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Augsburg

20.04.2018

Warum der Weg zur Fahrradstadt länger dauert

In der Neuburger Straße wurde zwischen Ulrichsbrücke und Schlössle im Zuge des Projekts Fahrradstadt stadtauswärts schon ein Radweg angelegt.
Bild: Michael Hochgemuth (Symbolbild)

Die Stadt gesteht ein, dass das Projekt Fahrradstadt bis 2020 nicht umgesetzt werden kann. Nun soll das Thema Radverkehr zur Daueraufgabe erklärt werden

Die Stadt wird es nicht schaffen, mit ihrem Maßnahmenpaket zur Förderung des Radverkehrs, das unter dem Schlagwort „Fahrradstadt 2020“ firmiert, zügig fertig zu werden. Nachdem sich zuletzt schon abgezeichnet hatte, dass es beim Thema Radwege langsamer als gewünscht vorangeht, soll der Radverkehr nun ohne Zeitvorgabe gefördert werden. Der Radverkehr werde zur Daueraufgabe über das Jahr 2020 hinaus, so Baureferent Gerd Merkle (CSU). Unter anderem sollen dafür zwei befristete Stellen im Tiefbauamt dauerhaft eingerichtet werden.

Kritische Töne: Ist das Projekt Fahrradstadt 2020 gescheitert?

Merkle betont, dass sein Vorstoß, der am Donnerstag im Bauausschuss einstimmig beschlossen wurde, nicht bedeute, dass das Projekt Fahrradstadt 2020 gescheitert sei. Die Stadt hatte sich das Ziel gesetzt, den Radverkehrsanteil von 17 Prozent (2014) auf 25 Prozent im Jahr 2020 zu erhöhen. Wo die Stadt momentan steht, ist unklar. Aktuell läuft eine Befragung durch die TU Dresden, deren Ergebnisse Mitte 2019 vorliegen werden. „Ich bin fest davon überzeugt, dass ich die 25 Prozent einhalten kann“, so Merkle. Er werde sich 2020, wenn die nächste Kommunalwahl ansteht, auch daran messen lassen. „Wir haben uns immens entwickelt, aber es ist noch viel zu tun“, sagte er.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) bewertet das Umsteuern der Stadt eher kritisch. „Es ist natürlich positiv, wenn der Radverkehr zur Daueraufgabe wird, aber man muss sich schon fragen, wie viel bisher dafür passiert ist, dass sich die Stadtregierung die Fahrradstadt als Schwerpunktthema gesetzt hat“, so ADFC-Vorstandsmitglied Martin Wohlauer. Mitunter habe man bei der Politik den Eindruck gehabt, sie zögere und zaudere. Über die Einrichtung eines Schutzstreifens in der Pferseer Deutschenbaurstraße gab es in der Tat lange Debatten.

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Warum die Stadt eine Verkehrswende braucht

Wohlauer wünscht sich, dass die Stadt grundsätzlich eine Verkehrswende vorantreibt – das Rad als Verkehrsmittel soll attraktiver werden, der Autoverkehr unattraktiver gemacht werden. Wohlauers Vorstandskollege Janos Korda fordert, dass es fürs Thema Radverkehr für Kommunen künftig höhere Zuschüsse geben müsse. Zudem sei die Zuschussbeantragung zu kompliziert. Korda wird sich mit dem Thema bald intensiver beschäftigen: Wie am Donnerstag bekannt wurde, laufen Gespräche zwischen der Stadt und Korda, dass dieser neuer Radverkehrsbeauftragter im Tiefbauamt wird. Bisher arbeitet Korda in der Münchner Stadtverwaltung.

Nach dem Grundsatzbeschluss 2012 hatte die Stadt zunächst ein Wegenetzkonzept erarbeitet. Zehn Achsen samt dazugehöriger Wegestandards wurden definiert – Radwege sollen zum Beispiel so breit ausgebaut werden, dass sie auch das Überholen und die Benutzung mit Lastenrädern und Kinderanhängern problemlos ermöglichen. Zudem wurde ein Teil der Einbahnstraßen für Radler auch in Gegenrichtung freigegeben, etliche Radstreifen eingerichtet und zusätzliche Abstellplätze gebaut.

In diesem Jahr ist die Einrichtung von Radstreifen auf der Langenmantelstraße geplant, wofür ein Autostreifen wegfallen muss. Auch in der Neuburger Straße wird zwischen Schlössle und Ulrichsbrücke stadteinwärts ein Radstreifen kommen. Die Situation dort ist bisher unbefriedigend. Und in der Maximilianstraße werden Radler nach langen Jahren Wartezeit sogenannte „Komfortstreifen“ aus geschnittenem Pflaster bekommen, um auf dem Kopfsteinpflaster erschütterungsfreier voranzukommen. Für ein „Leuchtturmprojekt“, etwa einen Radweg in der Holzbachstraße über dem Bachbett des Holzbachs, war bisher aber kein Geld da.

Andere Projekte beeinflussen den Fortschritt der Fahrradstadt

Und auch bei den Radwegachsen kann nur zum kleinen Teil Vollzug gemeldet werden. Zumindest in Abschnitten gab es Verbesserungen, etwa auf dem Altstadtring bei der Bushaltestelle am Vogeltor. Mitunter ist die Stadt aber auch davon abhängig, dass Projekte wie die Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 nach Königsbrunn oder der Neubau der Linie 5 entlang der Bürgermeister-Ackermann-Straße vorangehen, bevor dort neue Radwege gebaut werden können.

Laut Grundsatzbeschluss hätten in fünf Jahren rund acht Millionen Euro in das Projekt fließen müssen. Merkle sagt, dass das Geld aufgrund der angespannten Haushaltslage nicht in voller Höhe bereitgestellt wurde. „Das hatte zur Folge, dass die notwendigen Maßnahmen nicht im vorgesehenen Zeitraum geplant oder realisiert werden konnten.“ Zudem habe es trotz der grundsätzlichen Zustimmung im Stadtrat zum Projekt bei Einzelmaßnahmen immer wieder Diskussionen gegeben, weil deren Folgen umstritten waren. "

Wir hatten unsere Leser 2017 gefragt, wo sie sich gefährdet fühlen, und die Ergebnisse in dieser Karte gebündelt:

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20.04.2018

Ich hoffe auch die Radfahrer werden dann Fahrradstadttauglich. Viele haben von Verkehrsregel wohl keine Ahnung. Da kommen einem Horden auf der falschen Spur entgegen, weil da die Überquerung gerade eine Ampelschaltung schneller ging. Extrem viele fahren auf der falschen Seite, was ja auch für der Fahrzeugverkehr bzw dann für den Radfahrer gefährlich ist.

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20.04.2018

Da fühle ich doch glatt mit ihnen. Ist übrigens nach allen Unfallstatistiken gewertet auch ein weitaus größeres Problem, als Beleuchtung. Komisch, dass gerade die Ordnungshüter lieber ein mal im Jahr symbolisch am Lämpchen rum fummeln, statt diesem Unfug entgegen zu treten. Da geht's nämlich richtig zur Sache.

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20.04.2018

>> In diesem Jahr ist die Einrichtung von Radstreifen auf der Langenmantelstraße geplant, wofür ein Autostreifen wegfallen muss. <<

>> Für ein „Leuchtturmprojekt“, etwa einen Radweg in der Holzbachstraße über dem Bachbett des Holzbachs, war bisher aber kein Geld da. <<

Das ist kein Leuchtturmprojekt sondern eine elend enge und gefährliche Stelle, die von fast allen Radfahrern so wahrgenommen wird und auch nur schlecht auf anderen Wegen umfahren werden kann. Die Langemantelstraße ist dagegen leicht umfahrbar, wenn nicht gerade Plärrer ist. Ich verstehe diese Prioritäten nicht...

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20.04.2018

Sagen wir mal so: In der Langenmantelstraße würde man genau keine Spur weg machen, wenn man nicht genau wüsste, dass durch die Anschlussknoten der Durchsatz ohnehin so weit begrenzt wird, dass die beiden Spuren kaum ins Gewicht fallen. Der Flaschenhals sitzt eben woanders und deswegen stört es auch keinen, wenn da Spuren weg fallen. Für die Autofahrer ändert sich letztlich nicht viel. OK, vielleicht die Straßenbahnfahrer, die dann zukünftig mit im Stau stehen müssen... Irgendwas ist ja immer.

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Stefan_Krog.tif
Kommentar

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