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16.04.2015

Warum Augsburg um einen eigenen "Tatort" kämpfen sollte

Die Krimiserie «Tatort» zählt zu den erfolgreichsten ARD-Formaten. Den Drehorten verschafft das Aufmerksamkeit - und mehr Zuspruch in anderen Teilen Deutschlands.
Bild: Sven Hoppe (dpa)

Immer wieder werden Rufe nach einem Augsburger Tatort laut - doch dieses Mal bewegt sich etwas. Während die Politik zögert, wünschen sich viele Bürger einen Ableger der Serie.

Manchmal sind es die kleinen, vermeintlich unwichtigen Dinge, die Großes für eine Stadt bewegen können. Die Stimmung in Augsburg ist, so wird überliefert, nach der Fußball-WM 1990 eine andere geworden. Damals haben die Menschen erstmals richtig auf der Maximilianstraße miteinander gefeiert. Das Gemeinschaftserlebnis im prachtvollen Wohnzimmer dieser historisch-schönen Stadt hat ein wohliges Augsburg-Gefühl ausgelöst, das sich langsam, aber stetig verbreitete.

Wer das vorausgesagt hätte, wäre belächelt worden. Die Augsburger Politiker haben sich vor 25 Jahren wohl um Wichtigeres gekümmert. Straßenkreuzungen, Museumssanierungen oder neue Kindergärten standen auf der Tagesordnung.

Einer der mächtigsten positiven Stimmungsfaktoren der vergangenen Jahre galt ebenfalls als vermeintlich unwichtig: Der FC Augsburg rockt die Fußball-Bundesliga. Und viele Menschen aus Greater Augsburg fühlen Stolz und Selbstbewusstsein, wenn sie in Deutschland (und Europa) auf den Klub angesprochen werden.

Den Münsteranern mag es ähnlich gehen. Wer aus der westfälischen Stadt kommt, wird gerne auf den dort gedrehten Tatort-Krimi mit Professor Börne (Jan-Josef Lieffers) angesprochen. Vielleicht erfreut der Zuspruch bald auch die Nürnberger, die sich nun erstmals vor zwölf Millionen Fernsehzuschauern als Tatort-Stadt mit bodenständigen Menschen und toller nächtlicher Skyline präsentierten.

Augsburger Tatort: Regt sich nun etwas in der Bevölkerung?

Wir haben schon mehrmals über einen möglichen Augsburger Tatort geschrieben. Doch dieses Mal scheint sich erstmals etwas zu bewegen. Leser schreiben Briefe an die Zeitung. Anrufer entwerfen schon Drehbuch-Ideen. Eine Königsbrunner Lehrerin erwägt, mit ihren Schülern am Skript zu arbeiten. Und bei einer AZ-Straßenumfrage haben wir niemanden gefunden, der von der Idee nicht begeistert wäre.

Wirklich niemand? Nun ja. In der Augsburger Kommunalpolitik hält sich das Interesse offenbar in Grenzen. Bekannt ist, dass vergangenes Jahr eine Programmbereichsleiterin des Bayerischen Fernsehens (BR) eine Kontaktaufnahme mit einem lapidaren Absagebrief quittierte. Aus dem Umfeld von Oberbürgermeister Kurt Gribl ist zu hören, der BR habe der Stadt bedeutet, der Franken-„Dadord“ aus Nürnberg habe nun erst einmal Priorität.

Gesellschaft und Politik müssten um Tatort kämpfen

Und nun? Ruhig verhalten, hinten anstellen und abwarten, ob ein denkbarer dritter Bayern-Tatort aus Passau oder Regensburg kommt? Das wäre falsch.

Denn eine Tatort-Bewerbung braucht ein breites politisch-gesellschaftliches Bündnis, wie es derzeit für eine Tatort-Stadt Ulm kämpft. So etwas muss beizeiten geschmiedet werden. Für das Bohren dicker Bretter ist ein Netzwerk zu Entscheidern wie BR-Intendant Ulrich Wilhelm nötig.

Aber vielleicht ist das Thema tatsächlich zu unwichtig für die Augsburger Politik. Oder ist jemand anderer Meinung?

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