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Augsburg

23.12.2020

Vor Weihnachten zum Corona-Test: "Sonst hätte ich kein gutes Gefühl"

Eigentlich wird in den Drei-Kaiser-Sälen in der Maxstraße gefeiert, seit wenigen Wochen aber wird auf Corona getestet.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Kurz vor den Feiertagen lassen sich viele Menschen auf Corona testen. Die Gründe sind sehr persönlich, wie sich etwa im Testcenter in der Maximilianstraße herausstellt.

Wo sonst Champagnergläser klirren und gefeiert wird, werden in dieser Zeit der Pandemie Abstriche gemacht - und das wortwörtlich. Seit ein paar Wochen sind die historischen Drei-Kaiser-Säle im Stiermannhaus in der Maximilianstraße zum Corona-Testcenter "Downtown" umfunktioniert. Gegen Bezahlung kann hier jeder einen Antigen-Schnelltest, einen Antikörper-Schnelltest oder einen PCR-Test machen lassen. Kurz vor Weihnachten sind die Termine besonders gefragt, wie auch an anderen Teststellen.

Am Eingang zu den Drei-Kaiser-Sälen steht Desinfektionsmittel bereit.
Bild: Silvio Wyszengrad

Im lokalen Testzentrum an der Messe etwa sind nach Angaben des Gesundheitsamtes die Kapazitäten ausgeschöpft. Bis einschließlich Sonntag, 27. Dezember, seien dort keine Termine mehr verfügbar. Im Labor Augsburg MVZ war der Montag nach Auskunft von Geschäftsführerin Gabriele Schön am stärksten frequentiert. 261 Patienten seien an dem Tag zur Abstrichnahme erschienen. Kurzfristig habe man angesichts des Andrangs weitere Ärzte hinzuziehen müssen. "An diesem Tag haben wir insgesamt 9800 Abstriche untersucht", berichtet Schön. Am Dienstag hingegen sei die Lage schon etwas entspannter gewesen.

Tante vereinsame seit Corona

Christiane und Hans Lobinger aus Friedberg sind am Dienstag nach Augsburg gefahren, um sich in der Maximilianstraße testen zu lassen. Dort haben sie vorab online einen Termin gebucht. Ihnen geht es um ihre Tante. "Sie ist 93 Jahre alt und lebt im Augustinum in Dießen. Wir wollen sie vor Weihnachten besuchen, aber in das Heim darf man nur mit einem negativen Test", erklärt Lobinger. Der 58-Jährige telefoniert jeden Tag mit seiner Tante, die seit dem Ausbruch von Corona sehr vereinsame.

"Seit März ist sie praktisch wie eingesperrt." Es sind genau solche Geschichten, die Irene Pohl von den Klienten erzählt bekommt. Pohl führt als Medizinisch-Technische Assistentin für "ArminLabs" die Testungen durch. Feinkost Kahn, der die Räumlichkeiten in dem Patrizierhaus normalerweise bewirtet, hat die Drei-Kaiser-Säle vorübergehend an die Augsburger Firma vermietet. Unter einem Kristalllüster werden im noblen Ambiente Abstriche genommen.

Auch die Büste trägt Maske.
Bild: Silvio Wyszengrad

"Seit zwei Wochen sind eigentlich alle Termine ausgebucht", erzählt Irene Pohl. Doch nach dem Lockdown von Großbritannien seien wieder welche freigeworden. Augsburger, die in das Land reisen wollten und sich für einen Test angemeldet hatten, dürfen nun nicht mehr dorthin. Wenn es die Kapazität zulässt, werden auch Klienten ohne Termin getestet. Wie etwa diese junge Frau, die plötzlich an der Anmeldung in den Drei-Kaiser-Sälen auftaucht.

"So ein Test ist nur eine Momentaufnahme"

"Eigentlich hatte ich vor Weihnachten extra Kontakte gemieden, aber jetzt musste ich doch noch mal in die Arbeit und habe die Kollegen gesehen." Sie wolle sich testen lassen, bevor sie ihre Eltern besuche. "Sonst hätte ich kein gutes Gefühl dabei", sagt sie zu Irene Pohl. "Die meisten Menschen kommen jetzt zu uns, weil sie an Weihnachten niemanden in der Familie anstecken wollen", bestätigt diese und fügt hinzu: "Auch wenn sie wissen, dass so ein Test nur eine Momentaufnahme ist."

Die Medizinisch-Technische Assistentin betont, dass ein negatives Ergebnis kein Freifahrtschein sei. "Die Leute müssen trotzdem die AHA-Regeln einhalten. Aber das wissen eigentlich auch alle", berichtet Pohl, die bei den Kunden "viel Vernunft" feststellt. Vernünftig findet es auch die 26-jährige Madeleine Londene, sich vor den Feiertagen testen zu lassen. Die 26-Jährige will einen Antikörper- und einen PCR-Test.

Augsburgerin macht auch Antikörpertest

"Unsere 82 Jahre alte Oma wollte wegen Corona diesmal an Weihnachten daheim bleiben. Aber unserer Familie war es wichtig, dass sie an Weihnachten nicht alleine ist. Wer weiß denn schon, wie viele gemeinsame Weihnachten wir noch haben", sagt Londene. Der Antikörpertest sei für sie ebenfalls von Bedeutung. Wie die junge Frau erzählt, hatte ihr Bruder vor einem Monat Corona, die Eltern hatten sich bereits im März mit Covid-19 infiziert. "Jetzt will ich wissen, ob ich es vielleicht auch schon hatte. Mein Vater zeigte nämlich keine Symptome, während meine Mutter drei Wochen lang krank war."

Weitere Testmöglichkeiten

Das Testcenter Downtown in der Maxstraße hat auch an Heiligabend von 7.30 bis 14 Uhr geöffnet, am 1. Weihnachtsfeiertag von 8 bis 13 Uhr, 2. Weihnachtsfeiertag 8-12 Uhr. Terminvereinbarungen unter: www.corona-diagnostik.de oder ohne Termin vorbeikommen und eventuell Wartezeiten in Kauf nehmen. Kunden müssen hier aus eigener Tasche zahlen.

 

Das Corona-Testzentrum an der Messe hat über die Feiertage geschlossen und macht erst am 28. Dezember wieder auf. Bei Symptomen können sich Patienten bei Hausärzten sowie bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) testen lassen. Es wird gebeten, dazu beim Hausarzt oder bei der KVB (Telefon 116117) anzurufen.

Im Zeitraum von Donnerstag, 24., bis Sonntag, 27. Dezember, bieten die Augsburger Hilfsorganisationen BRK, DLR, Malteser und Johanniter im Rahmen der bayernweiten Weihnachtsaktion "Antigen-Schnelltests für Besucher von Einrichtungen der Pflege" kostenlose Testungen an. Termine: Am 24., 25., 26. und 27. Dezember, täglich von 9 bis 17 Uhr.

An diesen Standorten:

  • BRK Kreisverband: Berliner Allee 50a
  • BRK Stadtteilzentrum Haunstetten, Johann-Strauß-Str. 11
  • DLRG Stützpunkt, Friedberger Str. 18
  • Johanniter Augsburg, Holzweg 35A

Dabei gilt folgendes zu beachten: Laut Stadt besteht eine Testmöglichkeit nur für Besuchende von Pflegeeinrichtungen. Benötigt werde eine Bescheinigung der jeweiligen Einrichtung, die beim Test zwingend vorzulegen sei.

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