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Streit in Augsburg

03.08.2012

Vorwurf: Pfusch löste Baumsterben aus

Zahlreiche Ahorne an der Friedberger Straße sind so geschädigt, dass sie gefällt werden müssen. Über die Ursachen sind sich die Experten uneins.
Bild: Silvio Wyszengrad

Viele Ahorne an der Friedberger Straße sind tot. Der frühere Augsburger Grünamtsleite spricht von „gärtnerischen Versäumnissen“. Die Stadt sieht das anders.

Die Blätter sind braun und vertrocknet, teils sieht man nur noch nackte Äste. Viele Ahornbäume an der Friedberger Straße geben mitten im Sommer ein trauriges Bild ab. Zwischen den Abzweigungen zur Schleifenstraße und zum Zoo sind ganze Reihen der Straßenbäume am Absterben oder schon tot. Fachleute sind sich uneins über die Ursache. Beim städtischen Amt für Grünordnung sieht man den „extremen Standort“ als Ursache des Baumsterbens.

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Gärtnerische Versäumnisse

Der frühere Augsburger Grünamtsleiter Kurt R. Schmidt spricht dagegen von gärtnerischen Versäumnissen. Ein Laie denkt beim Anblick der verdorrten Bäume erst einmal an Hitze und Wassermangel. Darunter leiden viele Augsburger Straßenbäume, deren Laub sich schon im Sommer braun zu färben beginnt. Im Sommerhalbjahr sind deshalb regelmäßig zwei Lastwagen des Grünamtes unterwegs, um zu wässern, wie der Abteilungsleiter für Grünpflege Franz Lernhard berichtet.

Im Fall der Spitzahorne an der Friedberger Straße ist Wassermangel aber nicht das große Problem. „Die Bäume sind nachhaltig geschädigt und werden wesentlich früher absterben als andere“, sagt Lernhard. Schuld daran seien der extreme Standort und dessen Folgen: Die betroffenen Ahorne hätten wenig Erdreich. Sie seien Sonne und Hitze besonders stark ausgesetzt, auch weil der Asphalt abstrahlt. Die Belastung durch Streusalz im Winter und starke Fröste nennt er als weitere kritische Faktoren.Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt der Baumexperte Kurt R. Schmidt. Auf Anfrage unserer Zeitung hat er sich vor Ort umgesehen und festgestellt: „Alle betroffenen Spitzahorne haben einen Stammschaden.“

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Risse von der Krone bis zu den Wurzeln

Die Bäume sehen ähnlich aus wie vom Blitz getroffen. Risse ziehen sich von der Krone bis zu den Wurzeln. Nach Schmidts Einschätzung sind sie auf ein gärtnerisches Versäumnis zurückzuführen. „Hätte man die Stämme von Anfang an geschützt, hätte man die schweren Schäden vermeiden können.“ Nach seinen Erfahrungen gibt es vor allem dann Probleme, wenn die Bäume aus einer dichten Kultur stammen und ohne Schutzhüllen um den Stamm an schwierigen Standorten gepflanzt werden. Ähnliche Schäden wie in der Friedberger Straße stellt er auch an Ahornen an einem Teil der Inverness-Allee fest. Im Amt für Grünordnung widerspricht man dem Vorwurf von Pfusch. „Dass bei den Schutzmatten geschlampt wurde, schließe ich aus“, sagt Lernhard. Die Bäume seien vor rund zehn Jahren von einer Firma gepflanzt worden, und zwar im Zuge des Baus der Schleifenstraße. Die Regel sei, dass solche Pflanzungen kontrolliert werden. Den Stammschutz erst später zu ergänzen, wenn das städtische Grünamt die Pflege übernimmt, bringe nichts mehr.

Ex-Grünamtsleiter Schmidt hält solche Argumente für nicht stichhaltig. Er kam auch nach seiner Amtszeit häufig an der Friedberger Straße vorbei, als dort gepflanzt wurde. Und er ist sich sicher: „Da war noch nie ein Stammschutz dran.“ Nur einzelne Ahorne seien offensichtlich später mit Matten ausgerüstet worden. Genau solche seien auch frei von Rissen. Aber erst jetzt, nach vielen Jahren, zeigt sich das volle Ausmaß der Schäden. Schmidt spricht von 80 Prozent Ausfall am betroffenen Straßenabschnitt. Aus seiner Sicht hilft nur eines: Die total geschädigten Bäume müssen raus und neue gepflanzt werden. Und zwar möglichst eine andere, widerstandsfähigere Art.

Ein Baum kostet zwischen 500 und 1000 Euro

Das dürfte für die Stadt teuer werden. Pro Baum fallen zwischen 500 bis 1000 Euro an, so Lernhard. Und das Budget für Nachpflanzungen ist begrenzt. „Wir tauschen das aus, was wir finanziell leisten können.“ Konkrete Pläne für die Friedberger Straße oder Inverness-Allee gebe es derzeit nicht. Gärtner haben allgemein ein Problem: Sie müssen für Jahre vorausplanen. Doch bei allem Streit über die Ursachen des Baumsterbens sind sich die Fachleute in einem Punkt einig: Die neuen Bäume an der Friedberger Straße werden keine Spitzahorne mehr sein. Langsam setze sich die Erkenntnis durch, dass es mit traditionellen Baumarten Probleme gebe, heißt es im Amt für Grünordnung. Dort pflanzt man verstärkt widerstandsfähigere Arten wie Ginkgo an Straßen.

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