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12.08.2010

Wallfahrtsorte für Rechtsradikale?

Wallfahrtsorte für Rechtsradikale?
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Um diese Köpfe in der Von-Richthofen-Straße geht es. Die VVN will sich weiter für ein Hinweisschild an Ort und Stelle stark machen. Foto: Peter Fastl
Bild: Peter Fastl

Hochfeld Eine Kompromisslösung scheint nun gefunden in der Auseinandersetzung um ein Hinweisschild, das die Reliefs aus der NS-Zeit an Wohnblöcken in der Von-Richthofen-Straße erläutern soll (wir berichteten). Der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (WBG) gehören die Gebäude, sie lehnte eine derartige Tafel bislang ab.

Vereinigung besteht auf Schild

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten in Augsburg (VVN-BdA) besteht derweil auf einem solchen Schild. Auf der Internetseite des VVN heißt es zu den Reliefs in der Von-Richthofen-Straße unter anderem: "65 Jahre nach dem Krieg fehlt immer noch eine Sensibilität, besteht eine Verdrängungspolitik in Augsburg bezüglich der NS-Kunst. Wir fordern eine Hinweistafel zur NS-Kunst."

Die könnte nun bald kommen. Zwischen WBG-Geschäftsführer Edgar Mathe und Harald Munding vom VVN Augsburg hat ein Treffen stattgefunden.

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Mathe lehnt eine Tafel in der Von-Richthofen-Straße jedoch weiterhin ab. "Wir wollen keinen Wallfahrtsort für Rechtsradikale schaffen", sagt der WBG-Geschäftsführer. Wenn ein Schild aufgestellt werde, dann solle der Text darauf alle drei Epochen "Kunst am Bau" im Hochfeld erläutern. Das schließe auch die Reliefs ein, die die Eisenbahn- und die Flugzeuggeschichte versinnbildlichen und nichts mit der NS-Zeit zu tun hätten. Entsprechende Darstellungen gibt es an Häuserfassaden in der Theodor-Wiedemann-Straße und in der Firnhaberstraße. Einer Tafel, die die Geschichte der Kunst am Bau seit 1920 erkläre, habe der Aufsichtsrat der WBG bereits zugestimmt, so Mathe. Der Standort stehe aber noch nicht fest. Auch über die Finanzierung sei noch nicht gesprochen worden.

Für Harald Munding von der VVN geht der Kompromiss der WBG "am Sinn vorbei. Wir wollen auf die Symbolik der Nationalsozialisten und was dahinter stand hinweisen", sagte der Mediziner. "Gerade die Nazis haben doch den freien Künsten allzu enge Grenzen gesetzt."

Die Sache entpolitisieren

Dem WBG-Chef warf Munding vor, die Sache zu "entpolitisieren. Mit der Kompromisslösung kann ich schon leben", so Munding. "Wenn aber die NS-Zeit und ihre Ideologie auf der Tafel nur mit einem Nebensatz erwähnt wird, macht das keinen Sinn für mich."

Deshalb werde sich die VVN weiter um ein Hinweisschild in der Von-Richthofen-Straße bemühen. Es gebe, so Munding, bereits wieder starke neofaschistische Strömungen. Dem müsse man etwas entgegensetzen. Auf Mathes Einwand, keinen Wallfahrtsort für Rechtsradikale schaffen zu wollen, sagte er: "Das ganze Leben besteht aus Schwierigkeiten." Die schaffe man nicht aus der Welt, indem man nichts unternehme. "Wir stehen in der Verantwortung derer, die in den KZs umgekommen sind", so Munding.

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