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Theatergemeinde

09.05.2016

Vorhang zu nach 67 Jahren

1949 wurde die Augsburger Theatergemeinde gegründet. Nun schließt sich für den Verein der Vorhang. Das Geschäft läuft zu schlecht.
Bild: Pixel & Création, fotolia

Der Verein bietet ein vielseitiges Kulturprogramm und ermäßigte Kartenpreise für Veranstaltungen. Jetzt löst er sich auf. Was bedeutet das für die 880 Abonnenten?

Seit der Gründung 1949 bemühte sich die Theatergemeinde Augsburg, möglichst viele Menschen für Theater- und Konzertbesuche zu begeistern – doch nun ist Schluss damit. „Durch große Veränderungen in den Vertriebswegen, veränderte Einkaufskonditionen und geringere Teilnehmerzahlen sehen wir für unsere Besucherorganisation leider keine Zukunft mehr“, heißt es etwas sperrig in einem Schreiben des Vereins. Kurz gesagt: Das Geschäft mit den günstigen Theaterabos lohnt sich nicht mehr. Zum Ende dieser Spielzeit löst sich die Besucherorganisation auf. So hat es die letzte Mitgliederversammlung Ende April beschlossen.

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„Wir mussten die Reißleine ziehen,“ schildern Geschäftsführer Edward Wolf und Vorsitzender Wolfgang Hierdeis die prekäre Situation. Dabei sind die beiden nicht glücklich darüber, diese Nachricht gerade jetzt geben zu müssen, da das Theater, seine weitere Ausrichtung sowie die Sanierung zu hitzigen Diskussionen in der Stadt führen. „Wir sprechen uns ganz eindeutig für diese Sanierung aus“, betont Wolf, aber der Betrieb in Ausweichspielstätten führe natürlich immer zu Aboverlusten, und die könne sich die Theatergemeinde nicht mehr leisten. Deshalb sei nun dieser Zeitpunkt für die Auflösung gewählt worden. Ewald Wolf macht auch deutlich, dass die Theatergemeinde so viele Abonnenten wie möglich aus ihrem Kundenstamm an das Theater übergeben wolle. Deshalb habe man die Plätze für die nächste Spielzeit reserviert und allen Abonnenten einen vorausgefüllten Aboantrag übersandt. „Wir wollen dem Theater auf keinen Fall durch Aboverluste schaden.“

Angespannt ist die finanzielle Lage der Theatergemeinde seit Jahren – genauer gesagt seit Beginn der Intendanz von Ulrich Peters. Damals wurde der Rabatt, den der gemeinnützige Verein vom Theater erhält, von 45 Prozent auf 38 gesenkt. 20 Prozent der Ermäßigung gibt die Theatergemeinde an Abonnenten weiter, mit dem überschüssigen Geld kann sie wirtschaften. In der Folge der Kürzung vor 12 Jahren wurden der Personalstand und das Angebot zusätzlicher Veranstaltungen zurückgefahren. Nun sehen die Verantwortlichen keine weiteren Einsparungsmöglichkeiten mehr.

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Verschärft hatte sich die Situation durch eine Erhöhung des Preises, den die Theatergemeinde für die Tickets zahlen muss. Damit wurde die Gewinnspanne so gering, dass der Unterhalt des Vereins nicht mehr zu decken ist. Laut Geschäftsführer Ewald Wolf handelt es sich um einen Betrag von rund 5000 Euro, der nun jährlich fehlen würde und für den der ehrenamtliche Vorstand aufkommen müsste.

Doch neben den finanziellen Gründen spielen auch andere Überlegungen eine Rolle: Mit Diskussionsrunden, Inszenierungseinführungen, Künstlerstammtischen und Theaterführungen setzte die Theatergemeinde seit ihrer Gründung 1949 wichtige Impulse im Kulturleben der Stadt und trug mit zu einer Öffnung des Theaters bei. Auch die Zusammenarbeit mit den Schulen ist ein Beispiel für die umfassende kulturfördernde Arbeit dieser Institution.

Diese Tätigkeit rückte in den vergangenen Jahren immer mehr in den Hintergrund – nicht nur aus Spargründen, sondern weil mittlerweile das Theater von sich aus mehr an die Öffentlichkeit geht und den Blick hinter die Kulissen ermöglicht. Für die Pflege des Zuschauernachwuchses gibt es seit einigen Jahren sogar eine eigene Stelle für Theaterpädagogik. „Wir haben vom Theater große Konkurrenz durch diese Aktivitäten bekommen“ sagt Ewald Wolf. Auch sei das Aboangebot des Hauses jetzt so vielfältig, dass die Notwendigkeit einer Abwicklung trotz des Rabatts über die Theatergemeinde nicht mehr so leicht zu vermitteln sei.

Das Abo auf andere Institutionen wie das Parktheater oder die Stadthallen auszuweiten, sei nicht möglich gewesen. „Da haben wir den künstlerischen Anspruch nicht gesehen, die unsere Abonnenten fordern“, sagt Winfried Hirdeis. Das alles machte sich in der für eine Stadt in der Größe von Augsburg relativ geringen Zahl von rund 1000 Abonnenten der Theatergemeinde bemerkbar.

In ganz Deutschland gibt es Besucherorganisationen, die mit diesen Problemen kämpfen, heißt es beim Bundesverband der Theatergemeinden, Augsburg ist bisher aber die einzige, die sich auflöst. In Großstädten wie München, Berlin, Hamburg oder Köln haben die Theatergemeinden wegen der Vielseitigkeit des kulturellen Angebotes weniger Schwierigkeiten, ihre Attraktivität zu vermitteln. Gemischte Aboangebote mit verschiedenen Häusern sind dort möglich. Aber auch kleinere Städte wie Wiesbaden haben durchaus florierende Theatergemeinden. Darauf weist Simone Lindner vom Bundesverband der Theatergemeinden hin. Wichtig sei es, mit der Zeit zu gehen, was die öffentliche Wahrnehmung betrifft, etwa mit einem guten Internetauftritt oder einem Facebookprofil und sich mit einem vielfältigen Angebot in der Kulturlandschaft zu positionieren.

Das hat die Augsburger Theatergemeinde in den vergangenen 18 Jahren vor allem auch mit den sommerlichen Konzerten im Fronhof getan, deren Veranstalter sie ist. In diesem Sommer laufen die Konzerte wie geplant noch unter dem Dach der Theatergemeinde. Für die Zukunft soll ein Verein gegründet werden, der dies dann übernimmt. Über dessen Organisation und Finanzierung könne man jetzt aber noch nicht sprechen, erklärt Ewald Wolf.

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