Gesellschaft ist nach seinen Angaben auf öffentliche Zuschüsse weiterhin dringend angewiesen, damit sie überleben kann.

Bahnpark Augsburg: Stadträte fürchten Fass ohne Boden

Augsburger Stadträte quer durch die Parteien fürchten unterdessen, dass die Förderung ein Fass ohne Boden werden könnte. Kritiker bemängeln, es fehle die Perspektive, was sich auf dem Gelände in welchem Zeitraum entwickeln wird. Nötig sei auch, ein dauerhaft tragfähiges wirtschaftliches Konzept zu finden. Beides hatte die Stadt Augsburg schon vor zwei Jahren zur Bedingung für weitere Zuschüsse an den Bahnpark gemacht. Ein Konzept, das die Stadträte überzeugt liegt aber immer noch nicht vor. Dennoch sind jeweils 50.000 Euro bei der Stadt und beim Bezirk Schwaben beantragt, doppelt soviel wie im vergangenen Jahr. Eine Entscheidung war im Frühjahr vertagt worden und wird demnächst erwartet.

Hehl verweist darauf, dass der Bahnpark nach wie vor viele Besucher anzieht. Trotz der beschränkten Öffnungstage seien diesen Sommer fast 6600 Gäste gekommen. 2500 Bahnfans hätten mit den Museumszügen Ausflugsfahrten unternommen. Eine Wiedereröffnung des Eisenbahnschaugeländes sei von Mai bis Oktober kommenden Jahres angestrebt, zunächst an Sonntagen. Auch ein begleitendes Fahrtenprogramm mit Museumzügen sowie Rundfahrten mit der Augsburger Localbahn soll es wieder geben.

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11.11.2019

Welch ein Schwachsinn so ein einmaliges Objekt einfach sterben zu lassen. Ein Magnet für alle Eisenbahnfans und zukünftiger Generationen. Denn das Interesse an der historischen Eisenbahngeschichte nimmt stetig zu. Da werden Millionen mehr oder weniger für den neuen Bahnhof mit Strassenbahnuntertunnelung (Augsburger U-Bahn) ausgegeben mit stetig steigenden Kosten wie bei Stuttgart 21 mit open end. Aber bei dem Bahnpark-Projekt bekommen die Stadträte kalte Füsse. Der Betreiber Herr Markus Hehl steht ziemlich alleine da und sieht sein Lebenswerk auch durch deutschen Bürokratismus dahin schwinden. Oder ist es die Gier des Münchner Immobilienkonzern Isaria dort auf dem Gelände ein neues Millionenprojekt zu realisieren. Es verschwinden in unseren Innenstädten immer mehr Sportanlagen, Schrebergartenanlagen, ect.... Nach meiner 18 Jährigen Abwesenheit von Augsburg hat sich diese schöne historische Stadt nicht unbedingt nur zu seinem Vorteil verändert.

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11.11.2019

Man könnte wirklich einen dicken Hals bekommen. Eine Augsburger Attraktion für die ganze Familie gewaltsam kaputt machen, aber dafür massenhaft Geld in ein Prestigeobjekt wie das Stadtttheater pumpen.

Vielleicht werden ja die Exponate auf die Verkehrsmuseen in München und Nürnberg verteilt, damit unsere Provinzmetropole um eine Attraktion ärmer ist.

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