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Augsburg

11.01.2020

Warum Marianne Schuber fürs Oberhauser Museumsstüble kämpft

Immer wieder landen im Oberhauser Museumsstüble von Marianne Schuber auch Nachlässe verstorbener Oberhauser. In den Räumen in der Zollernstraße gibt es viel zu sehen. Die Hausherrin hat das Museum aber auch zu einer beliebten Begegnungsstätte gemacht.
Bild: Annette Zoepf

Die 86-jährige Historikerin ist das Gedächtnis Oberhausens. Die Zukunft ihres kleinen Museums sieht sie auf dem Gaswerk-Areal. Was der Kulturreferent dazu sagt.

Auf die Begrüßung folgt eine Entschuldigung. „Hoffentlich ist es Ihnen nicht zu kalt hier. Aber wegen der großen Schaufenster ist der Raum nicht so leicht zu heizen“, sagt Marianne Schuber. Die Hausherrin des Oberhauser Museumsstübles hat sich umsonst Sorgen gemacht. Erstens serviert sie ihren Gästen großzügig Tee oder Kaffee. Und zweitens zieht sie die Besucher mit ihren Erzählungen vom alten und modernen Oberhausen dermaßen in ihren Bann, dass so banale Dinge wie eine Zimmertemperatur keine Rolle spielen.

Gemütlich ist es ohnehin in der Zollernstraße 91. Denn anders als in herkömmlichen Museen dominiert hier eine großzügige Sitzgruppe den Raum. Schuber ist es nicht daran gelegen, dass die Besucher nur von Exponat zu Exponat eilen, sich Bilder und Bücher ansehen und dann wieder verschwinden.

Marianne Schuber ist Autorin mehrerer Bücher

Es gibt nichts Schöneres für die promovierte Historikerin, als sich mit ihren Besuchern auf eine Zeitreise in die Vergangenheit zu begeben. Vieles von den Erzählungen und den dazugehörigen Bildern ist in den mittlerweile zahlreichen Büchern Marianne Schubers zu finden, seien es die Erinnerungen einer Weberin oder „Geschichten aus dem alten Oberhausen“.

Museumschefin wurde die gebürtige Augsburgerin, die längst in ihrem Lieblingsstadtteil lebt, durch einen Zufall. Im Vorfeld des 80. Eingemeindungsjubiläums Oberhausens in die große Nachbarstadt am 1. Januar 1991 ereilte die damalige Leiterin der Sehbehinderten-Realschule Unterschleißheim die Bitte, zu dem Anlass eine „kleine Festschrift“ zu verfassen. Das Werk wuchs zu einer stattlichen, 200 Seiten starken Chronik heran. Und weil sie die vielen Zeugnisse, die ihr die Menschen im Zuge ihrer Recherchen überließen, präsentieren wollte, suchte Marianne Schuber als Ruheständlerin nach entsprechenden Räumen.

2002 schlug in der Hirblinger Straße die Geburtsstunde des Oberhauser Museumsstübles. Insgesamt drei Mal musste die Hausherrin umziehen – weil die Häuser verkauft wurden oder wegen anderer Unwägbarkeiten. Als sie 2012 in der Zollernstraße 91 ein neues Domizil für ihre mehr als 1000 Exponate fand, sagte sie: „Hier gehe ich nicht mehr weg.“

Wer will das Museumsstüble in die Zukunft führen?

Nach wie vor gefällt es ihr gut in dem ehemaligen Ladengeschäft am Rande des alten Oberhauser Ortskerns und nur wenige Schritte von der Straßenbahnhaltestelle entfernt. Doch allmählich macht sie sich Gedanken um die Zukunft ihres Museums. „Ich bin noch fit, weiß aber um meine Endlichkeit“, sagt die 86-Jährige. Innerhalb ihrer Familie gebe es niemanden, der ihre Nachfolge antreten könnte. Marianne Schuber ist ledig und kinderlos geblieben. Auch unter den Mitgliedern des Fördervereins ist niemand, der das Museumsstüble in die Zukunft führen möchte.

Etliche Ideen geistern momentan im Kopf der Historikerin herum. Kein Geheimnis macht sie aus ihrer Sympathie für das Gaswerk-Areal, das weit über die Stadtteilgrenzen hinausstrahlende neue Kreativ-Quartier. Die Stadt weiß um ihren Wunsch, hier für ihr Museum eine dauerhafte Bleibe zu finden. „Kulturreferent Weitzel hat mir versprochen, den Wunsch im Auge zu behalten. Weil aber die Zeit gegen mich arbeitet, hätte ich das gerne in trockenen Tüchern.“

Derzeit wird auf dem Gaskessel-Areal das Reinigergebäude saniert

Weitzel bestätigt, dass Schuber und auch die Arge Oberhausen „wiederholt den Wunsch an uns herangetragen haben, dass das Museumsstüble sich gerne auf dem Areal des Gaswerkgeländes ansiedeln würde.“ Bislang konnten laut Kulturreferent nur die Hälfte aller Künstler aus dem Kulturpark West umziehen, weil auf dem Areal an der August-Wessels-Straße das Reinigergebäude noch saniert werden muss. „Dieser aufwendige Prozess wird bis Mitte 2021 dauern. Die Planungen haben aber jetzt schon gezeigt, dass im Reinigergebäude gerade genügend Platz für die Bandübungsräume sein wird, aber keine weiteren Nutzungen untergebracht werden können.“

Zu den nächsten Schritten bei der Entwicklung des Gaswerk-Areals zählen die Sanierung des Kühlergebäudes oder auch des Gaskessels. Auch hier sieht Weitzel momentan keine Räumlichkeiten für das Museumsstüble. „Diese wären nur durch Nachverdichtungen auf dem Gelände zu gewinnen. Hierzu gibt es momentan aber keine Beschlusslage in den zuständigen Gremien“, sagt der Kulturreferent.

Für Marianne Schuber bedeutet das: Solange sie bei guter Gesundheit ist, wird sie weiterhin in der Zollernstraße 91 ihr Museumsstüble außerhalb der Ferien zweimal wöchentlich von 14 bis 16 Uhr öffnen. Mittwochs (mit Vorträgen der Hausherrin und von Gästen) und freitags ohne Programm.

Lesen Sie dazu auch: Oberhausen als Tummelplatz des Vergnügens

Wie sich das Gaswerkareal für Kunst und Kultur öffnet

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