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Augsburg

28.05.2020

Vorfall in der Maxstraße: Herkulesbrunnen bekommt Warnschilder

Dieses Handybild wurde in der Nacht auf vergangenen Samstag am Herkulesbrunnen aufgenommen. Zahlreiche Nachtschwärmer hatten sich dort zusammengefunden.
Bild: privat

Plus Trotz des Polizeieinsatzes in der Maxstraße setzt die Stadt weiter auf die Vernunft der Bürger und Gastronomen. Die Wirtin des Café Corso bangt um ihre Konzession.

Der Vorfall in der Maxstraße schlägt hohe Wellen. Während die Gastronomin des Corso im Fokus vieler Medien steht, überlegt man bei der Stadt, wie man die Situation in der Maxstraße künftig entspannen kann.

Polizeieinsatz in Augsburg: Was wird der Corso-Wirtin vorgeworfen?

Katharina Ertl, seit November Inhaberin des alteingesessenen Café Corso, verkaufte an dem Abend Getränke zur Mitnahme am Eingang ihrer Bar – wie viele andere Kneipen drum herum auch. In Zeiten der strikten Hygieneschutzverordnungen bleibt vielen Gastronomen nichts anderes übrig. Warum genau Ertl den Unmut des städtischen Ordnungsdienstes auf sich zog und was ihr vorgeworfen wird? Konkrete Angaben werden dazu immer noch nicht gemacht. „Zu laufenden Verfahren kann die Stadt keine Auskunft geben“, sagt Ordnungsreferent Frank Pintsch ( CSU).

Nach Angaben der Polizei hielt sich an jenem Abend vor dem Corso eine größere Menschenansammlung auf. Mitarbeiter des Ordnungsdienstes hätten eine Lärmbelästigung und Verstöße im Rahmen des Ausschankes festgestellt. Katharina Ertl erzählte noch am Wochenende unserer Redaktion, sie sei der Aufforderung, die Musik leiser zu stellen, nachgekommen. Doch es sei für sie unmöglich gewesen, darauf zu achten, dass die Leute den coronabedingten Abstand einhielten. „Auf städtischem Grund kann ich ja nicht sagen, dass sie weggehen sollen.“ Inzwischen sagt Katharina Ertl gar nichts mehr über den Abend. Dazu hat ihr ihr Anwalt Ralf Schönauer geraten. Er will seine Mandantin schützen.

Augsburger Gastronomin wird von Presse belagert

„Sie wird gerade von Presse aus ganz Deutschland belagert“, so Schönauer. Kürzlich sei ein Fernsehteam ins Café Corso gekommen und habe sich nur schwer abwimmeln lassen. „Ich versuche jetzt, mit allen Beteiligten zu sprechen und sichte die Videos, die es von dem Abend gibt“, sagt der Rechtsanwalt und CSU-Stadtrat.

Ein Blick von oben auf den Zwischenfall in der Maximilianstraße. Dabei waren am Freitagabend zahlreiche Polizeistreifen im Einsatz gewesen.
Bild: Screenshot Youtube

Sein Parteikollege Frank Pintsch äußert sich zwar nicht zum Verhalten der Corso-Wirtin an dem Abend. Allerdings betont er, dass mehrere Gastronomen auf der Maxstraße angesichts der Entwicklung des Abends den Außenausschank eingestellt und so ihren verantwortlichen Beitrag zur Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen geleistet haben. „Diese Betriebe sind ein gutes Beispiel dafür, wie Verantwortung auch in schwierigen Zeiten gemeinsam übernommen werden kann.“ Gegen eine Störungsquelle, wie etwa laute Musik, könnten laut Pintsch Maßnahmen angeordnet werden, „wenn dadurch die Verletzung der Infektionsmaßnahmen wirksam und effektiv beseitigt werden kann.“

Herkulesbrunnen in Maxstraße erhält Beschilderung

Wie berichtet, will die Stadt nun in Abstimmung mit Ordnungsdienst und Polizei ein Konzept erarbeiten. Im Mittelpunkt soll dabei das Verantwortungsbewusstsein aller Beteiligten stehen. Der Ordnungsreferent kündigt nicht nur verstärkte Kontrollen von Ordnungsdienst und Polizei an, sondern auch eine Beschilderung des Herkulesbrunnens.

Der historische Prachtbrunnen ist bei Nachtschwärmern sehr beliebt. Gerne tummeln sie sich dort auf den Stufen – wie auch an jenem Freitagabend. Mindestens 100 Menschen sollen sich dort zwischenzeitlich aufgehalten haben. Die geplante Beschilderung soll in erster Linie auf das Abstandsgebot abzielen. Ordnungsreferent Pintsch will beim Herkulesbrunnen nicht von einem Brennpunkt sprechen. Dennoch beobachte man bei guter Witterung, dass sich zunehmend Menschen dort niederließen.

Augsburg: Was in der Maxstraße aktuell erlaubt ist

„Es kommt zu Gruppenbildung und der vorgegebene Sicherheitsabstand von 1,50 Metern wird nicht eingehalten.“ Die Nachtmanager müssten dann einschreiten. Pintsch hat festgestellt, dass die meisten Besucher sich dort mit überwiegend alkoholischen Getränken aus den umliegenden Gastronomien versorgten. Der Verkauf ist aktuell bis ein Uhr morgens erlaubt. Alkoholfreie Getränke und Speisen dürften laut Ordnungsreferent auf der Maxstraße sogar bis 5 Uhr zur Mitnahme verkauft werden. Er beruft sich dabei auf das Gaststättengesetz. Biergärten und Außengastronomie dürfen im Vergleich dazu seit knapp zwei Wochen nur bis 20 Uhr Gäste bewirten. Nächste Woche wird auf 22 Uhr erweitert.

# Corona,Virus, Coronavirus, Bar, Bistro Café Corso,Maximilianstraße 75, Polizeieinsatz in der Maximilianstraße eskaliert, Corona Schlägerei, Polizei
Bild: Silvio Wyszengrad

Für Ordnungsreferent Pintsch ist es wichtig, dass Besucher und Gastronomen in der Maxstraße mithelfen, dass Freiheiten in Zeiten des Coronavirus verantwortungsvoll genutzt werden können. „Niemand hat ein Interesse daran, restriktivere Maßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt anzuwenden.“ Dennoch behalte sich die Stadt ein strengeres Einschreiten vor.

Corso-Wirtin Katharina Ertl muss wohl nach dem Vorfall um ihre Konzession bangen. Die 30-Jährige hatte in den vergangenen sechs Jahren als Betriebsleiterin von Henry’s Coffee am Rathausplatz gearbeitet. Wie sie unlängst im Interview erzählte, legte sie in dieser Zeit immer wieder Geld auf die Seite. „Ich wollte meine eigene Gastronomie haben.“ Ihr Traum erfüllte sich mit der Übernahme des Café Corso. Momentan dürfte sich die Gastronomin eher wie in einem Albtraum fühlen.

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28.05.2020

Ziemlich eindeutiges Verwaltungsversagen der Stadt. Man hätte mit Problemen bei der Einhaltung der Abstandsregelung rechnen müssen. Die Maximilianstraße ist DIE Partyzone schlechthin. In lauen (Sommer-)Nächten ist es dort immer voll, auch wenn die Lokale im Innern bewirten dürfen. An besagtem Freitag durften sie es noch nicht.

Was soll der Satz, des neuen Ordnungsreferenten, er habe festgestellt, dass die meisten Besucher sich dort mit überwiegend alkoholischen Getränken aus den umliegenden Gastronomien versorgten? Ja, warum auch nicht, der Verkauf war von alkoholischen Getränken war bis ein Uhr morgens erlaubt. Nichtalkoholische hätten sogar bis 5 Uhr ausgeschenkt werden dürfen. Die Behörde tut etwas und ist dann erstaunt bis empört dass das was erlaubt ist auch gemacht wird? Vor den Lokalen ist noch deutlich weniger Platz als am Herkulesbrunnen.

Warum hat im Vorfeld niemand von der Ordnungsbehörde daran gedacht, dass es bei entsprechender Witterung und entsprechendem Andrang zu Problemen kommen könnte und wie man damit dann umgeht?

Herr Pietsch behält sich ein 'strengeres Einschreiten' vor. Gegen wen denn? Gegen die Wirte, die einfach tun, was sie dürfen oder gegen die Menschen, die keinen Abstand halten? Herr Pietsch soll sich einfach mal um vernünftiges Konzept bemühen, statt 'strenger eingreifen zu wollen'. Ist das alles, was ihm einfällt?

Das Marktamt hat im Stadtmarkt genau dem Umstand Rechnung getragen, der dem Ordnungsreferat entweder nicht bewusst oder aber egal war. Wir schauen halt mal und machen dann nach Gusto dem einen oder dem anderen den Laden zu - während andere weiter verkaufen können.

So etwas gehört im Vorfeld bedacht, geregelt, angekündigt.

Permalink
28.05.2020

.

"Herkulesbrunnen bekommt Warnschilder" ???

Ein Grundübel sehe ich in den to-go-Alkoholquellen,
deren Geschäftsmodell mir davon abhängig zu sein
scheint, möglichst viel "auf die Straße rauszuschütten".

Und da sagte jemand doch "Wir haben nur zum Mit-
nehmen verkauft. Und auf städtischem Grund kann ich
ja nicht sagen, dass sie weggehen sollen".

Und in einem Kommentar zum Artikel der AA "Polizei-
einsatz eskaliert vor einer Bar in der Maxstraße" vom
23.05.2020 wird die dort geschilderte Tätlichkeit einer
der Frauen ("unvermittelt der Polizistin ins Gesicht
geschlagen") von einer mitleidsvollen Leserin als
"Fauxpas der Wirtin" abgetan........

.

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