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Augsburg

07.06.2020

Warum Homeoffice nicht für alle Unternehmen sinnvoll ist

Während der Corona-Krise haben sich viele Arbeitnehmer an das Homeoffice gewöhnt. Vor einer Rückkehr ins Büro ist es daher wichtig, die Vor- und Nachteile im Betrieb zu diskutieren.
Bild: Sebastian Gollnow, dpa

Plus Die Corona-Krise hat vieles verändert. Auch die Einstellung zum Homeoffice. Die letzten Wochen waren Durchbruch und Ernüchterung in einem, sagen Augsburger Experten.

Vor der Corona-Krise galten Homeoffice und mobiles Arbeiten als Zeichen für Flexibilität und waren eine Art Symbol für die Work-Life-Balance-Bewegung, also der perfekten Verbindung zwischen Arbeit und Privatleben. Einer Untersuchung der IHK Schwaben nach war die Möglichkeit, zeitlich flexibel arbeiten zu können, vielen Arbeitnehmern deutlich wichtiger als ein hohes Gehalt oder der Dienstwagen. Immer mehr Unternehmen auch in Augsburg boten daher diese Arbeitsvariante ihren Mitarbeitern an.

Im Kampf um gute Fachkräfte erwiesen sich flexible Arbeitsformen ebenfalls als lukratives Angebot. So stieg die Zahlen sukzessive und Ende 2019 bot bundesweit laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung jeder vierte Betrieb Homeoffice und/oder mobiles Arbeiten an – Tendenz kontinuierlich steigend. Doch dann kam Corona.

Immer mehr Unternehmen aus Augsburg boten Homeoffice an

Aus einem sich langsam entwickelnden Trend wurde plötzlich ein (ungewollter) Boom. Fast über Nacht fanden sich zahlreiche Beschäftigte im Homeoffice wieder oder weiteten ihre bisherige Tätigkeit dort aus. Diesmal diente die neue Arbeitsform dem Schutz der Mitarbeiter und hielt Betriebe am Leben. Aktuellen Zahlen nach arbeitet mittlerweile jeder zweite Beschäftigte in Deutschland von zu Hause aus, 30 Prozent der Mitarbeiter tun dies zum ersten Mal.

Der plötzliche Wandel traf viele unvorbereitet, bringt jedoch rückwirkend viele Erkenntnisse mit sich. So hat der Umstieg für alle Beteiligten viel besser funktioniert als Homeoffice-Skeptiker bislang annahmen. Das spiegeln auch erste Umfragen der IHK Schwaben und der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH unter denen von ihnen vertretenen Unternehmen wider. Projekte, die bislang als schwer umsetzbar galten, seien plötzlich binnen kürzester Zeit ins Leben gerufen, Konferenzen digital organisiert und Arbeitsabläufe angepasst worden. Das klappe auch technisch quer durch alle Branchen erstaunlich gut, erzählen Vertreter von IHK und der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH.

Ist die Corona-Krise der Durchbruch für das Homeoffice?

Noch mehr Unternehmen haben erkannt, dass Digitalisierung und flexibles Arbeiten keine vorübergehenden Hirngespinste sind, sondern im Ernstfall überlebensnotwendig sein können. Ist die Corona-Krise also der endgültige Durchbruch für das Homeoffice?

Eine Antwort darauf hat die Augsburger Hochschulprofessorin Erika Regnet. Sie beschäftigt sich schon länger mit den Themen Homeoffice und mobiles Arbeiten. Und sie sagt klar: Reines Homeoffice, wie jetzt in der Krise, wird ein Ausnahmefall bleiben. Allerdings wird die zwangsweise Umstellung eine Art Wegweiser sein und zeigen, an welchen Stellen sich Homeoffice bewährt und an welchen nicht. Wo Unternehmen und Beschäftigte Vorteile erkennen, werden sich diese auch nach der Corona-Krise halten. Fahrten für ein einstündiges Meeting von Augsburg nach Berlin wird es vermutlich künftig weniger häufig geben, stattdessen nutzt man jetzt die Video-Konferenz, ist sich die Wissenschaftlerin sicher. Führungskräfte, die das Arbeiten von zu Haue aus erstmals getestet haben, werden Vorurteile ablegen.

Expertin aus Augsburg: Homeoffice allein kann keine Dauerlösung sein

An vielen Stellen habe die Krise aber auch gezeigt, dass das reine Arbeiten von zu Hause aus keine Dauerlösung sein kann. So wird der Vertrieb auch weiterhin nicht ohne Präsenzveranstaltungen auskommen. Auch ein Messewesen wird es weiter geben müssen. Bei der Entwicklung neuer Produkte ist ein direkter Austausch mit Kollegen aus Sicht von Wissenschaftlerin Erika Regnet weiter unerlässlich. Zuletzt entwickelte Arbeitsformen wie Kollaborationen und Co-Working muss es aus ihrer Sicht daher weiterhin geben.

Gerade Vieldrucker sollten im Homeoffice die Kosten im Blick behalten.
Bild: Zacharie Scheurer, dpa-tmn

Dazu kommen auch rechtliche Aspekte, die den steilen Aufstieg des Homeoffice während der Corona-Phase wieder bremsen werden. Themen wie Datenschutz, Arbeitssicherheit oder Arbeitszeitregelung sind in der jetzigen Ausnahmelage eher stiefmütterlich behandelt worden. Das räumen auch IHK und die Regio Wirtschaft ein. Es galt schnelle Lösungen zu finden, um die Wirtschaft halbwegs am Laufen zu halten. Doch so langsam stellt man fest, dass das heimische W-Lan nicht unbedingt sicher ist, der Esszimmerstuhl nicht der Ergonomie eines Bürosessels entspricht und Arbeitszeiten schwer zu erfassen (und zu kontrollieren) sind.

Homeoffice: Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht

Der Arbeitgeber hat gegenüber dem Arbeitnehmer eine Fürsorgepflicht. Dieser muss er nachkommen, sagt Wissenschaftlerin Regnet. Nach der Krise muss er sich überlegen, ob jeder jetzt angebotene Homeofficeplatz auch künftig einer bleiben soll. Denn bei einer Dauerlösung müssen eben auch die rechtlichen Aspekte und der Gesundheitsschutz beachtet werden, die Umsetzung verursacht Kosten.

Auch die Beschäftigten haben mittlerweile festgestellt, dass reines Homeoffice an an einigen Stellen an seine Grenzen stößt. War vor der Krise der Ruf nach Arbeiten zu Hause groß, mehren sich jetzt Fragen, nach einer Rückkehr an den Arbeitsplatz. Homeoffice ist eben doch kein Ersatz für Kinderbetreuung und in Dauerschleife kann es auch zur Belastung werden. Unter anderem weil eine Trennung zwischen Arbeit und Privatleben kaum möglich ist.

Das Fazit: Die Corona-Krise hat vor allem Skeptikern gezeigt, dass Arbeiten von zu Hause aus gelingen kann. Sie hat aber auch deutlich gemacht, dass ihr Einsatz nur in bestimmten Fällen uneingeschränkt sinnvoll ist – für Arbeitgeber ebenso wie für die Mitarbeiter.

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