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Augsburg

03.10.2013

Wachdienst am Asylheim im Einsatz

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2 Bilder
So sieht es im neuen Flüchtlingsheim aus. Die Reaktionen waren unterschiedlich: von „was, so viel Platz?“ bis zu „da wird es ganz schön voll“.
Bild: Ruth Plössel

Flüchtlinge werden vermutlich Ende Oktober in der Ottostraße in Augsburg einziehen. Nachbarn durften nun die umstrittene Unterkunft besichtigen. Dabei kochten die Emotionen hoch.

Bei vielen Nachbarn des künftigen Asylbewerberheims in der Ottostraße liegen die Nerven immer noch blank. Sie haben Angst vor Lärm, Angst vor Kriminalität, Angst, angepöbelt zu werden, Angst, dass die Sprengelschule mit der Aufnahme der Flüchtlingskinder überfordert sein wird, Angst, dass wie in Berlin Neonazis aufmarschieren. „Es wird einfach zu viel“, sagte eine Frau bei der Informationsveranstaltung in dem Haus. Vertreter der Stadt, darunter Oberbürgermeister Kurt Gribl, der Regierung von Schwaben, Polizei und Flüchtlingsberatung waren angetreten, um die Nachbarn zu beruhigen. 100 Besucher kamen. Doch die Emotionen kochten einmal mehr hoch.

Die Flüchtlingszahlen haben sich verdoppelt

Mit ihren Protesten haben die Anwohner eines erreicht: Für die Unterkunft mit 160 Bewohnern im Stadtteil Rechts der Wertach wird es ein Maßnahmenbündel geben wie für keine andere weit und breit. Eine dieser Maßnahmen ist der Wachdienst der Firma Wisag, der nachts die Straße abfahren wird. Nachbarn können ihn auch rund um die Uhr anrufen, falls es Ärger gib.

Ende Oktober werden nach Angaben von Regierungspräsident Karl Michael Scheufele die ersten Menschen einziehen. Aus welchen Ländern sie kommen, ob es Familien sind oder alleinstehende Männer, lasse sich nicht absehen. Der Druck, unterstrich Scheufele, ist groß. Die Flüchtlingszahlen haben sich verdoppelt, vermutlich 2000 Personen werden 2013 allein in Schwaben ankommen. Vergangene Woche trafen 100 ein, die Woche davor 80. „Die Ottostraße, das müssen Sie sehen, sind für uns zwei Wochen“, warb er. In ganz Schwaben werden Sammelunterkünfte eingerichtet. In Augsburg ist jedoch laut Scheufele aktuell keine weitere geplant.

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Für die Integration der Asylbewerber ins Viertel Rechts der Wertach und die Sorgen der Anwohner finanziert die Stadt die Teilzeit-Stelle von Elke Modersitzki, früher Quartiersmanagerin in Oberhausen-Nord. Neben einer halben Heimleiter-, einer Verwaltungs- und einer Hausmeisterstelle steht außerdem ein Sozialberater nur für dieses Haus zur Verfügung, während sich anderswo ein Berater auf mehrere Einrichtungen aufteilen muss.

Das Gebäude wurde verhältnismäßig großzügig gestaltet. In jeder Etage befinden sich Aufenthaltsräume, es gibt neun Gemeinschaftsküchen. Im Hof sollen Bänke und Spielgeräte für Kinder aufgestellt werden. „Die bestausgestattete Unterkunft in Augsburg“, urteilte Flüchtlingsberater Matthias Schopf-Emrich. Weit entfernt von den Bruchbuden in der Schülestraße und der heruntergekommenen Kaserne beim Polizeipräsidium. Er beruhigte Eltern: Flüchtlingskinder werden nicht in der Löweneck-Schule, sondern in speziellen Übergangsklassen in anderen Stadtteilen unterrichtet.

Gleich zwei Unterstützerkreise sind entstanden, einer rund um die aramäische Community und Gerd Koller, der früherer im Bereich Asyl tätig war, einer aus der Nachbarschaft, angeschlossen an den Verein Tür an Tür. Tür an Tür hatte am Montag die Nachbarn ebenfalls eingeladen. Erst war im alten Straßenbahndepot am Senkelbach das Stück „Flüchtich“ des Jungen Theaters zu sehen, dann wurde diskutiert. Nur wenige Anwohner fanden allerdings den Weg dorthin.

Der Unterstützerkreis Ottostraße will unter anderem mit einem Informationsblättchen, Kochkursen und einer Teestunde im Advent die Brücke zwischen Neuankömmlingen und Alteingesessenen schlagen. Zwei der Aktiven sind Meinolf Krüger und Petra Mötzel, die im Viertel wohnen. „Wir wollen für beide Seiten da sein“, betonen sie. Allerdings sei noch keiner auf sie zugekommen.

Gelegenheit dazu ist beim Treffen am 8. Oktober, 19 Uhr bei Tür an Tür.

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