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10.03.2009

Warum Gesundheit immer kostbarer wird

"Ihre Behandlung ist zu kostspielig - wir behandeln Sie trotzdem", verkünden Plakate im Klinikum. Gerät die Medizin immer mehr unter Spardiktat und Rationierungszwang? Ist sie damit noch ein sozialer Beruf? Mit diesen Fragen startete das neu gegründete Augsburger Forum für Ethik in der Medizin "AFEM" (siehe "Kurz informiert") und hatte dazu einen namhaften Referenten eingeladen: den Augsburger Transplantationsmediziner, Gesundheitswissenschaftler und Ethiker Prof. Eckhard Nagel.

"Ökonomie und Menschlichkeit" war sein Thema, und Nagel bemühte sich, eine Balance zwischen diesen Polen des Medizinerberufs zu finden. Ökonomie sei nicht an sich problematisch, sondern mache das Gesundheitswesen leistungsfähiger. Da die Ressourcen begrenzt seien, müsse der Umgang mit ihnen reguliert werden. Das müsse aber vernünftig, effizient und transparent geschehen. Das sei auch notwendig, damit der Patient nicht abgewertet wird, denn letztlich gehe es in der Medizin immer um einen leidenden Menschen in existenzieller Not.

Nagel wies aber auch auf das Patientenverhalten hin: So gebe es den Anspruch, gezahlte Beiträge wieder hereinzuholen. Dann könne es passieren, dass eine Leistung einem anderen Patienten weggenommen wird, der sie dringender brauche. Sein Fazit: Der Medizinerberuf sei von jeher von Ökonomie beeinflusst, aber von Menschlichkeit geprägt.

So harmonisch wollten das die Besucher in der anschließenden Diskussion aber nicht sehen. Es wurde darauf hingewiesen, dass nur der Arbeitnehmeranteil an der Krankenversicherung angehoben worden sei, nicht der der Arbeitgeber und des Staates. Privatkrankenhäuser hätten allein 2008 rund eine halbe Milliarde Euro Gewinn gemacht und sich an dem bereichert, was in die Krankenversicherung eingezahlt werde.

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Das jüngst veröffentlichte Gutachten, dem zufolge das Klinikum wegen organisatorischer Mängel Verluste schreibe, sei eine "Ohrfeige" für die tausenden Menschen, die sich dort "abrackern, damit noch irgendwas funktioniert", wie sich Personalratsvorsitzende Hildegard Schwering ereiferte.

"Durch die Ökonomisierung soll uns doch die Menschlichkeit ausgeprügelt und aberzogen werden", kritisierte Schwering. "Wir werden demoralisiert und kaputtgemacht." Sie sieht eine neue Generation Klinikumsmitarbeiter kommen, die gar keine anderen Verhältnisse mehr kennt. Dagegen müsse Widerstand geleistet werden. Nagel sagte dazu, Menschen reagierten leider nur auf ökonomische Anreizsysteme. Patienten dürften aber nicht zu "Fällen" gemacht werden.

Alternde Gesellschaft verschärft die Probleme

Ein Besucher bezweifelte, dass die Ressourcen im Gesundheitswesen wirklich knapp sind: "Ich kann sie doch einkaufen. Das Problem ist nur die Verteilung - und das ist eine politische Entscheidung." Nagel widersprach: "Auch mit höheren Ausgaben stoßen wir irgendwann an Grenzen." Verschärft werde das Problem durch die Alterung der Gesellschaft: Immer weniger Junge müssten für immer mehr Ältere bezahlen.

Die Diskussion ist geschlossen.

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