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Augsburg

11.10.2017

Waldkindergärten liegen im Trend

Kalle Sander und Marianne Sporer spielen mit Kindern der Waldspielgruppe Spickel-Spielplatz im Laub. Im Waldkindergarten finden die Kleinen ihr Spielzeug in der freien Natur. Neben den echten Waldkindergärten gibt es im Stadtgebiet etliche Waldspielgruppen, die zumeist an normale Kindergärten angeschlossen sind.

Immer mehr Eltern wünschen sich eine Alternative zum herkömmlichen Betreuungskonzept. In der Stadt sind mehrere neue Initiativen geplant.

Waldkindergärten sind im Trend. Drei Waldkitas mit 108 Plätzen gibt es derzeit in Augsburg, fünf weitere sind nach Auskunft der Stadt in Planung. Die Waldkindergartenidee stammt aus Skandinavien. Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren verbringen ihre Zeit nicht in festen Gebäuden, sondern sind mit ihren Betreuern in der Natur unterwegs.

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„Unsere Kinder sollen sich in der natürlichen Umgebung von Wiesen und Wald selbstständig mit den Themen beschäftigen, die sie interessieren“, erklärt Tobias Schießer vom Waldkindergarten Regenstrahlen. „Unsere Pädagogik setzt auf selbstaktive Bildung.“ Das heißt, die Erzieher geben keine festen Themen vor. Vielmehr würden sie Angebote machen, seien sozusagen eine Quelle für eigene Aktivitäten der Kinder. Dabei biete die natürliche Umgebung jede Menge Anreize.

„Ich spiele am liebsten in der Matsche, wenn es auf dem Waldplatz so richtig nass ist“, erzählt Pia. Heute aber ist sie mit ihren Kameraden auf der großen Wiese hinter der Sportanlage Süd unterwegs. Die Kinder suchen Grashüpfer. Stolz präsentieren sie ihre Funde dem Erzieher Tobias Schießer. Ohne Scheu halten sie die Tiere in den Händen und schauen sie genau an, ehe sie die grün-braunen Insekten wieder in die Freiheit hüpfen lassen. Jakob lässt sich von seiner Mama immer wasserfeste Hosen anziehen, aus denen die Schlammreste leicht zu entfernen sind. Beim Spielen hat er einmal Wasserschnecken entdeckt und sucht seither gezielt nach den glitschigen Tieren. Andere Kinder würden sich vor ihnen wohl eher ekeln.

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Wasserschnecken als Forschungsobjekt

Uli Reichalt bringt ihren Sohn aus Überzeugung in die Waldkita. „Die Erzieher sind sehr engagiert. Sie bringen sogar frische Kleidung mit und ziehen sie Kindern nach dem Spielen im Matsch an. Mich überzeugt, dass die Kinder hier lernen, ihre Umgebung genau zu beobachten und zu erforschen. Sie erleben die Jahreszeiten ganz direkt in der Natur mit. Ich finde, das entspricht genau den Interessen der Kinder.“

Derzeit besuchen 35 Kinder den Bauwagen der Waldkita, eine zweite Gruppe ist geplant.

Die Waldkitas leisteten einen wichtigen Beitrag zur Träger- und Angebotsvielfalt in der Stadt, sagt Augsburgs Sozialreferent Stefan Kiefer. „Natürlich ist das eine Nische, die nicht alle Eltern in Anspruch nehmen“, so der Referent. Die bestehenden Anbieter sind der Waldkindergarten Fuchsbau, der Waldkindergarten am Kuhsee und die eigenaktive Kita Regenstrahlen. Dazu kommen diverse Waldgruppen, die an bestehende Kindergärten gebunden sind. Auch Waldgruppen aus Königsbrunn sind im Augsburger Forst unterwegs.

In Zusammenarbeit mit der städtischen Forstwirtschaft hat das Jugendamt fünf neue Standorte ausgelobt.

ImLuftbad Göggingen müsse laut Kiefer noch geklärt werden, inwieweit die Fläche von Renaturierungsmaßnahmen der Wertach betroffen sei – ein Interessent für den Betrieb einer Waldkita mit 25 Plätzen stehe zur Verfügung.

Kohlstatt/Seitelbach (Inningen): Hier könnte eine Waldkita mit 25 Plätzen entstehen – es hat sich noch kein Träger gefunden.

Lochbach/Siebenbrunn Für eine Kita mit 25 Plätzen steht ein Interessent bereit.

Grenzkopf/Siebenbrunner Feld Auch hier ist ein Träger für eine Kita mit 25 Plätzen vorhanden.

Lochbach/Mühlbach (Haunstetten): Für diesen Standort mit 25 Plätzen gibt es noch keine Interessenten.

Die Bewerber sehen sich nun die Standorte an, schließen mit dem Forst einen Nutzungsvertrag und reichen ein pädagogisches Konzept sowie einen Antrag auf Erteilung einer Betriebserlaubnis ein, erklärt Kiefer das weitere Vorgehen. „Für rechnerisch 75 Plätze haben wir somit schon Interessenten, die allesamt auch erfahren sind“, freut sich der Sozialbürgermeister.

Tobias Schießer ermutigt Eltern, selbst einen Waldkindergarten zu gründen. „Ich würde mich freuen, wenn es mehr Eltern gäbe, die Lust haben, selbst etwas auf die Beine zu stellen“, so der pädagogische Leiter, der selbst Neugründungen berät. Jedes vierte Elternpaar dächte inzwischen darüber nach, das Kind in einen Waldkindergarten zu geben. „Die Nachfrage ist enorm“, so Schießer.

Besucher Derzeit zeigt eine Ausstellung im Bauwagen Ausschnitte aus den Aktivitäten der Waldkita Regenstrahlen. Er steht am Rand der Wiese hinter der Sportanlage Süd. Für Besucher geöffnet ist der Bauwagen werktags zwischen 13.30 und 14.30 Uhr. Kontakt: Telefonnummer 0157/73227634, E-Mail ts@eigenaktiv.de

Die drei bestehenden Waldkindergärten finden Sie im Internet unter

www.eigenaktiv.de

www.waldkindergarten-kuhsee.de

www.waldundnaturkinder.de

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