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Augsburg

28.04.2017

Warum Pinkeln auf dem Plärrer teurer ist als auf der Wiesn

Bier: Was rein kommt, muss auch wieder raus. Und auf dem Plärrer zahlen die Kunden dafür ein zweites Mal.
Bild: Jan Kandzora

In einer Wirtschaft Geld fürs Pinkeln zahlen? Kaum denkbar. Auf dem Plärrer kostet es aber 50 Cent, sich zu erleichtern. Warum das dort so ist, auf dem Oktoberfest aber nicht.

Ab und zu muss eben jeder. Und wenn er Bier getrunken hat, dann vielleicht noch ein bisschen häufiger. Deswegen gibt es wohl kaum einen Plärrerbesucher, der noch keines der Toilettenhäuschen von innen gesehen hat.

Und auf dem Plärrer werden Besucher dort zur Kasse gebeten. 50 Cent kostet es, einmal auf die Toilette zu gehen. Und das unabhängig davon, ob man davor schon Gast in einem Zelt war. Im Unterschied übrigens zum Oktoberfest: Dort stehen zwar häufig Teller bereit, auf denen zufriedene Toilettengänger freiwillig Geld hinterlassen können. Aber grundsätzlich sind die Klos auf der Wiesn kostenlos.

Eine gesetzliche Regelung gibt es nicht

Gäste für den Toilettengang zahlen zu lassen – in einer Wirtschaft wäre das ungewöhnlich. Ist das überhaupt erlaubt, von den Kunden beim Pinkeln noch einmal Geld zu verlangen?

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Ja, denn es gibt keine gesetzliche Regelung, die es verbietet. Bis 2006 war das Gastronomierecht noch einfacher, weil es bundesweit geregelt war. Doch durch die Föderalismusreform ist nicht mehr der Bund, sondern sind die Länder für das Gastro-Recht verantwortlich.

Seitdem ist entscheidend, was in den jeweiligen Landesgesetzen steht. Das hilft in Bayern allerdings auch nicht weiter, denn in der Gaststättenverordung heißt es: „Für den Vollzug gaststättenrechtlicher Vorschriften sind vorbehaltlich anderweitiger Regelung die Kreisverwaltungsbehörden zuständig.“

Am Ende kommt es daher darauf an, ob die Stadt den Betreibern Auflagen erteilt. Die Stadt Augsburg tut das beim Plärrer nicht - zumindest wenn es darum geht, ob die Toiletten den Kunden kostenfrei zur Verfügung stehen müssen. In den Verträgen ist lediglich geregelt, dass Toiletten vorhanden sein und dass sich die Betreiber darum kümmern müssen, dass diese in einem ordentlichen Zustand gehalten werden.

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Plärrer: So feiern die Augsburger im Festzelt
Bild: Sabrina Schatz

Wirte: Auf die Toiletten gehen nicht nur Gäste

Die Stadt München hingegen setzt über Verträge durch, dass Pinkeln auf dem Oktoberfest kostenfrei ist. Auf Nachfrage bestätigte das zuständige Büro, dass ein entsprechender Abschnitt in den Verträgen mit den Wiesn-Wirten steht.

Anders auf dem Plärrer. Ohne Auflagen können die Zeltbetreiber dort selbst entscheiden, ob sie Geld für den Toilettengang verlangen. Das tun die Zeltbetreiber, das Binswanger Festzelt beispielsweise. „Weil das öffentliche Toiletten sind“, wie Angelika Kempter, die das Zelt mit ihrer Familie betreibt, erklärt. Das Häuschen, das außerhalb des Zeltes steht, könne schließlich von jedem genutzt werden, der auf dem Plärrer unterwegs ist. Die Toiletten zu betreiben und sauber zu halten, sei eben auch mit erheblichen Ausgaben verbunden.

Die Toiletten kosten die Betreiber eine Menge Geld

Ganz ähnlich sieht es der Wirt des Schallerzeltes. Auch hier kostet es 50 Cent, die Toilette aufzusuchen. „Die Toiletten sind ein unglaublicher Kostenfaktor“, erklärt Dieter Held, Chef des Schallerzeltes. 8000 bis 10.000 Euro koste ihn der Sanitärbereich auf jedem Plärrer. „Das ist eine Dienstleistung und die kostet eben Geld.“ Zudem würden auch zu den Toiletten, die im Zelt untergebracht sind, Menschen von draußen, die keine Kunden sind, kommen.

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1938 bis heute: So hat sich der Augsburger Plärrer verändert
Bild: Sammlung Häußler

Zusätzlich zu den Toiletten der Festwirte betreibt auch die Stadt eine eigene Toilette auf dem Volksfest. Die ist unabhängig von den Gastronomiebetrieben in einem Container untergebracht. Auch dort kostet die Benutzung. Von dem Geld kauft der Mitarbeiter des Toilettenhäuschens Dinge wie Handtücher und Klopapier, das restliche Geld kann er laut Stadt behalten.

Frauen müssen zahlen, Männer habe eine Alternative

Manche Männer wundern sich beim Lesen dieses Textes möglicherweise. Denn sie haben bei einem Plärrerbesuch nicht zwangsläufig für den Toilettengang bezahlt. Beim Binswanger Zelt geht ein großer Teil der männlichen Besucher einfach an den aufgestellten Tellern vorbei, ohne Geld abzugeben. Beim Schallerzelt gibt es einen Bereich mit Pinkelrinnen, dort ist der Zugang kostenlos - aber auch nur für Männer.

Für Frauen wiederum kostet jeder Toilettengang. Ohne Geld werden sie nicht eingelassen. „Bei den Frauen ist der Aufwand deutlich größer“, erklärt Angelika Kempter diesen Umstand. So nehme der Bereich für die Frauen allein zwei Drittel des Toilettenhäuschens ein. Und die Reinigung der Rinnen sei nun einmal weniger aufwendig als die der Frauen-Toiletten, das bestätigt auch Dieter Held. Bei den befestigten Toiletten im Schallerzelt müssen Männer und Frauen gleichermaßen bezahlen. Eine kostenlose Alternative gibt es nur für Männer.

Dass das Toilettensystem auf dem Plärrer nicht jedem gefällt, ist den Wirtsleuten bekannt. Held sagt: „Es kommen jeden Plärrer zwei bis drei Menschen, die sich aufregen.“ Die Beschwerden seien aber verschwindend gering. Ein Problem sieht er daher nicht. Schließlich habe auch niemand etwas davon, wenn es kostenlose Toiletten gäbe, die dafür nicht sauber wären. Das sieht auch Kempter so: „Den Leuten ist es am wichtigsten, dass es sauber ist. Dann geben sie auch gerne einen kleinen Obolus.“

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Die Diskussion ist geschlossen.

29.04.2017

Nun denn. In der Tat ist es besser für einen Toilettengang zu zahlen als ein total verdrecktes WC in Kauf nehmen zu müssen.

Dennoch lässt sich das Problem sehr gut lösen – siehe das Beispiel Autobahnraststellen. Man bekommt beim Bezahlen in der Toilette einfach einen Bon, den man dann im Zelt seiner Wahl wieder einlösen kann. Wer nichts konsumiert bezahlt eben die 50 Cent für seine Erleichterung. Dieser könnte übrigens auch an allen Fahrgeschäften und Buden gelten, die sich auf diesem Wege an den Kosten mitbeteiligen könnten.

Dass die Männer für die Benutzung der Urinale nicht bezahlen müssen, dürfte den einfachen Grund haben, dass man damit vermeiden möchte, dass Wildbiesler gar nicht erst bis zum Toilettenwagen – je nachdem – wanken. Das passiert bei Frauen weniger. Eine anatomische Ungleichheit, die nicht zwangsläufig zu einer Ungleichbehandlung führen müsste. DAS gibt es an Autobahraststätten und selbst bei der DB nämlich auch nicht.

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29.04.2017

Ein guter und sinnvoller Vorschlag - der analog zur Autobahnraststätte. Aber der würde den Verdienst der Zelt-/Toilettenbetreiber schmälern - also in Augsburg keine großen Erfolgsaussichten hierfür.

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